Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Diagnose Pricktest auf Antikörper

Allergiker sind vor allem daran interessiert, herauszufinden, worauf sie reagieren, und dieses Nahrungsmittel dann weg zu lassen, sodass sich die Symptome bessern. Doch diese Suche kann langwierig sein.

Stand: 22.05.2017

Nahrungsmittelintoleranzen werden mittels sog. Prick-Tests diagnostiziert - im Bild: Patient beim Prick-Test | Bild: picture-alliance/dpa

Bekannt ist, dass 80 bis 90 Prozent der Lebensmittelallergien von einem knappen Dutzend Auslöser verursacht werden.

"Bei Kindern sind das Milchprodukte (Milcheiweiß), Ei, Weizen, Soja, Nüsse und Erdnüsse. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kommen Fisch oder Schalentiere dazu."

Prof. Sibylle Koletzko, Dr. von Haunersches Kinderspital in München

Ein Puzzleteil: Der Pricktest

Bei diesem Test misst man die Antikörper (Immunglobulin E) (IgE), die das Immunsystem gebildet hat. Da aber nicht alle Nahrungsmittelallergiker IgE bilden, ist möglicherweise kein Ergebnis feststellbar, doch der Patient hat trotzdem eine Lebensmittelallergie. Umgekehrt haben viele Kinder messbare IgE-Werte auf Nahrungsmittel, doch nur wenige zeigen eine klinische Reaktion. Ihr Körper ist also zwar messbar sensibilisiert, reagiert aber nicht mit Beschwerden.

Sensibilität heißt nicht Allergie!

Wenn Tests ergeben, dass eine Sensibilität vorliegt, heißt das nicht, dass es sich dabei um eine Allergie handelt. Man sollte sich von einem positiven Ergebnis nicht verunsichern lassen und nur deshalb automatisch auf gewisse Nahrungsmittel verzichten. Das würde zu einer unnötigen Einschränkung in der Ernährung führen.

Vorsicht vor nicht-evidenzbasierten Tests

Die Naturheilkunde bietet nicht-evidenzbasierte Tests bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten an, wie beispielsweise sogenannte IgG-Tests (Immunglobuline) oder auch IgG4. Aus schulmedizinischer Sicht ist davon genauso abzuraten wie von sogenannten „Bioresonanztests“.

Diätphase und Belastungstest

Nur, indem man als Auslöser verdächtige Nahrungsmittel weglässt und kontrolliert, ob Beschwerden verschwinden oder sich bessern, kann man den Verdacht erhärten. Um die Diagnose zu sichern, führt man in der Regel einen Belastungstest durch, um eine allergische Reaktion nachzuweisen. Dabei wird Patienten das infrage kommende Nahrungsmittel bewusst verabreicht. Um dabei Gefahren auszuschließen, wird mit sehr kleinen Mengen begonnen und  nur unter ärztliche Aufsicht durchgeführt.

"Auch beim Belastungstest reagieren manche Patienten mit dem Placebo-Effekt. Sie haben Angst vor der Reaktion und sofort wird ihnen schlecht, sie bekommen Durchfall oder die Haut blüht. Deswegen empfehlen wir bei unklaren Reaktion bei Schulkindern und Erwachsenen, dass die Allergene (z.B. Milcheiweiß oder Hühnerei) beim Belastungstest verblindet, d.h. gemischt mit einem verträglichen Nahrungsmittel gegeben werden."

Prof. Koletzko, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität, München


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