Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Adrenalin, Dopamin, Serotonin u.a. Wichtige Transmitter

Prinzipiell gilt: Ein Botenstoff hat nicht nur eine Wirkung, sondern mehrere. Und diese sind nicht linear: Botenstoff XY wird ausgeschüttet und dann passiert etwas Bestimmtes im Körper, diese Gleichung stimmt nicht. Denn der Organismus ist komplex, auch und besonders, was die biochemische Signalübertragung angeht.

Stand: 12.03.2015

Adrenalin, das in Stressituationen ausgeschüttet wird - z.B. bei Extremsportarten -  ist einer der zahlreichen Botenstoffe. Im Bild: Sportler beim Klettern auf einem Steilhang | Bild: colourbox.com

Es hängt immer davon ab, an welcher Stelle und auf welche anderen Zellen der Transmitter einwirkt und ob es sich um einen chronischen oder kurzfristigen Zustand handelt - je nachdem, kann er Unterschiedliches in Gang setzen.

Acetylcholin

Dieser Transmitter wurde als erster entdeckt. Die Übertragung der Nervenimpulse auf die Muskeln läuft durch Acetylcholin. Wann immer ein Muskel arbeitet, ist Acetylcholin im Spiel. Wenn dieser Botenstoff jedoch an den Muskeln fehlt, tritt eine Lähmung auf.

Demenz und Acetylcholin

Außerdem wird Acetylcholin mit Gedächtnisbildung in Zusammenhang gebracht. Denn wenn die Zellen, die den Botenstoff bilden, absterben, ist im Cortex zu wenig davon vorhanden und es entsteht eine Alzheimer-Demenz. Die bei Alzheimer-Erkrankung zugelassenen Medikamente sind sogenannte Acetylcholinesterase-Hemmer. Sie bewirken, dass dem Gehirn mehr Acetyl zur Verfügung steht, indem sie den Abbau des Botenstoffes hemmen und somit die Verfügbarkeit in der Synapse erhöhen.

"Patienten die regelmäßig diese Medikamente einnehmen, können ihre kognitiven Leistungen leicht verbessern. Man kann sagen, dass sie die Alzheimer-Erkrankung um etwa ein Jahr zurückdrehen."

Prof. Straube, Klinikum München Großhadern

Acetylcholin im Körper

Der Botenstoff wirkt nicht nur im Gehirn, sondern auch an anderen Stellen im Körper, zum Beispiel im Darm und an den Schweißdrüsen. Wenn man dort Acetylcholin erhöht, kommt es zu Durchfall und Schwitzen.

Adrenalin

Adrenalin braucht der Körper, um kampfbereit zu sein, aber auch um überhaupt aktiv zu sein. Adrenalin erhöht Herzschlag, Herzfrequenz und Blutdruck. Damit wird der ganze Organismus wacher und leistungsbereit.

"Auch einige Drogen wirken wie Adrenalin, zum Beispiel Amphetamine bzw. Kokain. Sie puschen den Körper zu kurzfristigen Höchstleistungen. Allerdings haben sie natürlich auch Nebenwirkungen, die nicht zu verachten sind, und sie führen rasch zu einer Sucht."

Prof. Straube, Neurologische Klinik und Poliklinik, Ludwig-Maximilians-Universität München

Zu viel Adrenalin

Eine langanhaltende Stressbelastung hat zur Folge, dass der Adrenalinspiegel im Körper zu hoch ist. Letztlich führt das auch zu einer Hochregulation des Cortisons und später zu einer Erschöpfung des Systems. Dadurch werden Gegenreaktionen des Organismus heraufbeschworen, die in eine ganze Reihe von Stresserkrankungen münden können: unter anderem Schmerzerkrankungen, Migräne, Burn-out, Depression.

Tipp: Stress abbauen

Um den Adrenalinspiegel zu senken, hilft alles, was den Stresspegel senkt, zum Beispiel Ausdauersport und Entspannungsübungen.

