Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Therapie Auf was Betroffene achten sollten

Achten Sie bei der Qualifikation der Helfer auf eine fundierte Ausbildung. So ist die Ausbildung von Psychotherapeuten in Deutschland streng geregelt: Nur Ärzte und Psychologen dürfen eine Weiterbildung zum Psychotherapeuten machen, in deutlich eingeschränktem Umfang auch Heilpraktiker. Coach ist keine geschützte Berufsbezeichnung – jeder kann sich Coach nennen!

Stand: 03.07.2017

Prof. Dr. med. Götz Mundle, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie von der Oberbergklinik im brandenburgischen Wendisch Rietz (Oder-Spree), spricht mit einer Patientin, die an einer Burn-out Erkrankung leidet. | Bild: picture-alliance/dpa

Die Ärztin Dr. Dagmar Ruhwandl empfiehlt bei leichtem Burnout Entspannungstechniken und bei schwerem eine Psychotherapie.

Je früher man beginnt, desto besser

Die Heilungschancen von Burnout sind sehr gut, wenn rechtzeitig mit einer qualifizierten Behandlung begonnen wird. Im Anfangsstadium eines Burnout reichen oft Verhaltensstrategien wie gezieltes Entspannungstraining sowie Entlastungen im Alltag. Wenn man allerdings in der letzten Burnout-Phase angekommen ist, braucht man meist eine längere, verhaltenstherapeutisch oder tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie. Denn wenn Menschen übersteigerte berufliche Erwartungen haben, sich nicht abgrenzen können und nicht "nein“ sagen können, liegen die Ursachen für diese Mechanismen meist in der Kindheit und Jugend und in lange praktiziertem Fehlverhalten. In ausführlichen Gesprächen können diese Ursachen in der psychotherapeutischen Behandlung entdeckt werden und gemeinsam mit dem Therapeuten können neue, gesündere Verhaltensmuster trainiert werden.

Tipps: Aktive und passive Stressbewältigung

Zur aktiven Stressbewältigung gehören Techniken, mit denen man besonders effektiv, also zeitsparend und gut organisiert, arbeitet. Dazu gehören u.a.: Ordnung im Arbeitszimmer, regelmäßige Fort- und Weiterbildung, Zeitmanagementtechniken.

Bei der passiven Stressbewältigung versucht man, sich außerhalb der Arbeit zu regenerieren und Energiequellen zu erschließen. Den Ausgleich zum Beruf können Hobbys, Familie und Freunde, aber auch gezielte Entspannungstechniken herstellen.

"Ich empfehle als Entspannungstechniken die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen und das Autogene Training, das sehr praktisch ist, weil man es unbeobachtet, sogar am Arbeitsplatz, machen kann. Meist baut sich der Stresspegel während der Arbeit Stunde um Stunde auf – man könnte sagen, er fängt bei null an und ist am Ende des Tages bei 100. Werden zwischendurch Entspannungsphasen eingefügt - zum Beispiel durch gezieltes Entspannungstraining - kommt man immer wieder etwas von dem Stresspegel herunter und landet am Ende des Arbeitstages nicht bei 100, sondern vielleicht nur bei 50."

Dr. Ruhwandl, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Ablauf der Therapie

Eine Therapie ist ein Prozess, der sich in der Regel über ein halbes bis anderthalb Jahre hinstreckt. Dr. Ruhwandl erklärt, wie bei ihr eine Therapie abläuft:

  • Zu Beginn führe ich mit dem Betroffenen ein langes Gespräch, um eine Diagnose zu stellen: Ist es überhaupt Burnout, in welcher Phase befindet sich der Patient? Welche körperlichen Erkrankungen gibt es?
  • Dann erhebe ich eine sehr sorgfältige Burnout-Anamnese: Ich frage nach Persönlichkeitszügen, nach Erwartungen an den Beruf und nach Stressverarbeitungsstrategien. Aber auch: Was ist im Arbeitsumfeld los? Was sind die Stressoren, wie werden Zielvereinbarungen getroffen, welche Weiterbildungsmöglichkeiten und bürokratischen Hindernisse bestehen im Arbeitsumfeld? Und: Wie hat sich der Burnout im Laufe der Berufstätigkeit entwickelt?
  • In der weiteren Therapie werden die persönlichen und beruflichen Ursachen weiter reflektiert und alternative Handlungsmöglichkeiten erarbeitet. In dieser Phase  gebe ich auch Verhaltenstipps - zum Beispiel, wie man erholsamen Schlaf findet oder wie man sich im Beruf gegenüber dem Vorgesetzten oder schwierigen Kollegen besser durchsetzen kann. Wichtig ist, sich klar zu werden: Wo sind meine eigenen Grenzen und was erwarte ich von meinem Beruf? Diese Grenzen langsam respektieren zu lernen und dann auch umzusetzen, macht einen großen Teil des Therapieerfolgs aus.

"Begleitend zu einer Psychotherapie nehmen viele meiner Patienten eine hausärztliche, naturheilkundliche, homöopathische oder eine Akupunkturbehandlung in Anspruch. Oft lindert diese zusätzliche körperliche Beschwerden und beschleunigt den Heilungsprozess.."

Dr. Ruhwandl, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie


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