Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Alltagsübungen Radio hören und mehr fürs Gehirn

Morgens Radio hören und dann am Nachmittag versuchen, sich an so viele Themen, Namen und Ereignisse wie möglich zu erinnern - so trainiert man sein Gedächtnis und seine mentalen Fähigkeiten.

Von: Monika Dollinger

Stand: 11.09.2017

Musikhören ist gut für den Geist und die Stimmung. Im Bild: Älterer Mann mit kopfhörer beim Musikhören | Bild: colourbox.com

Noch mehr Übung steckt darin, wenn man anderen gezielt und detailliert von dem Gehörten erzählt. Damit lernt man, Inhalte in das Langzeitgedächtnis zu speichern und sie wieder abzurufen.

Einkaufsliste einmal anders

"Schreiben Sie eine Einkaufsliste, und prägen Sie sich dabei die Sachen ein, die Sie kaufen wollen. Dann stecken Sie die Liste in die Jackentasche und schauen im Geschäft erst kurz vor der Kasse wieder darauf."

Nina Strößenreuther, Psychologin und Gedächtnistrainerin am Klinikum Nürnberg Nord

Damit übt man die Merkfähigkeit und muss doch nicht noch einmal in den Laden gehen, falls man etwas vergessen hat.

Tagebuch schreiben

Wer jeden Abend aufschreibt, was er am Tag erlebt oder was ihn bewegt hat, trainiert damit sein Gedächtnis. Und er kann später, wenn die Vergesslichkeit größer wird, noch einmal nachlesen.

Bewegung

Es ist erwiesen, dass körperliche Aktivierung die kognitive Leistung verbessern kann. Bewegungsapparat und Gehirn stimulieren sich gegenseitig. Man hat in Studien sogar nachgewiesen, dass sich bei körperlich aktiven Alzheimer-Patienten der Krankheitsverlauf verlangsamt.

"Auch spazieren gehen hat einen Trainingseffekt, wenn die Runde größer wird oder man schneller läuft. Denn Training heißt eigentlich eine Steigerung der Leistungsfähigkeit, sonst adaptiert der Körper an die Strecke und wird nicht herausgefordert. Unabhängig davon sind natürlich die Eindrücke, die man unterwegs gewinnt, eine Anregung für das Gehirn."

Nina Strößenreuther, Psychologin und Gedächtnistrainerin am Klinikum Nürnberg Nord

Licht

Licht verbessert die Leistungsfähigkeit, denn es stimuliert Hormone, die für die Wachheit und die Konzentrationsfähigkeit wichtig sind. Gardinen, die Licht abschirmen, sind deshalb zu Hause kontraproduktiv. Am besten ist es aber, mindestens einmal am Tag das Haus oder die Wohnung zu verlassen, denn selbst an einem bewölkten Tag ist die Lichtintensität draußen deutlich stärker als drinnen.

Trinken und essen

Beugt Demenz vor: gesunde Ernährung und ausreichendes Trinken.

Flüssigkeit, am besten Wasser, ist der Grundbaustein des Stoffwechsels und damit auch des Hirnstoffwechsels. Deswegen ist es so wichtig, ausreichend zu trinken. Viele Vitamine, Mineralstoffe und ungesättigte Fettsäuren sind ebenfalls essentiell für die Gedächtnisleistung. Man nimmt sie beispielsweise mit der sogenannten Mittelmeer-Diät automatisch zu sich.

Von und mit anderen lernen

Der Mensch lernt von anderen Menschen, das war schon immer so. Nicht nur, wenn er gezielt unterrichtet wird, sondern auch indem er andere beobachtet und sich dessen Erfahrungen aneignet: Man muss nicht alle Aufgaben selbst bewältigen, sondern lernt auch, wenn man jemand anderen dabei zusieht. Für dieses "stellvertretende Lernen" verantwortlich sind spezielle Nervenzellen, die sogenannten Spiegelneuronen. Wenn Menschen andere beim Bewältigen von Aufgaben beobachten, setzen die Spiegelneuronen im Gehirn die gleichen Prozesse in Gang, wie wenn die Aufgabe selbst ausgeführt würde.

"Wir Menschen sind soziale Wesen. In Gruppen geht es uns in der Regel besser, weil unsere Laune steigt. Und wenn es uns gut geht und wir guter Stimmung sind, steigt auch unsere Leistungsfähigkeit. Bei depressiven Patienten dagegen treten häufig Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen auf."

Nina Strößenreuther, Psychologin und Gedächtnistrainerin am Klinikum Nürnberg Nord

Tipp: Neue Menschen kennenlernen

Wer neugierig auf neue Bekanntschaften bleibt, bleibt auch flexibel. Auch muss man sich auf jeden Menschen mit seinen Eigenarten neu einstellen, dabei sind viele verschiedene kognitive Funktionen gefragt.


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