Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Die Betroffenen Nur wer brennt, brennt aus

Seriöse Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland ausgebrannt sind, gibt es nicht. Das "Burnout-Syndrom“, die totale psychische und oft auch körperliche Erschöpfung, trifft vor allem Menschen, die eigentlich ein starkes Engagement für ihren Beruf haben, die sich aber oft gnadenlos unter Erfolgs- und Durchhaltedruck setzen und damit ihre Kräfte überfordern.

Stand: 03.07.2017

Erschöpfter Mann am Arbeitsplatz | Bild: colourbox.com

Zudem haben sie es oft nicht gut gelernt, ihre Akkus wieder aufzuladen, ihre  Regenerationsdauer ist gegenüber anderen verlängert und es stehen ihnen meist weniger Möglichkeiten der Regeneration zur Verfügung.

Wer ist betroffen?

Typische Burnout-Persönlichkeiten sind Menschen, die meist effektiv und konzentriert arbeiten, sich stark engagieren, ehrgeizig sind, weit vorankommen wollen - denen aber gleichzeitig Energiequellen und Regenerationsmöglichkeiten fehlen. Die Fähigkeit, gut und schnell zu regenerieren, ist zum Teil angeboren, zum Teil in Kindheit und Jugend erlernt.

Zu den Berufen, die besonders häufig von Burnout betroffen sind, gehören vor allem solche, in denen viel Kommunikation gefragt ist. Also zum Beispiel Dienstleistungsberufe und soziale Berufe, aber auch viele andere Tätigkeiten, in denen der Anteil der kommunikativen Arbeit in den letzten Jahren durch die vielfältigen neuen Kommunikationswege deutlich gestiegen ist.

Wenn die Erwartungen zu hoch sind

Eine weitere Ursache für Burnout sind Erwartungen, die man an seine Arbeit hat - und welche und wie viele dieser Erwartungen von der Realität enttäuscht werden. In sozialen Berufen - also in Berufen, in denen man sehr viel mit Menschen zu tun hat - sind diese Erwartungen immer auch an sich selbst gerichtet. Man denkt: Ich muss ganz viel von mir geben, damit es meinen Schülern, meinen Patienten oder meinen Kunden gut geht. Viel persönliche Energie wird investiert, ein klares Feedback ist jedoch selten. Diese fehlenden Rückmeldungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Burnout.

"Burnout hängt mit der Komplexität der Aufgaben und mit Zeitdruck im Job zusammen. Darum sind vermehrt Führungskräfte, aber auch Eltern betroffen. Eltern haben oft Zeitdruck – wenn sie morgens ein Kind in den Kindergarten, eines in die Schule und das andere zum Arzt bringen müssen. Die Komplexität der Aufgaben ist dadurch bedingt, dass man sich ständig um die verschiedensten Belange kümmern muss. Grundsätzlich sind Frauen unter gleichen Lebensbedingungen gleich stark Burnout-gefährdet wie Männer. Die Bedingungen für beide Geschlechter sind allerdings oft unterschiedlich: So erwarten Frauen meist, dass ihr Beruf sie im Hinblick auf soziale Kontakte erfüllen soll, während es Männer mehr um Leistungsfähigkeit und Erfolg geht. Außerdem werden Frauen im Job und um den Job herum nicht so stark unterstützt wie Männer, auch das ist eine Ursache für Burnout."

Dr. Ruhwandl, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Liebe oder Leistung? Burnout beginnt oft in der Kindheit

"Menschen, die in ein Burnout geraten, sind oft sehr leistungsorientiert aufgewachsen. Dieses Prinzip, sich Wertschätzung über die eigene Leistung zu holen, setzen sie später im Beruf fort, wenn sie ohne Rücksicht auf die eigenen Kraftreserven und ohne die eigenen Grenzen zu kennen, arbeiten."

Dr. Ruhwandl

Ein Beispiel aus der Praxis:

Eine beruflich sehr engagierte Vertriebsleiterin geriet in ein Burnout. In ihrer Jugend hatte sie Leistungssport auf sehr hohem Niveau betrieben. Ihr Vater, der auch Leistungssportler gewesen war, hatte sie dazu immer angetrieben und gefördert. Sie lebte nach folgender Regel: "Ich leiste etwas, dann bekomme ich Anerkennung.“ Der Vater hatte ihr - zumindest aus Sicht der Tochter - Liebe nur gegen Höchstleistung entgegengebracht, also gegen erste Plätze beim Schwimmen oder bei anderen Sportarten. Wenn sie von einem Wettkampf zurückfuhren, bei dem sie nur Zweite geworden war, sprach der Vater kein Wort mit ihr.


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