Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Krankheiten im Alter Arthrose vs. Bluthochdruck

Nichtsteriodale Antirheumatika (wie Ibuprofen und Diclofenac), die viele ältere Patienten gegen Schmerzen bei Arthrose nehmen, sind hochwirksame und aber auch hoch-nebenwirkungsreiche Medikamente.

Stand: 29.08.2016

Krankenschwester mit Medikamentenkoffer kümmert sich um eine ältere Patientin | Bild: colourbox.com

Die wesentliche Nebenwirkung ist die Erhöhung des Blutdrucks. Dieser wiederum ist gefährlich für das Herz. Aber ohne Schmerzmittel geht es oft nicht. Was tun?

"Grundsätzlich gilt: Ibuprofen, Diclofenac, Coxibe oder ähnliche Wirkstoffe sollten ältere Patienten ohne ärztlichen Ratschlag überhaupt nicht nehmen. Auch wenn man sie teilweise einfach in der Apotheke holen kann. Aber sie sind gefährlich bei Menschen mit u.a. schwachen Nieren und Herzen, Bluthochdruck oder Diabetes."

Dr. Siegel, ehemals Geriatriezentrum Neuburg

Ein typischer Fall

Ein Patient hat Arthrose und erhöhten Blutdruck. Die Arthrose schränkt ihn aufgrund der Schmerzen sehr im Alltag ein: Er geht nicht regelmäßig einkaufen und ernährt sich deswegen mangelhaft. Er nimmt nicht mehr am sozialen Leben teil und lässt sich daraufhin gehen, d.h. er achtet nicht mehr auf sein Wohlbefinden und seine Gesundheit. Um diese Abwärtsspirale zu verhindern, müssen die Arthroseschmerzen gut behandelt werden. Kann man, um Wechselwirkungen zu vermeiden, die Medikamente gegen Bluthochdruck verringern und einen nicht optimal eingestellten Blutdruck hinnehmen?

Die Antwort des Geriaters

Manchmal muss der Arzt abwägen, wie hoch die einzelnen Medikamente dosiert werden müssen.

Grundsätzlich kann man eine Abwägung durchaus vornehmen. Aber was passiert, wenn der Bluthochdruck etwas zu hoch bleibt (z.B. 160 zu 100)? Die Folge wären Gefäßerkrankungen am Herzen und im Gehirn. Auch ein Schlaganfall wäre ein nicht diskutables Risiko, da schwerste Behinderungen und eine extreme Pflegebedürftigkeit die Folge sein können.

Start low, go slow

Deswegen gilt für jede Abwägung zwischen sich negativ beeinflussenden Medikamenten folgende Regel: Sanft anfangen und langsam verändern. Man kann ruhig niedrig dosieren, dann gut beobachten, wie das wirkt, und (am besten in Abstimmung mit dem Hausarzt) langsam mehr nehmen.

"Bei älteren Patienten wirken manchmal Dosierungen, bei denen die Pharmafirma sagen würde, das sei eine homöopathische Dosis. Darauf geben Altersmediziner überhaupt nichts. Denn wir wissen, dass bei Älteren oft wenig Wirkstoff reicht."

Dr. Siegel, ehemals Geriatriezentrum Neuburg

Gerade in der Schmerztherapie gibt es viele Beispiele, dass man weniger Wirkstoff verschreiben kann. Entscheidend ist, dass der Patient mit dem Erreichten zufrieden ist. Oft reicht es, dass der Patient das Gefühl hat: ‚Bewegungsschmerzen sind zwar nicht angenehm, aber sie quälen mich auch nicht. ‘ Das ist durchaus ein Ziel, das Arzt und Patient zusammen besprechen können, wenn sich dadurch gefährlich hohe Dosierungen von Medikamenten vermeiden lassen.

Wichtig: Die Nieren kontrollieren

Nichtsteriodale Antirheumatika werden außerdem über die Nieren ausgeschieden. Deswegen muss gerade bei Patienten, die Schmerzmittel nehmen, die Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert werden.

Tipp: Was man bei kranken Nieren nehmen kann

Patienten, die eine eingeschränkte Nierenfunktion haben, sollten eher Opiate als herkömmliche Schmerzmittel nehmen, wenn eine dauerhafte Schmerzmedikation erforderlich ist. Das muss natürlich genau mit dem Arzt besprochen werden. Denn für Patienten mit neurologischen Störungen oder auch Gedächtnisschwierigkeiten sind Opiate weniger geeignet, weil sie Prozesse im Gehirn dämpfen.


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