Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Cholesterinwerte Wann ist der Cholesterinwert zu hoch?

Wann der Cholesterinwert im Blut eines Menschen (speziell ist hier das LDL im Fokus) zu hoch ist, lässt sich leider nur schwer an einem konkreten Wert festmachen. Dafür hängt es schlicht von zu vielen verschiedenen Faktoren ab. Je nachdem, wie viele andere Risikofaktoren noch dazukommen (z.B. mangelnde Bewegung, ungünstige genetische Voraussetzungen etc.), kann ein bestimmter Wert bei dem einen noch völlig in Ordnung, für jemand anderen aber bereits problematisch sein. Grundsätzlich gilt: je niedriger der Wert, desto besser!

Von: Holger Kiesel

Stand: 08.06.2017

Olive in Olivenöl | Bild: colourbox.com

Zu viel LDL-Cholesterin im Blut führt auf Dauer zu Schädigungen an den Wänden der Blutgefäße, die letztlich zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen können. Man geht davon aus, dass das Cholesterin in der Gefäßwand einen entzündlichen Prozess auslöst, durch den es zu Plaquebildung kommt, die sich immer mehr ausbreitet und somit die Funktion der Gefäße zunehmend beeinträchtigt.

Durchschnittswerte

Der durchschnittliche Cholesterinwert in der deutschen Bevölkerung liegt bei etwa 130-135 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) Blut (ca. 3,5 mmol/l (Millimol pro Liter) in den neuen Bundesländern und einigen anderen europäischen Staaten). Diese Menge kann aber für jemanden, der vorbelastet ist, etwa weil er bereits einen Herzinfarkt hatte oder zuckerkrank ist, schon zu hoch sein. Im Zweifelsfall kann man den Zustand der Blutgefäße auch per Ultraschall kontrollieren lassen. Liegen bereits erkennbare Schädigungen vor, sind auch die jeweiligen Cholesterinwerte anders zu beurteilen.

"Natürlich gibt es auch Extremwerte: ein LDL-Wert von 200 oder mehr ist immer zu hoch, einer von 50 praktisch nie!"

Prof. Dr. Klaus Parhofer, Internist und Oberarzt an der Med. Klinik IV am Klinikum Großhadern.

Das Gesamtrisiko ist entscheidend

Entscheidend für die Frage, wann ein Cholesterinwert zu hoch ist, ist das Gesamtrisiko eines Menschen, ein Herz-Kreislauf-Ereignis zu erleiden. Dieses hängt vom Alter des Betroffenen ab, von seinem Geschlecht und auch davon, ob in der Familie bereits eine Vorbelastung vorhanden ist. Auch Vorerkrankungen wie Diabetes und Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder Übergewicht spielen eine Rolle.

Genetische Faktoren für zu hohes Cholesterin

Es gibt häufiger angeborene, genetisch bedingte Formen von erhöhtem Cholesterin. In Familien, die davon betroffen sind, treten dann oft auch signifikant gehäuft und frühzeitiger als in anderen Familien Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Es kommt auch immer wieder zu Todesfällen, weil diese genetische Vorbelastung nicht erkannt wird.

Faktoren Alter und Geschlecht

Männer haben – bei gleichem Cholesterinspiegel – ein höheres Gesamtrisiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung als Frauen. Und auch das Alter des Betroffenen spielt bei der Risikobewertung eine Rolle. Mit dem Alter steigt der Cholesterinspiegel (wie z.B. auch der Blutdruck) tendenziell etwas an und auch andere Faktoren entwickeln sich ungünstig. Somit steigt insgesamt die Gefahr eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls.

"Wenn jemand, der keine kardio-vaskulären Probleme hat, erst im hohen Alter einen erhöhten Cholesterinwert entwickelt ist eine präventive Absenkung kaum noch sinnvoll. Hatte jemand dagegen bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, ist eine Regulierung des Cholesterinwertes in jedem Alter ratsam."

Prof. Dr. Klaus Parhofer, Internist und Oberarzt an der Med. Klinik IV am Klinikum Großhadern.


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