Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


2

Akutbehandlung beim Herzinfarkt Warum man keine Zeit verlieren soll

Bei einem Herzinfarkt ist der Patient weniger dadurch gefährdet, dass das Herzkranzgefäß zugegangen ist. Primär stirbt man, weil in der Folge bestimmte Teile des Herzens nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und das zu Herzrhythmusstörungen führen kann.

Stand: 30.04.2015

Heute weiß man, dass man nach einem Herzinfarkt sofort das eingeengte Gefäß erweitern muss. Im Bild: Arzt bei einer Herzkatheter-Untersuchung | Bild: picture-alliance/dpa

Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen sind relativ leicht zu diagnostizieren - mittels EKG - im Bild: Patient bei einem sogenannten Belastungs-EKG | Bild: picture-alliance/dpa zum Thema Herzrhythmusstörungen Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Es schlägt. 60 bis 80 Mal in der Minute. Regelmäßig, von der Geburt bis zum Tod. Das menschliche Herz ist ein unglaublich aktives und beanspruchtes Organ. Doch manchmal kommt es aus dem Tritt. Wann ist dies harmlos, wann nicht? [mehr]

Auf fehlenden Sauerstoff reagiert das Herzgewebe zuerst quasi beleidigt, das heißt, es bildet saure Abfallprodukte. Hält der Zustand an, dann sind im Laufe der Zeit der ganze Säure-Basen-Haushalt und das Mineralstoffgleichgewicht gestört. Daraufhin entstehen Herzrhythmusstörungen, die machen den Herzinfarkt so gefährlich. Wird ein Patient bewusstlos, sollte man mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.

Gefährliches Kammerflimmern

Ist bei einem Patienten ein großes Herzkranzgefäß wie der Hauptstamm zugegangen, dann hat er nur sehr geringe Überlebenschancen, denn der fehlende Sauerstoff führt dazu, dass die elektrische Erregung des Herzens komplett durcheinander gerät. Er bekommt häufig sofort Herzrhythmusstörungen und stirbt möglicherweise. Rund ein Drittel aller Patienten mit einem Herzinfarkt sind davon betroffen, sie erreichen das Krankenhaus nicht mehr lebend.

Zuerst Herzkatheter legen

Erreicht ein Patient das Krankenhaus mit der Diagnose Herzinfarkt, dann wird er als Erstes sofort auf den Kathetertisch gebracht, wo Mediziner das verschlossene Herzkranzgefäß wieder öffnen. Früher hat man zuerst Medikamente gespritzt, die das Blutgerinnsel aufgelöst haben, heute öffnet man den Verschluss mithilfe eines Drahtes, eines Ballons und meist mit dem Einsetzen einer Gefäßstütze. Die Wiederherstellung des Blutflusses ist die effektivste Prophylaxe gegen Herzrhythmusstörungen.

Schnell Gefäß öffnen

Bei Patienten mit Herzinfarkt wird unter Durchleuchtungskontrolle ein Katheter gelegt, entweder geht man durch die Leiste zum Herzen oder durch den Arm, an der Stelle, an der man den Puls tastet. Von dort aus schieben Mediziner einen Draht zum Herzen. Mithilfe eines Ballons, den man aufpumpen kann, kann der Blutfluss dann wieder hergestellt werden. Zusätzlich kann das Gefäß möglicherweise entweder durch eine Gefäßstütze (Stent) geöffnet werden oder es ist eine Bypass-Operation nötig.

"Zeit ist Muskel"

Ist das verstopfte Gefäß eher kleiner oder wird bereits in den ersten dreißig Minuten wieder geöffnet, kann sich das Herz in der Regel regenerieren. Die Chancen dafür sind bei kleineren Gefäßen und Seitenästen höher als bei größeren. Häufig kann sich das Herz auch noch erholen, wenn es innerhalb der ersten Stunden behandelt wird, dauert es länger, bleibt aber oft ein Schaden zurück.


2