Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Problemkind Finanzierung Kinder sind teuer – auch in der Medizin

Geht es um Kinder, gelten gerade in der Medizin spezielle Regeln: Studien müssen berücksichtigen, dass Kinder sich noch im Wachstum befinden – das kann teuer werden. Und einen lukrativen Markt stellen Kinder auch nicht dar.

Stand: 24.02.2016

Kind mit Medikamenten - Symbolfoto | Bild: picture-alliance/dpa

Tabletten in der Grauzone

Viele Präparate sind nicht für eine Anwendung in der Kinderheilkunde zugelassen – weil sie nicht auch für Kinder entwickelt worden sind. Wenn sie dennoch bei Kindern gegeben werden – und das ist sehr häufig nötig – bewegen sich Ärzte in einem Grenzbereich. Nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus ethischen Gründen ist es schwierig, Kinder in klinische Studien mit einzubeziehen.

Gesetz verpflichtet

Tatsächlich dürfen Pharmaunternehmen aber inzwischen nicht mehr an Kindern vorbeiforschen. Seit Januar 2007 sind sie per Gesetz dazu verpflichtet, die Wirkung jedes neuen Arzneimittels auch für Kinder und Jugendliche zu testen.

Verordnung über Kinderarzneimittel

Bis das Gesetz am 26. Januar 2007 in Kraft trat wurden Kinder – gerade wenn sie an seltenen Erkrankungen litten – mit Medikamenten behandelt, die nicht für ihre Altersgruppe zugelassen waren. Dieses Risiko mussten die behandelnden Ärzte eingehen, weil es keine Alternativen gab. Seit dem 26. Juli 2008 muss nun jedes neue Arzneimittel, bevor es zugelassen wird, ein sogenanntes „pädiatrisches Prüfkonzept“ vorweisen, in dem eine Anwendung an Kindern und Jugendlichen eingeschätzt werden muss.

Neugeborenenscreening

Weil vier von fünf seltenen Erkrankungen genetisch bedingt sind, wären prophylaktische Maßnahmen im Kindesalter beziehungsweise eine frühe Behandlung – sofern möglich – wünschenswert. Die besondere Chance: Werden manche Gendefekte rechtzeitig erkannt (zum Beispiel im Rahmen eines standardisierten Neugeborenenscreenings), kommt es vielleicht gar nicht erst zum Ausbruch von Folgeproblemen. Momentan werden bei diesem Screening Stoffwechselerkrankungen abgefragt. Aber auch die Technologie zum Screening auf Immundefekte ist bereits einsatzbereit.


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