Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


10

Mit der Prothese leben lernen Ein längerer Prozess

Der Eingriff selbst dauert – je nach Prothesentyp und Indikation – zwischen 45 Minuten und zwei Stunden. Danach bleibt der Patient etwa eine Woche im Krankenhaus. Im Anschluss muss der betroffene Arm vier bis sechs Wochen in einer Schlinge oder auf einem Spezialkissen getragen werden, um bestimmte Bewegungen zu vermeiden, damit die Sehnen gut einheilen können.

Stand: 22.08.2017

Ein Leben mit einer Schulterprothese bedeutet für viele eine Umstellung - im Bild: Physiotherapeutin mit einer Gruppe Senioren beim Training | Bild: picture-alliance/dpa

Achtung: Wer die Schulter zu früh wieder bewegt, riskiert einen Sehnenabriss oder eine Luxation und damit möglicherweise dauerhafte Einschränkungen. Im schlimmsten Fall ist dann ein weiterer Eingriff notwendig.

Es braucht viel Übung!

In den nächsten sechs Wochen kann dann aktiv geübt werden, um die Muskulatur zu kräftigen und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Es folgen drei weitere Monate, in denen sich der Patient an die Eigenheiten des neuen künstlichen Gelenks gewöhnen muss. Der gesamte Prozess dauert also etwa ein halbes Jahr. Wie lange genau, hängt von der Ausgangssituation des einzelnen Patienten ab.

Sport mit Prothese

Mit einem künstlichen Schultergelenk kann man selbstverständlich ganz viele Sportarten ohne Probleme betreiben. Nur bei einigen sollte man ein wenig aufpassen:

  • So ist Tennis wegen der enormen Kräfte, die auf die Schulter wirken, nicht zu empfehlen, zumindest wenn das Implantat im Schlagarm sitzt.
  • Ähnliches gilt für andere Racket-Sportarten wie Squash oder Badminton sowie Kampfsportarten (Boxen, Ringen).
  • Beim Golf hängt viel davon ab, ob der Betroffene Links- oder Rechtshänder ist und in welcher Schulter die Prothese sitzt.
  • Bei Sportarten wie beispielsweise Skifahren gilt es, die Gefahr eines Sturzes und damit Bruches im Prothesenbereich zu bedenken.

Lebensdauer von Prothesen

Implantate werden immer langlebiger. Etwa 80 Prozent der Standardprothesen halten auch nach 20 Jahren noch. Die Lebensdauer inverser Prothesen ist dagegen erheblich kürzer. Deshalb sollten diese möglichst nicht vor dem 65. bis 70. Lebensjahr eingesetzt werden.

Die Prothese wechseln

Grundsätzlich ist es natürlich möglich, ein Implantat auszutauschen. Dafür kann es verschiedene Gründe geben:

  • Die Prothese hat sich gelockert: Dann ist die Frage, ob die Knochensubstanz noch ausreicht, um eine neue Prothese zu verankern.
  • Die Rotatorenmanschette ist kaputtgegangen: Die Prothese sitzt deshalb fest und muss herausgemeißelt werden. Dabei wird der Knochen zerstört und die Verankerung eines neuen Implantates wird schwieriger.
  • Es entsteht eine Infektion im Bereich der Prothese: Dann muss die Prothese entfernt und das Abklingen der Infektion abgewartet werden. In dieser Zeit werden Knochen und Weichteile möglicherweise geschädigt, was den Einsatz einer neuen Prothese erschwert (Risiko für solche Infekte: ein bis zwei Prozent).

10