Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Psychosomatische Krankheitsbilder Zusammenhang zwischen Psyche und Körper

Wie sich psychosomatische Phänomene konkret zeigen, ist sehr unterschiedlich. Verschiedene Organe reagieren jeweils anders auf Belastung und starke Emotionen.

Stand: 01.06.2015

Nicht selten werden durch psychische Probleme organische Beschwerden ausgelöst. Im Bild: Nachdenklicher Mann bei einer psychotherapeutischen Beratung. | Bild: colourbox.com

Wichtig ist, die entsprechenden Zusammenhänge frühzeitig zu erkennen und zu handeln, bevor eine vermeintlich kleine Ursache eine langwierige Kettenreaktion auslöst. 

Die Psyche spricht durch die Organe

Beschwerden an verschiedenen Organen können Ausdruck psychischer Probleme sein - Beispiele:

  • Die Haare werden grau oder fallen aus.
  • Das Immunsystem wird geschwächt. Die Gefahr, krank zu werden, nimmt zu.
  • Die Haut altert schneller.
  • Die Gelenke entzünden sich leichter.
  • Das Herz wird belastet, weil Herzfrequenz und Blutdruck steigen. Das Infarktrisiko erhöht sich.
  • Die Lunge wird schlechter mit Sauerstoff versorgt, weil man unter Stress nicht mehr so tief atmet (Hyperventilation). Dadurch steigt die Infektionsgefahr.
  • Der Magen produziert mehr Magensäure. Übelkeit, Magengeschwüre oder ein sogenannter Reizmagen können die Folge sein.

Ein unheilvoller Kreislauf

Psychosomatische Beschwerden haben für gewöhnlich nicht nur eine Ursache. Körperliche Symptome, wie z.B. Schmerzen, können Ausdruck eines seelischen Konfliktes, etwa aufgrund von Schwellensituationen (z.B. Trennung, Umzug, berufliche Veränderung) oder Lebenskrisen sein.

"Fehlende objektivierbare Befunde verstärken dann häufig noch die Frustration bei den Betroffenen, die eigentlich Bestätigung durch den Arzt erwarten. Der Patient ist enttäuscht und gleichzeitig verliert der Arzt möglicherweise die Geduld, weil er nichts finden kann. Daraus kann ein unheilvoller Kreislauf entstehen. Dass kein körperlicher Befund fassbar ist, heißt nicht unbedingt, dass dem Patienten tatsächlich organisch gar nichts fehlt. Bei manchen Krankheitsbildern, z.B. bei Tinnitus und chronischen Schmerzsyndromen, hat man im Laufe der Zeit das komplexe Zusammenspiel von somatischer Entstehung, psychosomatischer Aufrechterhaltung und hirnfunktionellen Veränderungen zunehmend besser verstanden."

PD Dr. Frank Padberg

Beispielfall im Zeitraffer

Eine 41-jährige Patientin, sehr aktiv und leistungsorientiert, hat einen kleineren Unfall am Arbeitsplatz und zieht sich dabei einen Bänderriss am rechten Sprunggelenk zu. Die Betroffene wird zunächst krankgeschrieben - das erste Mal in ihrem Leben - und muss sich verschiedenen medizinischen Maßnahmen unterziehen. Die für sie als Selbstbestätigung wichtige Arbeit fällt weg, ihr Selbstwertgefühl leidet und es entwickelt sich eine zunehmende Schmerzsymptomatik im rechten Bein. Durch die veränderte Belastungsverteilung bei körperlichen Aktivitäten treten neue Schmerzen im Rücken auf. Die Untersuchungsmaschinerie läuft weiter, aber es gibt keinen klaren körperlichen Befund. Da die Patientin auch zu Hause nicht mehr so leistungsfähig ist, kommen in der Folge Probleme in Ehe und Familie dazu. Von Arbeitgeberseite wird eine frühzeitige Verrentung angesprochen. Die Patientin erlebt damit, dass ihre Lebensstrategien und -regeln plötzlich versagen und nimmt sich als wertlos wahr. Es entsteht ein sich selbst verstärkendes System.

"Bis eine solche Patientin psychosomatisch behandelt wird, vergehen oft Jahre und es besteht bereits eine chronische und schwerer therapierbare Symptomatik. Eine frühere Intervention wäre hier entscheidend."

PD Dr. Frank Padberg

Tipp: Den Kreislauf rechtzeitig stoppen

Sobald sich bei einer deutlichen körperlichen Symptomatik keine erklärenden Befunde ergeben, sollte frühzeitig auch ein Psychosomatiker oder Psychiater hinzugezogen werden, der die psychische Situation und die psychosozialen Umstände des Patienten sowie die Entwicklung der Symptomatik im Kontext der Biographie genauer betrachten kann. Hier gilt: Je früher solche Zusammenhänge erkannt werden, desto eher kann man dem Patienten helfen und psychosomatisch arbeiten.


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