Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Hintergrund Psychosomatik

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Zusätzliche Faktoren Wie das Leben Krankheiten prägt

Zur Beurteilung psychosomatischer Beschwerden sind viele Aspekte von Bedeutung: Die Lebensgeschichte des Patienten, sein persönliches Umfeld und seine genetischen Voraussetzungen.

Stand: 01.06.2015

Zur Beurteilung psychosomatischer Beschwerden sind viele Aspekte von Bedeutung: Die Lebensgeschichte des Patienten, sein persönliches Umfeld und seine genetischen Voraussetzungen. Im Bild: Junge Frau wehrt sich gegen Nähe duch eine ausgestreckte Hand. | Bild: colourbox.com

Außerdem stellt sich die Frage: Wie viel Einfluss hat eine positive Grundhaltung zum Leben?

Die Biografie ist wichtig

In der Psychosomatik spielt die Biografie des Patienten eine besondere Rolle. „Es ist wichtig, sich über den bisherigen Lebensverlauf des Betroffenen zu orientieren. Es gilt, Zusammenhänge zwischen Symptomentwicklung und bestimmten Belastungen, Schwellensituationen oder Lebensphasen zu erkennen“, erläutert Dr. Padberg: „Im Fall unserer 41-jährigen Beispielpatientin kann es wesentlich sein herauszufinden, woher die starke Verknüpfung von Selbstwert und Leistung kommt. Ob sie etwa schon früh im elterlichen Betrieb mithelfen musste und Zuwendung durch die Eltern hauptsächlich über ihre Mitarbeit bekommen hat. Solche Erkenntnisse sind Grundlage heilsamer, psychotherapeutischer Prozesse. Umgekehrt hat natürlich auch eine schwere oder chronische Erkrankung wesentliche Auswirkungen auf die weitere Biografie, sodass es in der Therapie immer auch um Krankheitsverständnis und -bewältigung geht.“

Genetische Faktoren

Es gibt für psychosomatische Problematiken auch genetische Faktoren. „Es ist auffallend, dass manche Menschen trotz großer Belastungen im Leben nie psychische Probleme bekommen, während andere da erheblich anfälliger sind. Die Trennung zwischen genetischen und psychosozialen Faktoren ist im Einzelfall kaum möglich. Deshalb konzentrieren sich Psychosomatiker in ihrer praktischen Arbeit auf das Umfeld und die frühen Prägungen“, meint Dr. Padberg.

Die Rolle des Umfeldes

Das Umfeld eines Patienten mit psychosomatischen Beschwerden ist oft selbst starken Belastungen ausgesetzt.

"Es ist schön, wenn Angehörige oder Freunde helfen können, aber häufig sind sie damit überfordert und bräuchten selbst eigentlich Hilfe. Gerade das Umfeld ist von erheblicher Bedeutung, weil hier oft ungewollt und unbewusst Bedingungen aufrecht erhalten werden, die eine Genesung sogar erschweren können. Therapeutische Aufgabe ist es daher auch, gegebenenfalls die Angehörigen und Bezugspersonen mit einzubeziehen."

PD Dr. Frank Padberg

Gesundheitsschädliches Verhalten als Verstärker

Starkes Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum können psychosomatische Beschwerden negativ beeinflussen. So kann zum Beispiel durch Rauchen eine entzündliche Darmerkrankung wie die Colitis ulcerosa verschlimmert werden. Alkohol kann eine affektive Labilität verstärken und das Risiko für affektive Erkrankungen wie Depressionen erhöhen.

Sonderfall Hypochondrie

Hypochonder sind Menschen, die sich um ihre Gesundheit sehr sorgen, auch auf geringfügige Körpersignale achten und diese als möglichen Ausdruck schwerer körperlicher Erkrankungen interpretieren. Auch dieses Krankheitsbild gehört zu den psychosomatischen Erkrankungen. Bei den Betroffenen führt eine Untersuchung mit einem Normalbefund häufig zu einer kurzfristigen Beruhigung. In der Regel tauchen aber bald neue vermeintliche Symptome derselben oder einer anderen Erkrankung auf. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Hypochondrie und hypochondrischem Wahn, der gelegentlich als Symptom einer schweren Depression auftritt. Bei einem hypochondrischen Wahn sind die Patienten unkorrigierbar von dem Vorliegen einer schweren körperlichen Erkrankung überzeugt, nicht zu beruhigen und zeigen weitere, z.B. depressive Symptome. Eine reine Psychotherapie ist hier nicht ausreichend. Die Patienten müssen dringend medikamentös, z.B. mit Antidepressiva und Antipsychotika behandelt werden.

Was nutzt positives Denken?

Im Zusammenhang mit psychosomatischen Reaktionen stellt sich auch die Frage, ob man negative körperliche Abläufe mit einer positiven psychischen Einstellung beeinflussen kann. Hilft also positives Denken bei Krankheit?

"Ganz allgemein gesagt natürlich ja. Der Ansatz des positiven Denkens in Kursen und Handbüchern ist allerdings sehr plakativ und nicht besonders differenziert. Es gibt durchaus Menschen, die damit etwas anfangen können. Auch wir verwenden in der Psychotherapie Elemente aus diesem Bereich, die allerdings nur einen kleinen Teil der therapeutischen Strategien und Wirkfaktoren ausmachen. Als leicht erlernbares generelles Lebenskonzept für jedermann taugt positives Denken jedoch eher nicht."

Psychosomatiker Dr. Frank Padberg

Ist Lachen wirklich gesund?

In den Bereich der gesundheitsfördernden Wirkung positiver Emotionen gehört auch die Frage, ob Lachen wirklich gesund ist.

"Lachen ist eine höchst komplexe Reaktion, die viele Muskeln und die Atmung erfasst und unser Gesamtbefinden tatsächlich positiv beeinflusst. Es wirkt antidepressiv und vitalitätsfördernd. Dies hat unter anderem mit Ausschüttung bestimmter Botenstoffe zu tun, die auf das Belohnungssystem im Gehirn wirken."

PD Dr. Frank Padberg


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