Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Krebspatient Kind Diagnose: Sterbenskrank

Krebs ist eine Krankheit, die vor allem mit Erwachsenen in Verbindung gebracht wird. Aber jedes Jahr erkranken in Deutschland knapp 2.000 Kinder an Krebs, meistens an Leukämie – eine Diagnose, die sie mit dem Sterben konfrontiert.

Stand: 24.02.2016

Leukämiekrankes Kind mit Arzt und Mutter | Bild: picture-alliance/dpa

Die häufigste Krebserkrankung bei Kindern ist die Leukämie, also Blutkrebs. Aber auch Tumoren im Gehirn, dem Nervensystem, in der Leber oder – vor allem bei Jugendlichen – in den Knochen kommen vor. Neben der körperlichen Behandlung spielt gerade bei Krebs auch die psychische Betreuung eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt deshalb, weil ein Kind zusätzlich zu seiner eigenen Angst auch noch mit den Sorgen seiner Eltern und mit Schuldgefühlen zu kämpfen hat. Das alles erfordert einen aufmerksamen Umgang mit der ganzen Familie, um die Situation nicht schlimmer zu machen, als sie schon ist.

Krank aber daheim?

Leukämiekranke Kinder werden nach speziellen Protokollen therapiert. Nach einer ersten, intensiven Behandlungsphase im Krankenhaus gehen sie nach Hause und kommen zur weiteren Chemotherapie zu ambulanten oder kurzen stationären Aufenthalten in die Klinik. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese Kinder aufgrund von Infektionen oder Komplikationen im Rahmen der Behandlung doch immer wieder über längere Zeit stationär behandelt werden müssen.

Kinderonkologie: erfreulich gut organisiert

Krebserkrankungen bei Kindern unterscheiden sich von denen bei Erwachsenen. Letztere haben oft Tumore in Brust, Prostata, Darm oder der Lunge – dieses Spektrum kommt bei Kindern so gut wie nicht vor. Durch eine gute Vernetzung konnten Ärzte und Wissenschaftler im Bereich der Kinderonkologie standardisierte Therapiemaßnahmen und klinische Studien entwickeln und dadurch beispielhaft zeigen, dass gemeinsame Forschungsanstrengungen zum Ziel führen können.

Das erfreuliche Ergebnis: Während in den Fünfzigerjahren die Diagnose Krebs in jedem Fall für ein Kind den Tod bedeutete, können heute 80 Prozent der krebskranken Kinder dauerhaft geheilt werden.

"Die Krebstherapie beruht allerdings immer noch auf teils archaischen Methoden. Zell-Gifte in Form der Chemotherapie haben zum Teil massive Nebenwirkungen. Aber wir sind gemeinsam mit vielen anderen Experten weltweit dabei, neue Verfahren einer Immuntherapie zu erproben, die ganz gezielt nur die Krebszellen eliminieren, ohne die gesunden Zellen anzugreifen. Die Krebsbehandlung bei Kindern ist eine Erfolgsgeschichte der modernen Medizin – sie ermutigt uns, auf diesem Wege weiter zu gehen, damit wir in Zukunft alle Kinder gut behandeln können!"

Prof. Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital München

Weltweite Vernetzung – vorbildhaft

Weltweit werden Patientendaten gesammelt, um die Forschung voranzutreiben.

Die hervorragenden und gut funktionierenden Strukturen, die dafür sorgen, dass in Europa und den USA krebskranke Kinder so erfolgreich behandelt werden können, dienen als Vorbild für die Herangehensweise auch an seltene Erkrankungen. Für Krebs gibt es Studienzentralen, in denen deutschlandweit alle Gewebeproben und Patientendaten gesammelt werden, um dieses Wissen für neue Fälle nutzen zu können. Gerade bei besonders seltenen Erkrankungen wäre so eine Dokumentation hilfreich, um Parallelfälle miteinander vergleichen zu können. Momentan gibt es in diesem Bereich erst ansatzweise eine Bündelung der Forschungsaktivitäten, bedauert Prof. Klein.

Selbsthilfegruppe für betroffene Eltern

Die Elterninitiative Intern 3 im Dr. von Haunerschen Kinderspital München e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, "der Krankheit Krebs bei Kindern Leben abzuringen".

Die Initiative Intern 3 mit ihrem Vorsitzenden Alois Fruth versteht sich als Anlaufstelle für Eltern von Kindern, die an Krebs erkrankt sind oder an seltenen Erkrankungen leiden.

Kontakt:
Tel.: 08136-1078
Fax: 08136-9695
Mail: info@eltern-intern3.de


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