Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Nahrungsmittelallergie Wenn die IgE-Antikörper auftauchen

Eine Lebensmittelallergie richtet sich immer gegen Eiweißstoffe, dabei bildet das Immunsystem Antikörper oder Abwehrzellen gegen diese eigentlich ungefährliche Substanz. Eine erbliche Veranlagung für Allergie liegt häufig, aber nicht immer vor.

Stand: 22.05.2017

Vor allem Milch wird häufig nicht vertragen - im Bild: Mädchen trinkt ein Glas Milch | Bild: picture-alliance/dpa

Die Reaktionen können ganz unspezifisch sein und reichen von Durchfall über Erbrechen und Hautausschlag bis zu Asthma. Das Tückische dabei ist: Die Symptome einer Allergie können denen einer Unverträglichkeit sehr ähnlich sein.

Ausbreitung von Nahrungsmittelallergien

Ob Nahrungsmittelallergien zunehmen, oder nicht, kann man nicht mit Sicherheit sagen, denn ihre Diagnose ist sehr schwierig. Reagieren z.B. zwei Patienten auf Milch mit Bauchweh und Durchfall, dann kann das bei dem einen mit der Unverträglichkeit von Milchzucker zusammenhängen, während der andere auf das Milcheiweiß allergisch ist. Schätzungen zufolge leiden in den Industriestaaten etwa drei bis sechs Prozent der Kinder an einer Nahrungsmittelallergie und zwei bis vier Prozent der Erwachsenen.

Nahrungsmittelallergien bei Kindern

Bei Kindern sind Milch und Ei die häufigsten Nahrungsmittelallergie-Auslöser, beide Allergien können sich auswachsen. Das heißt, die Kinder entwickeln im Laufe der Jahre eine immunologische Toleranz dagegen. Warum jemand zunächst eine Allergie und dann wieder eine Toleranz entwickelt oder nicht, ist unbekannt.

Beikosteinführung

Zwischen der 17. und 26. Lebenswoche sollte man beginnen, den Babys neben der Muttermilch Beikost in Form von Brei zu geben. In Bezug auf mögliche Allergien gibt es dabei keinerlei Einschränkungen – auch nicht bei Kindern aus Risikofamilien oder bei Kindern mit leichtem bis mittelstarkem Ekzem. Eine vorherige Testung auf Sensibilisierung ist dabei nicht nötig. Ganze Nüsse oder Nusstücke sollten bis zum vierten Lebensjahr nicht gegeben werden, da die Gefahr besteht, dass das Kind daran ersticken könnte. Erlaubt und sogar erwünscht sind aber Nussmus oder Erdnussprodukte. In diesem Alter heißt es also nicht „Du darfst nicht“, aber auch nicht: „Du musst“ – vielmehr: „Du darfst, es ist erwünscht“.

Sonderfall: Klinische Hühnereiallergie und schweres Ekzem bei Babys

Bei Verdacht auf eine klinische Hühnereiallergie mit schwerem Ekzem sollte eine Testung auf Erdnusssensibilisierung erfolgen. Falls der Test negativ ausfällt, sollte man zeitnah mit der Gabe von Erdnussmus beginnen. Fällt der Test positiv aus, sollte man möglichst bald einen Kinderallergologen aufsuchen.

Immer mehr Ältere

Wissenschaftlicher beobachten, dass zunehmend mehr ältere Menschen an Nahrungsmittelallergien erkranken.

Die Ursachen

  • Das Immunsystem wird im Alter weniger tolerant.
  • Die Menschen werden immer älter und erleben diese Phase eher als früher.

Rolle des Immunsystems

Nahrungsmittelallergien werden durch eine fehlgeleitete Immunreaktion ausgelöst, bei der sich im Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff oft sogenannte IgE-Antikörper (Immunglobulin E) bilden.

Bei diesen Typ I-Allergikern reagiert der Körper sofort, d.h. innerhalb von ein bis zwei Stunden, nachdem man ein bestimmtes Nahrungsmittel gegessen hat, in den restlichen Fällen erst zeitverzögert.

Unterschiedliche Symptome

Häufige Symptome einer Nahrungsmittelallergie zeigen sich vor allem an der Haut in Form von Jucken, Schwellen und Quaddeln (Urtikaria). Betroffen sein können auch die Schleimhäute im Mund, an Augen oder Lippen. Neurodermitis-Patienten können auf den Verzehr des Allergie auslösenden Nahrungsmittels mit Jucken der entzündeten Haut reagieren. 

Auslöser einer Nahrungsmittelallergie

Auslöser für Lebensmittelallergien können einzelne Gewürze in Nahrungsmitteln genauso sein wie exotische Früchte (Kiwis). Außerdem kann sich bei manchen Menschen das Immunsystem in den ersten Lebensjahren anders entwickeln als bei anderen, dann treten zehn oder 20 Jahre später Allergien auf. Manche Lebensmittel ändern ihre Allergenität auch durch Erhitzen: So lösen z.B. geröstete Erdnüsse häufiger Allergien aus als rohe. Oder stark erhitzte Milch wird von einigen Patienten vertragen, aber nicht erhitzte Milch löst Reaktionen aus.

Kreuzreaktionen: die zwei Möglichkeiten

Kuh- und Ziegenmilch

Allergie gegenüber Milch ist häufig - im Bild: Mädchen mit einem Glas Milch in der Hand | Bild: colourbox.com

Allergiker, die sowohl auf Kuh- als auch auf Ziegenmilch reagieren, gibt es häufig. Der Grund: 90 Prozent der Eiweiße sind identisch. Die Überlappung zu Schafmilch ist nicht so groß, aber auch möglich.

Pollenallergiker

Pollenallergiker sind empfindlich gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln. Heuschnupfen-Patienten können auch auf bestimmte Nahrungsmittel wie zum Beispiel Äpfel, Nüsse oder Sellerie reagieren, vor allem im rohen Zustand. Sie spüren dann oft ein Jucken oder Brennen im Mund.


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