Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Das Krankheitsbild Wie Burnout entsteht

Burnout ist ein schillernder, schwer fassbarer Begriff. Chronische Müdigkeit, Energiemangel, psychosomatische Reaktionen - mehr als 130 verschiedene Anzeichen gibt es für das Phänomen. Doch keines alleine reicht für eine Diagnose.

Stand: 03.07.2017

Erschöpfte Arbeitnehmerin | Bild: picture-alliance/dpa

Meist erkennt man die Burnout-Symptome zu spät. Denn das Ausbrennen ist ein langsamer, schleichender Prozess - und wir sind es nicht gewohnt, auf unsere subtileren Befindlichkeiten zu achten. Irgendwann sucht sich dann meist der Körper ein Ventil. Der Körper erkrankt, weil die Seele nicht mehr mitspielt. Meist stellen Ärzte und Psychologen neben dem Ausgebranntsein andere Krankheiten wie eine Depression, eine Angststörung oder eine psychosomatische Erkrankung fest.

Wie Stress auf den Körper wirkt

Wenn jemand permanent unter starkem Stress steht, bleiben die Stresshormone – dazu gehören zum Beispiel Adrenalin, Noradrenalin und Cortison – auf einem unnatürlich hohen Niveau. Dadurch werden Stressreize im Körper verstärkt umgesetzt. Oft äußert sich das in körperlichen Beschwerden, zum Beispiel als Magen-Darm-Probleme wie Verstopfungen, Blähungen oder Sodbrennen. Das Atemsystem kann mit Luftnot und Atembeschwerden, das Herz-Kreislauf-System mit Bluthochdruck, Herzrasen oder Herzstolpern reagieren.

"Ich habe Patienten, die in der Vergangenheit einen Hörsturz hatten und dann ein Ohrgeräusch, den sogenannten Tinnitus, entwickelt haben. Auch dieses Geräusch lässt sich, wie die meisten körperlichen Stresssymptome, durch Stressabbau wieder reduzieren."

Dr. Ruhwandl, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Burnout – ein Krankheitsverlauf in drei Phasen

Erste Phase: Überaktivität und Erschöpfung

Burnout verläuft in der Regel in drei Phasen. Voraus geht meist eine Phase der Überaktivität, in der Menschen sehr viel mehr arbeiten, manchmal Tag und Nacht, am Wochenende, zum Teil in den Ferien. Dann tritt die Krankheit in die Phase der Erschöpfung. Kritisch an dieser ersten Burnout-Phase ist, dass man sich nicht mehr regenerieren kann; es also nicht mehr schafft, am Wochenende oder in den Ferien auf ein normales Stressniveau hinunter zu kommen. "Der Urlaub dauerte zwei Wochen. Aber es kam mir vor, wie eine halbe Stunde“ - so erleben es viele Betroffene in dieser Phase.

Zweite Phase: Entpersonalisierung und Kontaktvermeidung

Als nächstes folgt in der Regel eine Phase der Gereiztheit und später Gleichgültigkeit. Betroffene stumpfen immer mehr ab und vermeiden Kontakte mit Arbeitskollegen. Ein betroffener Vertriebsmitarbeiter erfährt beispielsweise, dass eine Reklamation eines größeren Auftrags vorliegt, was ihn normalerweise ärgern würde. Wenn er stattdessen kaum mehr Gefühle empfindet, also weder Wut über die Abteilung, die die Auslieferung vermasselt hat, noch Enttäuschung oder Traurigkeit, und wenn der Mitarbeiter sich dann noch immer mehr zurückzieht, Teambesprechungen meidet, nur noch Routineaufgaben übernimmt und nur noch selten ans Telefon geht, wird es kritisch. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur letzten Phase, in der (meist erst sehr spät im Gesamtverlauf) die Leistung schließlich einbricht.

Dritte Phase: Leistungseinschränkung

In der Regel geht erst ganz am Schluss die Arbeitsleistung zurück. Durch zunehmend schlechtes Selbstbewusstsein hat man immer weniger Erfolgserlebnisse, schließlich lässt auch die Produktivität nach. Betroffene, die in der Regel über Jahre gerne und engagiert in ihrem Job gearbeitet haben, meinen plötzlich, sie seien völlig am falschen Platz oder hätten gar den falschen Beruf gewählt. Diese Phase führt nicht selten zu Arbeitsunfähigkeit, zum Teil auch zu einer Kündigung oder vorzeitigen Berentung.

Burnout – eine Zusatzdiagnose mit Krankheitswert

Burnout ist keine Diagnose im eigentlichen Sinn: Das Burnout-Syndrom hat noch keinen eigenen Punkt in den offiziellen Klassifikationssystemen für Krankheiten. Es wird aber als zusätzliches Symptom verschlüsselt, neben einer Hauptdiagnose (zum Beispiel einer depressiven Erkrankung) und gilt als "Grund, das Gesundheitssystem in Anspruch zu nehmen“.


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