Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Reizdarm Viele Störungen, ein Begriff

Typisch für den Reizdarm sind sehr unterschiedliche Beschwerden: Durchfall und Verstopfung - auch im Wechsel - uncharakteristische Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen ...

Von: Prisca Straub

Stand: 30.07.2015

Reizdarm kann unterschiedliche Beschwerden hervorrufen - im Bild: Eine Frau,die sich nicht wohl fühlt  | Bild: Stockbyte

... Schleimabgang beim Stuhlgang oder das Gefühl der inkompletten Stuhlentleerung. Unter dem Begriff Reizdarm fasst man eine Summe mehrerer Symptome ohne erkennbare Ursache zusammen.

Überempfindlichkeit: Nerven - Nahrung - Stress

Hinter Stuhlunregelmäßigkeit und Blähungsneigung steckt eine sogenannte Motilitäts-Störung. Die Darm-Motilität, also die Darmbeweglichkeit, wird normalerweise durch einen Dehnungsreiz in Gang gesetzt. Der Darm füllt sich, dehnt sich und das Nervensystem bekommt den Reiz, den Darm zusammenzukrampfen und somit den Stuhl weiterzuschieben. Bei Patienten mit Reizdarm funktioniert dieser Vorgang nicht: Entweder ist ihr Darm zu träge (Verstopfung) oder hypermobil (Durchfall). Sowohl die Schulmedizin als auch die Naturheilkunde setzen zuerst auf Entkrampfung und Schmerzlinderung. Häufig besteht auch eine Überempfindlichkeit gegenüber sehr fetthaltigen und ballaststoffreichen Speisen. Die Patienten müssen deshalb herausfinden, ob die Beschwerden mit bestimmten Nahrungsmitteln zusammenhängen.

Welche Rolle die Psyche spielt

"Patienten mit Reizdarmsyndrom leiden oft zusätzlich an funktionellen Erkrankungen, die psychosomatisch begründet sind: psychovegetative Erschöpfung, Ängste, Depressionen, Kreislauflabilität oder Reizblasensymptome, Menstruationsbeschwerden und muskuläre Verspannungen. In Einzelfällen kann eine medikamentöse Therapie mit Psychopharmaka sinnvoll sein."

Dr. Artur Wölfel, Internist und Arzt für Naturheilkunde

Medizin am Scheideweg

Schulmedizin

"Reizdarm ebenso wie nervöser Reizmagen sind lästige, aber letztlich ungefährliche Zustände. Am wichtigsten ist, dass der Schulmediziner überflüssige, belastende Diagnostik vermeidet und eine Übertherapie verhindert. Heilen kann man diese funktionellen Störungen nicht, wohl aber die Beschwerden lindern. Letztlich ist wichtig, dass der Patient die Beschwerden eher als 'persönlichkeitsspezifische Merkmale' denn als Erkrankung wahrnimmt." Schulmediziner Prof. Burkhard Göke

Komplementäre Medizin

"Derjenige, der unter Blähungen leidet, muss auslösende Nahrungsmittel meiden (Hülsenfrüchte, Kohlsorten, Zwiebeln, in Fett gebratene Speisen). Der 'Durchfalltyp' sollte Ballaststoffe (zum Beispiel Apfelpektin) einnehmen, weil sie den Stuhl eindicken. Und derjenige, der unter Verstopfung mit Blähungen leidet, braucht wasserlösliche Ballaststoffe (Flosamen), weil das die mildeste Art der Kontraktionssteigerung des Darmes ist." Naturheilkundler Dr. Artur Wölfel


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