Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Gehirnjogging Was ist Gedächtnistraining eigentlich?

Gedächtnistraining ist gut, aber für die Verhinderung einer Demenz zu wenig, denn die Entwicklung einer Demenz wird durch verschiedenste Faktoren begünstigt. Besser ist deshalb ein umfassenderes, ein sogenanntes 'kognitives Training'.

Von: Monika Dollinger

Stand: 13.09.2016

Gedächtnistraining ist zu wenig, kognitives Training ist besser, weil es mehrere Bereiche umfasst. Im Bild: Eine Gruppe beim sogenannten mentalen Aktivierungstraining | Bild: picture-alliance/dpa

"Kognitives Training bedeutet, dass nicht nur die Gedächtnisleistungen, sondern mehrere kognitive (= geistige) Funktionen trainiert werden. Man kann das mit einem Läufer vergleichen: Obwohl er mit den Beinen läuft, muss er auch Arme, Nacken und Bauch trainieren. Der ganze Körper muss fit sein, damit er wirklich gute Leistungen bringen kann. Dementsprechend brauchen wir für viele Probleme, die wir im Alltag bewältigen, nicht nur das Gedächtnis, sondern auch andere kognitive Funktionen wie Sprache, Konzentration oder Urteilsvermögen."

Nina Strößenreuther, Psychologin und Gedächtnistrainerin am Klinikum Nürnberg Nord

Demenz verhindern?

Ein gut trainierter älterer Mensch kann Gedächtnisleistungen wie ein untrainierter Dreißigjähriger bringen. Aber auch dann lässt sich der Beginn einer Demenz nicht verhindern. Gedächtnistraining kann also im Idealfall den Beginn der Demenz hinauszögern und den Verlauf positiv beeinflussen.

Was im Gehirn geschieht

Bei einer Demenz verändert sich das Gehirn in seiner Struktur, Nervenzellen verlieren den Kontakt zueinander und sterben ab. Durch Training können auch im höheren Alter neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen entstehen und sogar neue Neuronen in den für das Gedächtnis wichtigen Bereichen gebildet werden. Trotzdem lässt sich der Abbau der Nervenzellen und damit das Einsetzen und Fortschreiten einer Demenz nicht vollständig unterdrücken.

Warum Demenz entsteht

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz - im Bild: Ältere Frau greift sich an den Kopf | Bild: colourbox.com zum Thema Alzheimer und Demenz Wenn das Gedächtnis schwindet

In Deutschland leiden etwa ein bis zwei Millionen Menschen unter einer mittelschweren oder schweren Demenz, die zumeist entscheidend durch Alzheimer-Veränderungen mit bedingt wird. Die Medizin erkennt immer mehr Risikofaktoren. [mehr]

Die Auslöser einer Demenz sind – zumindest im Fall der häufigsten Demenzerkrankung, der Alzheimer-Krankheit – noch nicht geklärt. Man weiß aber, dass höhere Bildung und ein abwechslungsreicher Beruf das Erkrankungsrisiko senken. Auch genetische und weitere Faktoren (wie Ernährung, Bewegung, allgemeiner Gesundheitszustand) haben Einfluss auf den Zustand des Gehirns im Alter.

"Im günstigsten Fall reicht ein abwechslungsreicher Alltag, um das Gehirn fit zu halten. Abwechslungsreich heißt, aktiv zu sein, sich für seine Umwelt zu interessieren, zu versuchen, sich zum Beispiel bei technischen Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten und auch immer wieder etwas Neues zu lernen. Man sollte außerdem regelmäßig Sport treiben, sich gesund ernähren und soziale Kontakte pflegen. Menschen, die all dies befolgen, können natürlich zusätzlich gezielt trainieren - aber es ist nicht so notwendig wie bei Menschen, die beispielsweise aufgrund von Krankheit nicht mehr mobil sind, deswegen weniger unterwegs sein können und weniger Anregungen bekommen."

Nina Strößenreuther, Psychologin und Gedächtnistrainerin am Klinikum Nürnberg Nord

Tipp: Leben statt trainieren

Bei den meisten Gedächtnistrainingsangeboten wird einmal pro Woche für etwa eine Stunde trainiert. Tägliches Zeitunglesen und sich regelmäßig mit anderen über das Gelesene auszutauschen, stellt damit ein häufigeres und vermutlich intensiveres Training dar. Dieses Beispiel zeigt, dass alltägliches interessiertes Leben einen großen Effekt erzielen kann. Das heißt: Die Gedächtnistrainingsstunden sind eine gute Ergänzung und liefern Anregungen für zu Hause, einen abwechslungsreichen Alltag ersetzen können sie aber nicht.

Wichtig: Mit allen Sinnen leben und trainieren

Über die Sinnesorgane nimmt man die Umwelt wahr, nur so kommt die Information ins Gehirn. Deswegen sollte jedes Training auch immer möglichst viele Sinne anregen. Nina Strößenreuther macht dafür in ihrem Gedächtnistraining unter anderem folgende Übungen:

- Verschiedene Apfelsorten bewusst riechen und natürlich schmecken.
- Verschiedene Instrumente aus einem Musikstück heraushören.


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