Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Kinder – besondere Patienten Ein Fall – drei Patienten

Mit einem kranken Kind werden auch immer unweigerlich die Eltern und das nahe familiäre Umfeld zu Betroffenen. Dieser Herausforderung muss sich jede Kinderklinik stellen. Das ist ein Balanceakt, den es zu meistern gilt.

Stand: 24.02.2016

Krebskrankes Kleinkind schaut aus seinem Gitterbett | Bild: picture-alliance/dpa

Wenn Kinder krank sind, betrifft das ebenso die Eltern, oft auch noch weitere Familienangehörige. Gerade bei seltenen Erkrankungen, die schwer diagnostiziert werden können, die langwierig, weil chronisch sind, bedeutet das für die ganze Familie eine Lebensumstellung. Plötzlich steht nur noch eine Person im Mittelpunkt – für Eltern und Geschwister bedeutet das: Verständnis aufbringen, die eigenen Bedürfnisse zurückschrauben; auf lange Zeit gesehen eine echte Herausforderung.

Schwerer Alltag fürs Kind

Gleichzeitig sieht sich das kranke Kind mit einer Lebensrealität konfrontiert, die so gar nicht kindgerecht ist: Langes Liegen im Bett, strikte Anweisungen befolgen, in fremder Umgebung wohnen, womöglich weit weg von Familie und Freunden, eine Isolation und nicht selten auch eine Stigmatisierung. Hier ist es die Aufgabe der Kinderkrankenhäuser, so gut wie möglich zu verhindern, dass schwer kranke Kinder zusätzlich noch einen psychischen Schaden davontragen.

"Krankheit ist immer mehr als die Summe der Fehlfunktionen von Organen, Zellen oder Genen. Krankheit hat immer auch ein psychische, eine geistige, auch eine soziale Dimension – und das ist bei Kindern noch viel offensichtlicher als bei Erwachsenen. In einer Zeit, in der die Medizin sich oft sehr einseitig auf das naturwissenschaftlich Definierbare, auf die Fehlfunktion von Zellen, begrenzt, vergessen wir, dass Medizin eigentlich viel mehr leisten kann und muss."

Prof. Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital München

Kontakt zu mindestens einem Elternteil

Im Haunerschen Kinderspital gilt die Regel, dass immer ein Elternteil beim kranken Kind sein darf - auch nachts. Eltern dürfen ihre Kinder sehen, wann immer sie wollen. Häufig reisen die Familien von weither an, deshalb gibt es dank einer Stiftung (Stiftung Omnibus) eine Elternunterkunft nahe der Klinik, so dass keine Übernachtungskosten entstehen.

Die Rolle der Eltern

Eltern spielen natürlich nicht nur für ihre kranken Kinder eine wichtige Rolle – auch die Ärzte sind darauf angewiesen, dass sie gemeinsam mit ihnen die besten Entscheidungen zum Wohl des Kindes treffen können. Das ist wesentlich einfacher, wenn für die Eltern im Krankenhaus Räume zur Verfügung stehen, in denen sie sich zwischendurch erholen können.

Eltern spielen bei der Therapie von kranken Kindern eine wichtige Rolle.

Eltern wollen immer das Beste für ihr Kind. Manchmal widersprechen sich aber die Vorstellungen von Ärzten und Sorgeberechtigten darüber, was wirklich das Beste ist. Während erwachsene Patienten selbst bestimmen können, welche Therapien angewendet werden sollen, kann diese Frage bei kranken Kindern zu komplizierten Entscheidungsprozessen führen.

"Es geht darum, alle in einem Boot zu halten, alle mitzunehmen – in ihren Sorgen und Ängsten, aber auch in einer gemeinsamen Ausrichtung auf Therapieansätze. Wenn die Eltern nicht wollen, dass das Kind Tabletten nimmt, dann werden die Kinder auch keine Tabletten nehmen. Wenn das Kind aber zum Beispiel Antibiotika braucht, dann haben wir ein Problem. Aber das kennt jeder Kinderarzt, und hier gilt es eben, gemeinsam eine Lösung zu finden."

Prof. Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital München

Warum ist gute Zusammenarbeit so wichtig?

Eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern ist schon deshalb so wichtig, weil es sich in den meisten Fällen um chronische Erkrankungen handelt, bei denen die Familie über Jahre hinweg regelmäßig mit den Ärzten zusammenkommt. So wird es zu einer Hauptaufgabe der Ärzte, die Eltern und Familienmitglieder zu motivieren, das Ziel der Behandlung nicht aus den Augen zu verlieren. Oft gilt es auch, eine Betreuung über die Klinikzeiten hinaus zu besprechen – also auch Einfluss auf den Familienalltag zu nehmen.


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