Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Geburt Die vier Phasen der Geburt

Seit ein paar Jahren beobachten Geburtshelfer, dass Schwangere immer früher ins Krankenhaus kommen – meistens zu früh. Sehr häufig werden sie noch einmal nach Hause geschickt.

Stand: 19.08.2017

Bei einer Geburt ist es sinnvoll in die Klinik zu kommen, wenn der Muttermund sich drei Zentimeter geöffnet hat. Im Bild: Frau in einem Krankenhaus während der Geburt. | Bild: colourbox.com

Es gilt die Regel: Sinnvoll ist ein Eintreffen in der Klinik dann, wenn der Muttermund sich etwa drei Zentimeter weit geöffnet hat.

1. Latenzphase

Diese erste Phase beginnt mit dem ersten Wehen-Ziehen im Bauch. Der Körper beginnt, seine Muskeln für die Geburt zu trainieren. Diese Vor-Wehen kommen unregelmäßig und dauern nicht sehr lange, weniger als 30 Sekunden. Jetzt heißt es: Ruhe bewahren. Am besten nochmal hinlegen und schlafen, Kraft sammeln für die bevorstehende Geburt. Diese Phase kann durchaus bis zu zwei Nächte lang dauern.

"In der Latenzphase ist es am besten, wenn die Frauen in ihrer gewohnten Umgebung sind und sich noch ablenken, auf keinen Fall in die Wehen hineinsteigern. Einfach das tun, was gut tut: warme Bäder, Massagen, Bewegung, Musikhören, oder noch ein wenig Kuscheln. Die ersten Wehen verschlafen, oder wenigstens dazwischen dösen, ist das allerbeste."

Astrid Giesen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbandes e.V.

2. Die Eröffnungsphase

Den Übergang von der Latenz- zur Eröffnungsphase markiert ein „Signalsatz“, ein Gefühl: Wenn die Frau spürt: „Jetzt möchten wir nicht mehr damit alleine sein“, ist der Zeitpunkt gekommen, ins Geburtshaus oder in die Klinik zu fahren. Dort wird die Frau von den Geburtshelfern betreut.

Stärkere Wehen

Die Wehen sind jetzt stärker, kommen regelmäßig und können bis zu einer Minute lang dauern. Der Muttermund sollte sich allmählich auf etwa zehn Zentimeter öffnen. Diese Phase dauert sehr unterschiedlich lange. Beim ersten Kind ist der Durchschnitt zehn Stunden, es kann aber auch drei bis 24 Stunden dauern. Wichtig ist, dass die Gebärende so wenig wie möglich gestört wird, sodass sie in einen Trance-Zustand finden und das Geschehen an ihren Körper abgeben kann.

3. Die Austreibungsphase

In der sogenannten Austreibungsphase sollte die werdende Mutter auf ihre Instinkte hören.

Jetzt sind die Wehen am stärksten. Es wird Zeit, die Gebärposition einzunehmen. Welche Möglichkeiten es gibt, lernen die Frauen im Geburtsvorbereitungskurs. Auch hier ist es wichtig, dass die Gebärende auf ihre Instinkte vertraut und den Mut hat, das zu tun, was ihr Körper ihr sagt. Auch das Kind hilft während der Geburt mit, indem es sich so windet, dass es gut durch den Geburtskanal kommt.

"Für die Hebammen sind manche Gebärpositionen sehr anstrengend, weil sie dann beispielsweise auf dem Boden sein müssen. Und je älter man wird, desto schwieriger ist das. Aber auch hier finde ich, dass wir Geburtshilfe falsch verstehen. Wir meinen immer, wir müssten alles unter Kontrolle haben, dabei machen Frau und Kind das ganz alleine. Und unsere Aufgabe ist es, ein unterstützendes Netz herum zu spannen. Das sorgt dafür, dass einerseits die Frau in Ruhe gebären kann und dass andererseits die Hebamme gar nicht so viel zu tun hat, es nicht so anstrengend ist."

Astrid Giesen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbandes e.V.

Das Neugeborene

Wichtig ist, dass das Kind gleich nach der Geburt zur Mutter kommt.

Am besten ist es, wenn die Mutter das Baby gleich nach der Geburt zu sich nimmt, wenn sie so weit ist. Die Nabelschnur sollte möglichst so lange zwischen Mutter und Kind bestehen bleiben, bis die Placenta gelöst ist. Das Kind wird so in der Übergangsphase neben der eigenen Atmung noch von der Mutter versorgt. So kann damit begonnen werden, eine Bindung aufzubauen. Erste Versuche werden unternommen, das Kind an die Brust anzulegen.

4. Die Nachgeburt

Etwa eine halbe Stunde, nachdem das Kind auf die Welt gekommen ist, folgt die Plazenta. Erst wenn sie ausgeschieden ist, ist die Geburt beendet.

Kaiserschnitt

Die Gründe, die schon während der Schwangerschaft oder aber in der Eröffnungsphase der Geburt für einen Kaiserschnitt bzw. Notkaiserschnitt sprechen, sind vielfältig. Beispielsweise dann, wenn das Kind trotz vieler Versuche nicht durchs Becken geht oder wenn es dem Kind nicht mehr gut geht. Ein Kaiserschnitt wird immer von einem Arzt durchgeführt, entweder mit Leitungsanästhesie oder in Vollnarkose. Auch nach einem Kaiserschnitt wird, wenn mit dem Kind alles in Ordnung ist, gleich der Körperkontakt zur Mutter, bzw. im Fall einer Vollnarkose zum Vater hergestellt.


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