Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Rauchfrei bleiben Rückfallprophylaxe

In der Arbeit raunzt der Kunde ins Telefon, der Chef meckert am Ergebnis der letzten Erhebung herum, und auch daheim hängt der Haussegen schief. Wer in ähnlichen Situationen früher zur Zigarette gegriffen hat, wird auch nach dem Aufhören in Versuchung geraten, dies wieder zu tun.

Stand: 01.08.2016

Frau mit Zigarette | Bild: Getty Images

Hauptgefahren für einen Rückfall

Eines der Hauptrisiken ist Stress. Wer in Stress gerät, wessen Alltag aus den Fugen gerät, wer aus dem normalen Rhythmus fällt, dessen Körper greift spontan auf das alte Repertoire zurück: Das Denken ausgeschaltet, um die Spannung zu reduzieren. Ehemalige Raucher kennen für solche Situationen ein probates Mittel: die Zigarette. Der Körper weiß das, und in solchen Situationen werden die Widerstandskräfte gegen das Rauchen erlahmen. Wer jetzt nicht aufpasst, läuft Gefahr, dass der alte Automatismus das Ruder in die Hand nimmt. Der Rückfall ist da!

"Wenn in meinem Leben Dinge, die Sinn geben, wegbrechen, werde ich wieder anfällig sein. Ich habe zwar keine körperliche Abhängigkeit mehr, aber die psychischen Muster stellen sich wieder ein."

Dr. med. Artur Wölfel vom Krankenhaus für Naturheilweisen in München

Beispiel: Neue Muster lernen

Wer früher geraucht hat, um mit der Zigarette Stress abzubauen, muss lernen, sich anderweitig zu entspannen:

  • durch Rhythmisierung des Alltags,
  • durch das Erlernen von Entspannungsübungen,
  • durch regelmäßige Bewegung.

Fallen diese Komponenten weg, besteht die Gefahr, in das alte Muster zurückzufallen, und es droht der erneute Griff zur Zigarette.

"Ich muss immer wieder schauen: Bin ich im Gleichgewicht, bin ich im Reinen mit mir selbst? Falls nein: Woran hakt es? Die Lust auf eine Zigarette ist ein Signal dafür, dass im Gesamtgleichgewicht vielleicht etwas nicht stimmt."

Dr. med. Artur Wölfel vom Krankenhaus für Naturheilweisen in München

Wie man sich vor der Versuchung schützen kann

  • Umgang mit Stress: Schon im Vorfeld Alternativen zum Stressabbau suchen, die man abrufen kann, bevor man zur gewohnten Zigarette greift. Stress gehört dazu, Stress wird unweigerlich kommen. Deshalb ist es wichtig, alle Situationen, in denen man früher geraucht hat, stabil zu "überlernen".
  • Notfallkarten: Karten, die griffbereit liegen, wenn es zu einer Risikosituation kommt. Auf so einer Karte könnte die Nummer des Rauchertelefons stehen oder auch einfach nur der wichtigste Grund, warum man mit dem Rauchen aufgehört hat. Es geht um eine kurzfristige Strategie, die einen davon abhält, schnell zur Zigarette zu greifen – meist dauern solche Verlangensattacken nur fünf bis zehn Minuten.
  • "Flucht": Wenn das Verlangen nach einer Zigarette - zum Beispiel in vertrauter Runde in einer Gaststätte - zu groß wird, kann es helfen, sich kurzfristig der Situation zu entziehen: "Ich gehe jetzt erst einmal eine Runde spazieren!" Diese Radikalkur kann vor allem in der Anfangsphase helfen.

Nicht mehr rauchen lohnt sich

Chronische Raucher schenken im Schnitt etwa acht Jahre ihres Lebens her, im Extremfall sogar mehr. Wer es jedoch schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, betreibt dadurch nicht nur Schadensbegrenzung, sondern gibt damit seinem Körper auch die Chance, sich zu regenerieren.

"Wenn Sie als ehemaliger Raucher fünf Jahre nicht mehr rauchen, sinkt zum Beispiel das Herzinfarktrisiko wieder auf das Risiko eines Nichtrauchers. Nach fünf Jahren senkt sich auch das Lungenkrebsrisiko um die Hälfte. Auch schon nach einem Jahr ist das Risiko einer koronaren Herzerkrankung um die Hälfte abgesunken im Vergleich zu ihrem Risiko vorher. Raucherhusten normalisiert sich schon nach ein paar Monaten."

Dr. med. Artur Wölfel vom Krankenhaus für Naturheilweisen in München

Messbare Ergebnisse des Rauchverbots

Bereits ein Jahr nach Einführung des Rauchverbots in öffentlichen Gebäuden in Deutschland sind die Ereignisse eines akuten Koronarsyndroms in deutschen Notaufnahmen um 17 Prozent zurückgegangen. In der Türkei gilt schon länger ein Rauchverbot an öffentlichen Plätzen. Seit 2008 ist dort der Anteil der männlichen Raucher von 48 auf 41,5 Prozent im Jahr 2012 gesunken. (Quelle: WHO)

"Sie sehen also: Mit dem Rauchen aufzuhören, rentiert sich immer und zu jedem Zeitpunkt und in jedem Alter, sowohl wegen der kurzfristigen Verbesserung der Befindlichkeit, als auch wegen der langfristigen Reduktion des Risikos relevanter Erkrankungen."

Dr. med. Artur Wölfel vom Krankenhaus für Naturheilweisen in München


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