Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Noch kränker statt gesund

Von: Kathrin Hasselbeck

Stand: 15.01.2015

Gegen Krankenhauskeime ist das Desinfizieren der Hände das A und O. Im Bild: Mitarbeiter am Klinikum Essen desinfiziert sich die Hände. | Bild: picture-alliance/dpa

Im Krankenhaus versammeln sich Menschen mit Infektionen, klar – dort werden sie behandelt. Aber natürlich bedeutet das auch eine hohe Konzentration verschiedener Bakterien.

Experte:

Dr. Friedemann Gebhardt, Institut für Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene, Technische Universität München

Unsichtbar wie sie sind, können sie leicht von einem auf den anderen übertragen werden – über Oberflächen des Krankenhausmobiliars oder über den Kontakt zu Pflegekräften. Und besonders die sogenannten multiresistenten Keime, die kaum mehr auf Antibiotika reagieren, sind gefährlich. Jährlich sterben in Deutschland schätzungsweise 15.000 Menschen an im Krankenhaus erworbenen Infektionen.

Hygienemaßnahmen sind das A und O

Um diesen Erregern keine Chance zu geben, sind sorgfältige Hygienemaßnahmen notwendig. Vor allem sollten Ärzte und Pflegekräfte nach jeder Behandlung ihre Hände desinfizieren. Doch das ist auch eine Frage der Zeit. Das Problem der mangelnden Krankenhaushygiene wurde in den vergangenen Jahren viel diskutiert. Seitdem tut sich etwas, denn immer mehr Krankenhäuser achten mehr auf Hygiene.

Antibiotika-Resistenz

Die sogenannten multiresistenten Bakterien haben eine Immunität gegen Antibiotika entwickelt. Dadurch ist eine Behandlung von Infektionen erschwert. Das Problem: Multiresistente Bakterien reagieren nicht oder kaum auf herkömmliche Antibiotika.

- Das liegt zum einen am Einsatz von Antibiotika allgemein: Immer, wenn ein Antibiotikum eingenommen wird, erzeugt man Selektionsdruck, das heißt, die resistenten Bakterien können sich weiter vermehren und von Mensch zu Mensch ausbreiten.

- Gleichzeitig sterben die anderen, sogenannten sensiblen Bakterien ab.

- Verstärkt wird dieser Effekt noch durch unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika.

"Die wesentliche Verbreitung von multiresistenten Keimen findet außerhalb des Krankenhauses statt, über Mensch-zu-Mensch-Kontakt, über fäkal-orale Aufnahme, zum Beispiel bei Lebensmitteln."

Dr. Friedemann Gebhardt

MRSA

Das bekannteste Krankenhausbakterium ist der MRSA (Methicillin-resistenter-Staphylococcus Aureus). Es findet sich auf Schleimhäuten, zum Beispiel in der Nase, und auf der Haut. Dadurch ist es leicht übertragbar. Im Krankenhaus sind besonders Intensivstationen betroffen.

Der MRSA ist resistent gegen viele herkömmliche Antibiotika. Dadurch muss man auf alternative Therapien mit Reserveantibiotika ausweichen, die zu längeren Krankenhausaufenthalten und höheren Sterberaten führen können.

Multiresistente Gramnegative Bakterien

Wesentlich gefährlicher als MRSA sind die sogenannten multiresistenten gramnegativen Bakterien. Seit Mitte der 2000er Jahre sind sie auf dem Vormarsch. Das bekannteste heißt Escherichia coli, kurz E.Coli. Sie sitzen im Darm und haben – ebenso wie die MRSA – Resistenzen gegen viele Antibiotika entwickelt.

"Die multiresistenten Gramnegativen sind das große Problem der Zukunft. Viele Maßnahmen, auch in der Prävention, fallen weg. Bei MRSA ist derzeit ein Rückgang zu beobachten. Man hat mit Nasensalben und antiseptischen Waschungen effektive Sanierungs-Möglichkeiten. Aber Gramnegative können sich leichter verbreiten, weil sie Darmbakterien sind. Da kommt man nicht dran. Es gibt Hinweise, dass die Erreger teilweise nach einiger Zeit von selbst verschwinden."

Dr. Friedemann Gebhardt

Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE)

VRE sind, ebenso wie andere Enterokokken, im Darm angesiedelt. Aufgrund ihrer Resistenz gegen das Antibiotikum Vancomycin können sie nur mit Reserve-Antibiotika behandelt werden. Da man aber im Darm selbst nicht behandeln kann, dauert ein Befall mit VRE Monate bis Jahre. Die VRE verbreiten sich über Hände und Oberflächen.

Dem Text liegt ein Interview mit Dr. Friedemann Gebhardt (Institut für Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene an der Technischen Universität München) zugrunde.

Multiresistente Bakterien tauchen insbesondere in der Massentierhaltung auf, aber auch Menschen mit einem schwachen Immunsystem sind sehr gefährdet. Im Bild: Ein Landwirt streichelt eines seiner Mastschweine im Gehege. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Wer ist gefährdet? Alter, schlechtes Immunsystem, Landwirte

Es gibt Gruppen von Menschen, die besonders anfällig für multiresistente Bakterien sind. Und es gibt Menschen, die aufgrund ihres Berufs leicht in Berührung mit diesen Keimen kommen. [mehr]

Sowohl um einer Infektion mit multiresistenten Bakterien vorzubeugen, als auch, um Patienten mit solchen Infektionen zu behandeln, müssen Hygienestandards beachtet werden. Im Bild: Eine OP-Schwester zieht sich in einer Klinik vor ihrer Arbeit im OP Handschuhe an.  | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Hygiene hilft Desinfektion und Schutzkleidung

Sowohl um einer Infektion mit multiresistenten Bakterien vorzubeugen, als auch, um Patienten mit solchen Infektionen zu behandeln, müssen Hygienestandards beachtet werden. Aber: Hygiene ist auch eine Frage der Zeit. [mehr]


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