Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Definition Ein gebrochenes Herz kann eine Krankheit sein

Etwa zwei Prozent aller Patienten, die mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Klinik eingeliefert werden, leiden nicht an einem "echten" Herzinfarkt, sondern am sogenannten Broken-Heart-Syndrom.

Stand: 31.10.2016

Arzt bei der Auswertung einer Herzuntersuchung mittels eines Herzkatheters | Bild: picture-alliance/dpa

"Die reale Zahl der Patienten liegt aber wahrscheinlich deutlich höher, denn vermutlich werden viele Fälle gar nicht entdeckt. Denn sogar für Herzspezialisten ist es kaum von einem richtigen Infarkt zu unterscheiden."

Dr. Magnus Schraudolph, Facharzt für Innere Medizin, Psychotherapie und Kardiologie

Fachbegriff: Tako-Tsubo-Kardiomyopathie

In der Fachmedizin ist dieses Syndrom besser bekannt als Tako-Tsubo-Kardiomyopathie. Es hat seinen Namen von der auffälligen Veränderung der linken Herzkammer, die nur bei einer Untersuchung mit dem Herzultraschall oder einem Herzkatheter sichtbar wird. Die Herzspitze ist ballonartig erweitert. Weil das so aussieht wie die japanische Tintenfischfalle namens "Tako-Tsubo“ hat man diesem Syndrom denselben Namen gegeben.

"Das Broken-Heart-Syndrom wird durch eine akute und existenziell bedrohlich empfundene Situation ausgelöst, die zu einer massiven Stressbelastung des Herzens führt."

Dr. Magnus Schraudolph, Facharzt für Innere Medizin, Psychotherapie und Kardiologie

Symptome des "gebrochenen Herzens"

Das Herz ist in dieser Stresssituation nicht mehr in der Lage, genügend Blut durch die Schlagadern in den Körper zu pumpen. Die Folge: Das EKG zeigt die für einen Infarkt typischen "Zacken" an. Die Patienten spüren Atemnot, Engegefühl und Todesangst.

Abgrenzung zum echten Infarkt

Beim echten Infarkt verengen sich die Herzkranzgefässe, oder sie verschließen sich komplett. Dadurch ist die Durchblutung gestört, eine lebensbedrohliche Situation. Beim Broken-Heart-Syndrom ist das anders: Bei der Herzkatheteruntersuchung sieht man gesunde Herzkranzgefässe. Das Leben des Patienten ist in der Regel nicht bedroht. In einem Prozent der Fälle kann es jedoch zu Komplikationen durch Herzrhythmusstörungen kommen.

Keine Einbildung

Die Veränderung der linken Herzkammer ist sichtbar, der akute Stress löst diese Auffälligkeit aus. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind noch nicht ganz geklärt. Diskutiert wird etwa ein Spasmus, also eine Verkrampfung der kleinen Herzkranzgefässe. Meist sind auch die Werte der Herzenzyme leicht erhöht sein.

"Das Syndrom zeigt den direkten Zusammenhang zwischen Psyche und Organen sehr eindrücklich."

Dr. Magnus Schraudolph, Facharzt für Innere Medizin, Psychotherapie und Kardiologie

Diagnose des Broken-Heart-Syndroms

Der behandelnde Arzt sollte den Patienten genauso diagnostizieren wie bei einem Infarktverdacht. Die Patienten müssen schnellstmöglich in die Klinik, denn eine Untersuchung mit dem Herzkatheter ist unabdingbar. Zur Diagnose gehört auch herauszufinden, ob sich hinter der akuten Stresssituation eine chronische psychische Erkrankung wie etwa eine Depression oder eine Anpassungsstörung verbergen.


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