Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


6

Diagnose Formen des Autismus

Wie autistische Störungen beschrieben und eingeordnet werden, hat sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte stark verändert. Früher wurden die schweren Formen mit erheblichen Entwicklungsrückständen unter dem Begriff 'frühkindlicher Autismus' zusammengefasst. Bei diesen Kindern fanden sich oft zu einem großen Anteil Intelligenzrückstände.

Stand: 04.07.2014

Eltern, die Bedenken haben, dass ihr Kind an Autismus leidet, sollten eine Autismus-Sprechstunde aufsuchen - im Bild: Arzt im Gespräch mit einem Jungen | Bild: colourbox.com

In den 1960er-Jahren wurde das sogenannte Asperger-Syndrom definiert: Es beschreibt Menschen mit normaler Intelligenz, die aber charakteristische autistische Verhaltensweisen zeigen.

Stärkere Differenzierung

Heute versucht man die einzelnen Ausprägungen des autistischen Spektrums umfassender zu betrachten. Man spricht daher von Autismus Spektrum Störungen und bemüht sich, die Eigenheiten jedes einzelnen Kindes in verschiedenen Bereichen der Entwicklung zu analysieren und zu verstehen. Das Spektrum im Schweregrad reicht von leichten Verhaltensauffälligkeiten bis zu schweren geistigen Beeinträchtigungen.

Tipp: Die Autismus-Sprechstunde

Wenn Eltern oder Ärzte Auffälligkeiten an Kindern entdecken, die auf eine autistische Störung hindeuten, können sie das Kind am Kinderzentrum München in der Autismus Sprechstunde vorstellen. Dort versuchen Kinderärzte und Psychologen durch Beobachtung des Verhaltens und abgestimmte diagnostische Methoden herauszufinden, ob eine autistische Störung vorliegt.

"Etwa zwei Drittel der Kinder kommen auf Initiative der Eltern oder aufgrund von Beobachtungen in Kinderkrippe oder Kindergarten zu uns. Bei einem Drittel entdeckt der Kinderarzt frühe Auffälligkeiten. Der Kinderarzt stellt die Überweisung in die Autismus Sprechstunde aus."

Dr. Friedrich Voigt, Psychologischer Leiter am kbo-Kinderzentrum München

Wann ist eine Diagnose möglich?

Die Verdachtsdiagnose einer autistischen Störung kann ab einem Alter von 18 bis 24 Monaten gestellt werden. Danach muss jedoch intensiv weiter beobachtet werden. Autistische Störungen können sich in ihrem Verlauf nämlich sehr stark wandeln: Vorhandene Auffälligkeiten können zurückgehen, andere treten dafür hervor. Erst aus der Beobachtung des Entwicklungsverlaufs lässt sich zuverlässig entscheiden, ob sich die Diagnose bestätigt.

Ursachenforschung

Darüber hinaus versuchen die Ärzte mögliche Ursachen für autistische Symptome herauszufinden. Dazu gehört die Untersuchung auf ein mögliches genetisches Syndrom, der Ausschluss einer Epilepsie oder einer Stoffwechselstörung.

Wie läuft die Diagnostik?
Kommen Eltern in die Autismus-Sprechstunde, wird zunächst ein ausführliches Gespräch über die Entwicklung des Kindes geführt. Dabei werden Autismus-spezifische Fragestellungen besonders berücksichtigt.
Danach folgt eine spezielle Entwicklungsdiagnostik, in der etwa das Spiel- oder Kommunikationsverhalten des Kindes im Rahmen einer Spielsituation auf autistische Symptome hin analysiert wird.
Ein weiterer Schritt ist eine ausführliche neuropädiatrische Untersuchung, um andere Ursachen für die autistischen Symptome auszuschließen.
Nach der Diagnose
Hat sich eine autistische Störung bestätigt, geht es zunächst darum, den Eltern zu erklären,
- was die Diagnose bedeutet,
- wie die Symptome im Einzelnen einzuschätzen sind und
- wie sich das Kind in den nächsten Jahren weiter entwickeln wird.

Therapie

Anschließend werden gezielte Förder- und Therapiemaßnahmen eingeleitet, etwa um dem Kind zu helfen, Kontakt zu seiner Außenwelt aufzubauen und sich auf seine Umgebung besser einzustellen. Für die Therapie gibt es Angebote der Frühförderstellen und der sozialpädiatrischen Zentren wie im Kinderzentrum München, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und bei niedergelassenen Therapeuten. Die Betreuung im Kindergarten und später in der Schule muss speziell abgestimmt werden.


6