Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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'Gutartige' Blutkrankheiten Einzelne Krankheitsbilder

Es gibt zahlreiche Blutbildungsstörungen, bei denen es sich nicht um bösartige Zellveränderungen handelt. Diese Erkrankungen werden im Gegensatz zum Blutkrebs als 'gutartige' Blutkrankheiten bezeichnet.

Stand: 21.12.2016

Normale und geschädigte rote Blutkörperchen in der grafischen Gegenüberstellung | Bild: picture-alliance/dpa

Blutbildungsstörungen können alle zellulären Bestandteile des Blutes betreffen (rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplättchen). 'Gutartige' Blutkrankheiten kommen insgesamt sehr viel häufiger vor als Blutkrebs.

'Gutartig' heißt nicht immer 'ungefährlich'

Der Begriff der 'gutartigen' Blutkrankheiten bedeutet nicht zwangsläufig, dass es sich um harmlose Erkrankungen handelt.

"Zum Beispiel ist eine Bildungsstörung der Mutterzellen des Blutes, die sogenannten 'Aplastische Anämie', eine lebensgefährliche Erkrankung, die auch zum Tode führen kann. Auch ein stark verringerter Anteil der Blutplättchen, die für die Abdichtung der Gefäße verantwortlich sind, kann unter Umständen lebensbedrohlich werden."

Prof. Wolfgang Hiddemann, Klinikum der Universität München-Großhadern

Was ist 'bösartig'?

Als 'bösartig' gelten Erkrankungen dann, wenn sie im weitesten Sinne die Merkmale von Krebs zeigen. Dazu gehört vor allem unkontrolliertes Zellwachstum.

Einteilung

Zur Kategorie der Blutbildungsstörungen gehören unter anderen:

Wenn das Lymphsystem nicht richtig funktioniert, kann es zu den unterschiedlichsten Erkrankungen kommen. Klicken Sie hier, um mehr zu sehen.

  • Anämien (Blutarmut, Mangel an roten Blutkörperchen)
  • Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten)
  • Verminderung der Blutplättchen (z.B. Morbus Werlhof)
  • seltene angeborene Blutbildungsstörungen (vor allem bei Kindern)
  • aplastische Anämien (hier sind sowohl die weißen, wie auch die roten Blutkörperchen und die Blutplättchen vermindert)
  • Myelodysplastische Syndrome (MDS, vor allem bei älteren Menschen)

Morbus Werlhof

Die Werlhof-Krankheit, benannt nach dem Mediziner, der sie zum ersten Mal beschrieben hat, ist eine relativ seltene Autoimmunerkrankung. Dabei bilden sich Antikörper gegen die Blutplättchen, die dadurch zerstört werden. Der niedrige Gehalt an Blutplättchen führt in der Folge zu einer verstärkten Blutungsneigung.

Aplastische Anämie

Eine weitere seltene Blutbildungsstörung ist die aplastische Anämie. Bei dieser Erkrankung sind die Mutterzellen des Blutes nicht mehr in der Lage, Nachwuchs zu produzieren. Das führt dazu, dass es sowohl an weißen, wie an roten Blutkörperchen und an Blutplättchen mangelt. Die aplastische Anämie ist eine lebensbedrohliche Erkrankung.

Myelodysplastisches Syndrom (MDS)

MDS bewegt sich im Grenzbereich zwischen gutartiger und bösartiger Bluterkrankung. Hier weisen die Mutterzellen des Blutes einen Defekt auf, der verhindert, dass die Zellen sich in ihre verschiedenen Unterarten ausdifferenzieren. Bei Patienten mit dieser Erkrankung liegen auch häufig Genveränderungen in den Mutterzellen des Blutes vor. Das Myelodysplatische Syndrom trifft überwiegend ältere Patienten und kann auch in eine akute Leukämie übergehen.

Angeborene Blutbildungsstörungen

Angeborene Blutbildungsstörungen sind sehr selten und treten überwiegend bei ganz jungen Patienten auf. Meist ist die Bildung der roten Blutkörperchen qualitativ gestört oder quantitativ eingeschränkt.

Bei der Sichelzellenanämie oder der Thalassämie beispielsweise, unter der vor allem Menschen aus südlichen Breiten leiden, bilden die Betroffenen ein krankhaft verändertes Hämoglobin. Dies vermindert den Sauerstofftransport im Blut und führt zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen, dem sogenannten Blutzerfall (hämolytische Anämie). In Deutschland sind diese Erkrankungen eher selten, im Mittelmeerraum dagegen sind etwa zehn Prozent  der Bevölkerung davon betroffen.


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