Serotonin

Serotonin steht u.a. im Zusammenhang mit Schlaf und Stimmung. Bei zu wenig Serotonin kann es zu depressiven Verstimmungen kommen. Viel Serotonin kann Unruhe hervorrufen. Landläufig wird Serotonin durch seine anregende Wirkung auch als Glückshormon bezeichnet. Serotonin wirkt wie die meisten Botenstoffe nicht nur über den synaptischen Spalt, sondern wird auch auf anderen Wegen im Körper verteilt.

"Die Serotoninmenge kann man nicht von außen beeinflussen. Der Genuss von viel Schokolade, in der durchaus Serotoninvorläufer enthalten sind, erhöht zum Beispiel den Serotoninspiegel im Gehirn nicht. Es ist also ein Aberglaube, dass Schokolade auf diesem Wege glücklich macht."

Prof. Straube, Neurologische Klinik und Poliklinik, Ludwig-Maximilians-Universität München

Medikamente und Serotonin

Darstellung einer Synapse - sehen Sie mehr zur Umgebung hier ...

Die Serotoninwiederaufnahme-Hemmer (SSRI) verlangsamen die Wiederaufnahme des Transmitters in den Zellen. Damit wird die Menge des verfügbaren Serotonins im synaptischen Spalt gezielt erhöht. Die erhoffte Wirkung: Es ist genug Serotonin vorhanden, damit einer Depression oder Angsterkrankung entgegengewirkt wird. Allerdings läuft dieser Prozess nicht innerhalb von Stunden ab, es kann durchaus dauern, bis sich die Depression durch SSRI verringert.

Dopamin

Bei Dopamin denken viele an das innere Belohnungssystem, denn bei der Dopaminfreisetzung fühlt man sich gut. Es wird auch mit der Entstehung von Suchterkrankungen im Zusammenhang gesehen.

"Unser Verhalten wird durch Belohnung von außen, aber auch innere Belohnung verstärkt. Wenn dieser Prozess nicht mehr richtig gesteuert wird, kann es geschehen, dass man ständig auf der Suche nach noch mehr Belohnung ist. Das ist schon die Vorstufe zur Sucht. Wenn dann jede Kontrolle fällt, wird ein krankhaft süchtiges Verhalten daraus. Das Problem dabei: Suchtmittel beeinflussen die Dopaminausschüttung und begünstigen damit, dass der Mensch süchtig nach eben diesen Stoffen wird. Ein klassisches Beispiel ist das Nikotin, von dem der Körper dann nicht lassen kann."

Prof. Straube, Klinikum München Großhadern

Zu viel oder zu wenig Dopamin

Und bei einem Überschuss an Dopamin kann unter anderem Schizophrenie auftreten. Auch Dopaminmangel kann Konsequenzen haben. So kann zum Beispiel eine Parkinson-Erkrankung entstehen, weil die richtigen Informationen für die Bewegungen von Armen und Beinen im Kortex nicht mehr verarbeitet werden.

Noradrenalin

Noradrenalin ist fast wichtiger in seiner Funktion als Botenstoff als Adrenalin, das wiederum in der hormonellen Wirkung ganz wesentlich ist. Noradrenalin ist beteiligt an der Aufmerksamkeit und Konzentration. Bei einem Mangel können Konzentrationsschwierigkeiten auftreten. Auch mit Depression wird Noradrenalin in Zusammenhang gebracht.

Glutamat

Der am häufigsten im Gehirn vorkommende erregende Transmitter ist Glutamat. Es steuert die Motorik mit. Dieser Botenstoff wird mit verschiedenen Problemen in Verbindung gebracht, unter anderem mit epileptischen Anfällen und Migräne. Die Verstärkung von Glutamat-assoziierten Signalen ist wichtig für Lernvorgänge.

GABA

Wenn der Botenstoff GABA (Gamma-Aminobuttersäure) fehlt, treten in der Regel ebenfalls epileptische Anfälle auf. Medikamente wie Valium wirken über eine Verstärkung der GABA-Wirkung. Der inhibitorische Transmitter GABA wirkt also beruhigend auf den Körper und ist damit im Gehirn eine Art Gegenspieler des Glutamats.

"Es werden auch heutzutage immer wieder neue Transmitter gefunden. In diesem Bereich weiß die Medizin vieles noch nicht und es findet derzeit spannende Forschung statt."

Prof. Straube


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