Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Was ist Autismus? Störung im Sozialverhalten

Autistische Kinder fallen in der frühen Entwicklung dadurch auf, dass sie im sozialen Kontakt wenig oder eigenartig auf die soziale Umwelt reagieren. Doch das ist nur die einfache Definition – man muss genauer hinschauen.

Stand: 04.07.2014

Manchen Autisten fällt es schwer, sich zu konzentrieren - im Bild: Mädchen mit Lehrerin beim Unterricht in einer speziellen Schule für Autisten in Ungarn | Bild: picture-alliance/dpa

Autistische Störungen definieren sich über eine Kombination von Symptomen in den Bereichen wechselseitige soziale Interaktion, Kommunikation und sich wiederholende oder stereotype Verhaltensweisen.

Kinder sind soziale Wesen

Kinder kommen als soziale Wesen auf die Welt und sind von früh an aktive Teilnehmer am Austausch mit ihren Eltern. Sie interessieren sich für alles, was die Erwachsenen tun und wollen von früh an das Verhalten anderer Menschen nachmachen und aktiv beeinflussen.

Das Kernproblem für autistische Kinder scheint darin zu liegen, dass sie dieses soziale Interesse nur allmählich entwickeln und das soziale Verhalten nur mühsam lernen. Soziale Fähigkeiten müssen oft in kleinen Schritten eingeübt werden. Die Schwierigkeiten die soziale Umgebung zu verstehen führen dazu, dass autistische Kinder sehr unsicher auf Veränderungen reagieren.

Wie häufig ist Autismus?

Wie viele Kinder und Jugendliche von autistischen Störungen betroffen sind, ist sehr schwer zu sagen, da die Abgrenzung zu anderen Verhaltensauffälligkeiten nicht einfach ist. Vor 20 Jahren wurde bei vier bis fünf Kindern unter 10.000 eine autistische Störung gefunden. Mit der Einführung des Begriffs Autismus Spektrum Störung hat man die vielfältigen Abstufungen im autistischen Verhalten beschrieben. Als Folge davon werden sehr viel mehr Kinder der Diagnose Autismus Spektrum Störung zugeordnet. Einige Studien gehen davon aus, dass bis zu ein Prozent aller Kinder und Jugendlichen autistische Symptome zeigen. Dabei sind in den epidemiologischen Studien Jungen bis zu drei- bis viermal häufiger betroffen als Mädchen. Woran das genau liegt, ist unklar. Es könnte aber genetische Ursachen haben.

Unklare Ursachen

Autismus wird als neurobiologische Störung verstanden. In den letzten Jahren wurden eine Vielzahl von abweichenden und mutierten Genen bei Autismus Spektrum Störungen beschrieben. Genetische Faktoren scheinen also eine sehr wichtige Rolle zu spielen.

"Eine Reihe von biologischen Risikofaktoren dürften die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich eine autistische Störung ausbildet. So sind Kinder mit extremer Frühgeburt häufiger betroffen oder Kinder, bei denen spezifische Infektionen während der Schwangerschaft aufgetreten sind. Eine höheres Alter der Eltern (vor allem des Vaters) ist mit einer größeren Häufigkeit von Autismus Spektrum Störungen verknüpft."

Dr. Friedrich Voigt, Psychologischer Leiter am kbo-Kinderzentrum München

Vielfältige Symptome
Die Symptome autistischer Störungen sind vielfältig und zeigen eine große Bandbreite:
Bei kleinen Kindern kann sich Autismus in einem geringen Blickkontakt, fehlenden Versuchen sich mit den Eltern zu verständigen oder fehlendem Nachahmen ablesen lassen.
Ein autistisches Kind drückt seine Wünsche nur durch Schreien oder Ziehen an der Hand, nicht aber mit sprachlichen Mitteln aus.
Und oft beobachtet man bei autistischen Kindern ungewöhnliches Spielverhalten: ein Kind benutzt z.B. ein Auto nicht zum Fahren, sondern dreht stereotyp an den Rädern oder stellt Autos in einer Reihe auf.
Auch zeigen die Kinder wenig Initiative das Verhalten ihrer Eltern nachzuahmen.

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