Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Schleier vor dem Auge Der Graue Star (Katarakt)

Der Graue Star stellt für die Mediziner heute kein großes Problem mehr dar. Der Patient bemerkt eine Sehverschlechterung wie einen Schleier, reduziertes Farbensehen und Blendung. Der Name Katarakt kommt aus dem Alt-Griechischen und bedeutet an sich „Wasserfall“.

Stand: 22.06.2017

Operation eines Grauen Stars | Bild: picture-alliance/dpa

Früher glaubte man, die graue Farbe, die in der Pupille eines Menschen mit totaler Linsentrübung zu erkennen ist, sei eine geronnene Flüssigkeit.

Therapie: Operation

Der Graue Star lässt sich gut behandeln, indem man bei der Katarakt-Operation die trübe Linse operativ entfernt und durch eine intraokulare Kunstlinse (IOL) ersetzt. Allein in der Bundesrepublik beträgt die jährliche Anzahl der Katarakteingriffe über 800.000, weltweit sind es etwa 15 Millionen. Die Operation wird heutzutage größtenteils ambulant durchgeführt. Laut einer Umfrage unter deutschen Kataraktchirurgen wird die Anästhesie bei der Kataraktoperation überwiegend in Lokalanästhesie, zunehmend in Tropfanästhesie durchgeführt. Nur in wenigen Fällen erfolgt heutzutage der Eingriff in Vollnarkose.

Eine Ergänzung der bestehenden Operationstechnik stellt die Implementierung der Femtosekundenlasertechnik als sogenannte „Femto-assistierte“-Kataraktoperation dar.

Hierbei werden die wesentlichen Operationsschritte, wie die operativen Zugangswege über die Hornhaut, die Eröffnung der Linsenkapsel und die Fragmentierung der Linse nicht manuell und rein ultraschallbasierend, sondern lasergestützt ausgeführt, wodurch eine Verbesserung der Sicherheit und der Präzision erzielt werden soll.

Moderne Augenheilkunde

Moderne intraokulare Linsen sind zumeist faltbar und können durch einen kleinen Schnitt in der Hornhaut in das Auge eingebracht werden. Um die Häufigkeit der häufigsten postoperativen Komplikationen nach Kataraktoperation, die Bildung eines sogenannten Nachstars zu vermindern, werden heute Linsen mit einem scharfen Kantendesign hergestellt. Die moderne Katarakt-Chirurgie umfasst neben der Implantation von Standardlinsen auch die Implantation von Sonderlinsen. Diese zeichnen sich durch verschiedene besondere optische Eigenschaften wie zum Beispiel Asphärizität aus.

Übersicht über verschiedene Modelle von Intraokularlinsen

Blaufilter-Linsen („Gelbe Linsen“)

Junge bei einer Augenmessung mit sog. IOL- Master, die für die Anpassung einer künstlichen Linse notwendig ist.

Blaufilter reduzieren die Durchlässigkeit für den kurzwelligen Lichtanteil. Dieses Licht steht im Verdacht, möglicherweise Schäden an der zentralen Netzhaut zu verursachen. Außerdem wird das kurzwellige Licht stärker gestreut als langwelliges Licht, was zu einer Beeinträchtigung des Kontrastsehens führen kann. Blaufilterlinsen wirken sich daher positiv auf das Kontrastsehen aus.

Asphärische Linsen

Das menschliche Auge ist kein perfektes optisches System. Asphärische Linsen zeichnen sich durch eine optimierte Oberflächenkrümmung der Optik aus, die den wichtigsten Abbildungsfehler, die sogenannte sphärische Abberation, korrigieren. Positive Auswirkungen kommen vor allem bei einer großen Pupillenweite zum Tragen.

Torische Linsen

Die Möglichkeit einer Implantation einer torischen IOL besteht bei Vorliegen einer präoperativen Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) von über 1,25 dpt. Die torische IOL gleicht dabei die Verkrümmung der Hornhaut aus und verbessert den Seheindruck sowohl in der Ferne als auch in der Nähe und bietet daher eine höhere Unabhängigkeit von einer Sehhilfe.

Multifokale Linsen

Diese Linsen zeichnen sich durch das Vorliegen zweier oder mehrerer Brennpunkte aus und ermöglichen so bei den meisten Tätigkeiten des Alltags ein Sehen in der Nähe und in der Ferne ohne eine zusätzliche optische Korrektur. Der Patient nimmt nur das fokussierte Bild wahr, während die durch den anderen Fokus erzeugte Abbildung undeutlich erscheint. Allerdings treten störende optische Phänomene wie Blendempfindlichkeit und Lichthöfe durch das Vorhandensein mehrerer Brennpunkte deutlich häufiger auf als nach Implantation von Standardlinsen. Vor der Implantation solcher Linsen muss ein ausführliches Gespräch erfolgen und das Für und Wider abgewogen werden.


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