Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Anschlussheilbehandlung Ambulante und stationäre Reha

Ob jemand überhaupt eine Reha bewilligt bekommt oder nicht, ist medizinisch genau festgelegt. Hat ein Patient eine schwere Erkrankung mit Operation und beispielsweise einer Chemotherapie bei Krebs hinter sich, dann rät der Arzt in der Regel zu einer Reha (oder Anschlussheilbehandlung, wie es offiziell heißt). Bisher wurde so eine Maßnahme vor allem stationär angeboten, meistens in einer ländlichen Region.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 12.01.2016

Reha-Behandlung | Bild: picture-alliance/dpa

Seit einiger Zeit gibt es aber immer öfter auch ambulante Angebote, vor allem in größeren Städten. Wer sie in Anspruch nimmt, kann zu Hause wohnen, muss aber regelmäßig zur Behandlung erscheinen. In der Regel erfolgt eine ambulante Reha nach vergleichsweise kleinen Eingriffen, wer dagegen zum Beispiel ein neues Hüftgelenk implantiert bekommen hat, dem raten Ärzte zu einem stationären Aufenthalt in freundlicher und entspannter, meist ländlicher Umgebung. Dahinter steht folgende Überlegung: Bei Patienten, die eine schwere Operation hinter sich haben, muss sichergestellt werden, dass nicht irgendwelche zusätzlichen Krankheiten auftreten, und das ist stationär einfacher zu gewährleisten. Generell ist die ambulante Reha in der Regel billiger als die stationäre. Jeder Patient kann die Empfehlung des Arztes für eine Reha auch ablehnen.

Stationärer Aufenthalt

In Deutschland hat die stationäre Reha eine lange Tradition, vor allem durch die Bemühungen der Rentenversicherung. Generell raten Ärzte zu einem stationären Aufenthalt:

  • Nach größeren oder schwierigen Operationen,
  • bei älteren und gebrechlichen Patienten,
  • wenn zusätzliche Erkrankungen vorliegen,
  • wenn sich der Patient bewusst von den häuslichen Belastungen erholen soll.

"Das klassische Beispiel ist eine Familie, die zu Hause einen dementen Großvater mit versorgt. Hat so ein Familienmitglied eine schwere OP hinter sich, muss er sich auf sich selbst konzentrieren, um wieder fit zu werden. Das fällt in einer stationären Reha wesentlich leichter, denn dort ist man ganz klar abgegrenzt."

Priv.-Doz. Dr. med. Eduard Kraft, Geschäftsführender Oberarzt und Leitung der interdisziplinären Schmerzambulanz, Klinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation am Klinikum der Universität München Großhadern

Nähe zum Wohnort

Viele Krankenhäuser und auch die Rentenversicherungsträger arbeiten heute mit bestimmten Reha-Kliniken zusammen, sie liegen meistens vergleichsweise wohnortnah, es sei denn, man muss wegen einer Lungenerkrankung ins Gebirge oder an die See. Alle Kostenträger achten heute darauf, dass Patienten eine möglichst kurze und damit kostengünstige Anfahrt haben, so dass auch Angehörige und Freunde relativ unproblematisch und schnell zu Besuch kommen können.

Tipp: Informationen holen

"Auf den Seiten der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) kann man sich über stationäre Reha-Kliniken in seiner näheren Umgebung in formieren, das lohnt sich auf jeden Fall." Claudia Spiegel, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik beim Sozialverband VdK Bayern e.V. in München.

Ambulante Reha

Eine ambulante Reha verordnen Ärzte bei kleineren Eingriffen, zum Beispiel nach einer Arthroskopie bei einer Meniskusschädigung, nach der ein Patient Schwierigkeiten mit dem Gehen hat. Vor allem macht eine ambulante Reha dann Sinn, wenn der Patient noch jünger und sportlich ist und wenn er gerne zu Hause bleiben will. Allerdings gibt es längst nicht so viele ambulante Reha-Angebote wie stationäre. In den Städten nimmt die Anzahl in den letzten Jahren jedoch zu.   

Vorsorgekur

Neben der stationären und ambulanten Reha gibt es noch die medizinische Vorsorgekur, z.B. bei Rheuma, Stress oder anhaltenden Infekten, die den Patienten schwächen. Das regelt das Sozialgesetzbuch V, § 23. Bei einer Vorsorgekur übernimmt die Krankenkasse zwar die Behandlungskosten, das Hotel muss man jedoch selbst bezahlen, auch hier sollte man sich davor über die Angebote der entsprechenden Kurklinik informieren.   Wie hoch der Kassenzuschuss ist, regeln die einzelnen Versicherungen in ihrer Satzung. Maximal liegt er bei 13 Euro pro Tag. Außerdem kann man eine Kur auch ohne medizinische Indikation und unabhängig vom Gesundheitszustand machen, dann bezahlt man alles aus eigener Tasche.


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