Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Abhängigkeit Warum Rauchen süchtig macht

"Es ist ganz leicht, sich das Rauchen abzugewöhnen: ich habe es schon hundert Mal geschafft." Mit diesem Spruch bringt Mark Twain zwar zum Schmunzeln, zeigt jedoch das Dilemma. Mit dem Rauchen aufzuhören, ist schwer – selbst für diejenigen, die es unbedingt wollen. Denn Raucher kämpfen sowohl gegen eine körperliche als auch eine psychische Abhängigkeit.

Stand: 01.08.2016

Mann drückt Zigarette in vollem Aschenbecher aus | Bild: picture-alliance/dpa

Suchtmacher Nikotin

Nikotin ist ein starkes Nervengift, das auf spezielle Neurotransmitter im Zentralnervensystem wirkt und hat somit unter anderem Einfluss auf die Ausschüttung von Dopamin und die sogenannten Stresshormone Adrenalin und Noadrenalin. Abhängig von der Dosis kann Nikotin sowohl stimulierend als auch hemmend wirken. Niedrig dosiert kann Nikotin sogar zu einer gesteigerten Leistungsfähigkeit und zu einer verbesserten Gedächtnisleistung führen. Diese vermeintlich angenehmen Nebeneffekte sind es jedoch auch, die zu einer sowohl psychischen als auch körperlichen Abhängigkeit führen können.

Wenn Nikotin fehlt

Bleibt das Nikotin aus, fühlt man sich plötzlich müde, gereizt und unausgeglichen. Das Geheimnis der Zigarette ist, dass sie schneller als jede andere Droge wirkt - innerhalb von nur sieben Sekunden. Dadurch sind Zigaretten für viele ein Mittel, um sich schnell zu belohnen.

"Die unterschiedliche Wirkung hängt davon ab, wie geraucht wird. Dafür haben Raucher ein gutes Gespür. Wenn sie stärker inhalieren, wirkt Nikotin anders, als wenn sie schwächer inhalieren. Es hängt also von der Dosis und der emotionalen Ausgangslage ab."

Dr. Christoph Kröger von der IFT-Gesundheitsförderung in München

Psychische und physische Abhängigkeit

Die körperliche Abhängigkeit ist bei einem Drittel der Raucher sehr stark ausgeprägt. Das sind diejenigen, die schon morgens in der ersten halben Stunde nach dem Aufwachen rauchen müssen und mehr als 20 Zigaretten pro Tag rauchen.

Andere hingegen haben gar kein Problem damit, morgens oder auch tagelang nicht zu rauchen Sie müssen dafür aber in ganz bestimmten Situationen rauchen. Diesen Mechanismus zu überwinden, ist schwer, da das Gehirn mit jedem Zug lernt, dass die Zigarette etwas Gutes ist: beim Kaffeetrinken, beim Telefonieren, im Stress.

Tief im Gehirn verankert - das Suchtgedächtnis

Auch bei Gelegenheitsrauchern hinterlässt die Sucht Spuren im Gehirn, von denen die Wissenschaft noch nicht weiß, ob sie jemals wieder verschwinden. Das Gehirn bekommt bei jedem Zigarettenzug einen Impuls durch das Nikotin. Ein Belohnungsreiz entsteht, der die Gehirnstruktur verändert: Es werden mehr Nervenenden bereitgehalten, an denen das Nikotin andocken kann, damit das positive Gefühl noch besser verwertet wird.

"Pointiert ausgedrückt: Rauchen führt zu einer Erkrankung des Gehirns. Es entstehen mehr Nervenzellen, die auf Nikotin ansprechen und es einfordern, wenn man aufhört zu rauchen. Diese Rebellion äußert sich im Verlangen nach einer Zigarette, dem automatischen Gedanken ans Rauchen oder auch in körperlichen Entzugserscheinungen. Wenn man mit dem Rauchen aufhört, bildet sich diese Veränderung nur ganz langsam zurück, und man weiß nicht, ob das Gehirn jemals wieder seinen alten Zustand erreicht."

Dr. Christoph Kröger von der IFT-Gesundheitsförderung in München

Einmal süchtig - immer süchtig?

Die meisten Raucher, die damit aufgehört haben, werden zwar in den ersten Tagen und Wochen rückfällig, aber es gibt auch Raucher, die nach zehn oder 15 Jahren rückfällig geworden sind. Das kann schnell gehen: Innerhalb von zwei bis drei Wochen ist man beim alten Rauchverhalten angelangt, weil das Gehirn das alles schon mal gelernt und nicht vergessen hat.

"Zumindest für die ersten zehn bis 20 Jahre nach der Abstinenz kann man davon ausgehen, dass Rauchen immer wieder mal ein Thema ist. Vielleicht gilt das auch ein Leben lang. Das, was einmal gelernt wurde, ist so stark, dass ich keinem raten würde, kontrolliert zu rauchen."

Dr. Christoph Kröger von der IFT-Gesundheitsförderung in München

Kontrolliert rauchen?

Dennoch gibt es Raucher, die beispielsweise nur eine Zigarette pro Woche rauchen. Das sind allerdings Einzelfälle. Dabei handelt es sich häufig um Menschen, die nie körperlich abhängig waren. Bei Zigaretten kann sich die Abhängigkeit allerdings schon innerhalb von wenigen Wochen einstellen, abhängig von der jeweiligen Veranlagung. Es gibt Personen, die weniger schnell auf die Effekte einer Zigarette ansprechen, weil der Körper das Nikotin langsamer abbaut - sie haben dann weniger Bedarf zu rauchen und werden auch weniger schnell abhängig.


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