Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


15

Chirurgische Eingriffe bei Hochbetagten

Von: André Vincze

Stand: 27.05.2015

Wir werden immer älter, entsprechend wird die Zahl der Operationen, die an älteren Menschen durchgeführt werden, steigen. Im Bild: Älterer Patient mit Atemmaske während einer Operation. | Bild: mauritius-images

Man rechnet damit, dass bis 2020 die Zahl der hochbetagten Menschen über 80 Jahre bei Männern um 83 Prozent und bei Frauen um 31 Prozent zunehmen wird. Dementsprechend werden Chirurgen immer mehr Eingriffe bei älteren Patienten durchzuführen haben.

Experte:

Privatdozent Dr.med. Markus Gosch, Chefarzt des Klinikums Nürnberg, Facharzt für Innere Medizin, klinische Geriatrie


Bei der Entscheidung zur Operation und deren Planung sollte ein Team aus Ärzten eingebunden sein, bestehend aus einem Altersmediziner, einem Chirurgen, einem Anästhesisten und bei Bedarf weiteren Spezialisten.

Das biologische Alter

Der Mensch wird mit jedem Tag, jeder Minute und jeder Sekunde älter. Viele Menschen sehen aber viel jünger aus, als sie eigentlich sind. Das biologische Alter wird stark von dem Lebensstil beeinflusst. Das Alter, das in der Geburtsurkunde steht, ist das kalendarische oder biographische Alter. Es sagt nichts über den Gesundheitszustand und den Alterungsprozess aus. Menschen, die im gleichen Jahr geboren sind, haben sich im Laufe der Zeit unterschiedlich entwickelt und sind auch unterschiedlich gealtert. So kann jemand 80 Jahre alt sein, aber sein Organismus theoretisch einem 60-Jährigen entsprechen. Für Ärzte und ihre Entscheidungen sollte das biologische Alter maßgebend sein.

"Das biologische Alter wird am einfachsten über den Funktionszustand des Patienten bestimmt. Ist man noch fähig, Tätigkeiten durchzuführen, die erfahrungsgemäß jüngeren Personen zugeschrieben werden, ist von einem biologisch jüngeren Menschen auszugehen: z.B. wenn ein 70-Jähriger noch joggen oder ein 90-Jähriger noch Treppen steigen kann. Wenn aber einem 60-Jährigen das Treppensteigen Probleme verursacht, ist er biologisch vorgealtert."

Privatdozent Dr. Markus Gosch

Bestimmung des biologischen Alters

Einige Angaben zum Alltag genügen, um das biologisches Alter zu bestimmen. In diesen Testfragen wird neben dem kalendarischen Alter, Körpergröße und Gewicht nach persönlichen Lebensgewohnheiten gefragt, denn Studien zufolge hängt der körperliche Gesamtzustand zum großen Teil vom Lebensstil ab.

Einflüsse auf das biologische Alter

Das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Alterns bestimmt eine Kombination aus angeborenen Voraussetzungen und äußeren Faktoren. Bei einer durchschnittlichen, gesunden Entwicklung kann man davon ausgehen, dass durch Alterungsprozesse die normalen alltäglichen Anforderungen im Allgemeinen bis ins hohe Alter nicht wesentlich eingeschränkt sind. Organsysteme eines Individuums können auch unterschiedlich altern. Jedes System unterliegt eigenen äußeren Einflüssen, wobei auch die genetische Veranlagung eine große Rolle spielt. Ein völliges Ausschalten biologischer Alterungsvorgänge ist zwar nicht möglich, durch individuelle Maßnahmen kann jedoch eine deutliche Verlangsamung erreicht werden.

Der Text beruht auf einem Interview mit dem Privatdozent Dr.med. Markus Gosch, Chefarzt des Klinikums Nürnberg, Facharzt für Innere Medizin und klinische Geriatrie.

Gibt es eine Altersgrenze für Operationen? Schwierig wird es, wenn das Herz oder die Lunge nicht mehr mitmachen. Im Bild: Älterer Mann mit Hüftschmerzen beim Arzt. | Bild: mauritius-images zum Artikel Operation ab 80 Gibt es eine Altersgrenze für Operationen?

Der gesundheitliche Zustand und die Indikationen für den chirurgischen Eingriff bestimmen die Entscheidung über eine Operation, nicht das kalendarische Alter. Begleiterkrankungen müssen bei Älteren aber ebenfalls beachtet werden. [mehr]

Am häufigsten werden im Alter Knochenbrüche operiert. Sie sind meist die Folge eines Sturzes. Im Bild: älterer Frau mit einem eingegipsten Arm. | Bild: colourbox.com zum Artikel Beispiel möglicher OPs Bis ins hohe Alter per Operation behandelbar

Was vor ein paar Jahrzehnten noch die Ausnahme war, ist mittlerweile ganz normal in der Chirurgie: die Operation von hochbetagten Patienten. Heutzutage sind mehr als 40 Prozent aller Operierten über 60 Jahre alt. [mehr]

Das Wichtigste nach einer Operation von Hochbetagten ist deren Mobilisation. Im Bild: Senioren bei der Physiotherapie in einer Reha-Klinik. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Postoperative Heilungschancen im Alter Nach der OP

Für den Erfolg der Operation ist die Zeit nach dem Eingriff von großer Bedeutung. Im Gegensatz zu jüngeren Patienten erholen sich ältere Patienten nach einer Operation langsamer und bleiben entsprechend länger stationär. [mehr]


15