Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


5

Nach Luft ringen

Von: André Vincze

Stand: 14.08.2014

Atemnot kann Todesangst auslösen - im Bild: Joggerin und Partner beim Ringen nach Luft | Bild: colourbox.com

Atemnot entsteht, wenn zu wenig Luft in die Lungen gelangt oder sie nicht im Blut weiter transportiert werden kann.

Experte:

Prof. Thomas Kühlein, Direktor des Allgemeinmedizinischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen

Dabei kommt es zu einem Sauerstoffmangel im Gewebe und damit zusätzlich zur Atemnot zu weiteren Symptomen wie Schwindel, Übelkeit und Unruhe. Für Betroffene kann das Gefühl sich sogar bis zur Erstickungs- und damit Todesangst steigern.

Dyspnoe

Der medizinische Ausdruck für Atemnot oder Luftnot lautet Dyspnoe. Die Ursachen einer Dyspnoe sind vielfältig und müssen nicht zwingend mit den Atemwegen oder der Lunge zu tun haben.

Was bei Atemnot passiert

Das Gefühl der Atemnot ist ein Signal des Körpers, dass er zu wenig Luft, beziehungsweise Sauerstoff bekommt. Das kann daran liegen,

  • dass tatsächlich zu wenig Sauerstoff vorhanden ist,
  • dass er nicht in die Lunge gelangt,
  • dass er von dort nicht ins Blut gelangt
  • oder über das Blut nicht in die Gewebe transportiert wird.

Die Folge ist: Der Patient atmet verstärkt. Oft hat er trotzdem das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen. Häufig gehen der Atemnot leichtere Atembeschwerden voran.

Die psychische Folge: Angst

Atemnot ist oft mit starker Angst verbunden. Angst selbst kann einem wiederum das Gefühl von Atemnot geben. Deswegen gibt es den Spruch: „Die Angst würgt einen.“ Beides kann sich im Syndrom der Hyperventilation nach oben schaukeln.

"Dass jemand in meinem Sprechzimmer sitzt und um die Luft kämpft, kommt selten vor. Das ist ein Fall für die Notfallmedizin. Man begegnet dem eher, wenn man zum Hausbesuch gerufen wird. Häufiger geht den Menschen zunächst die Puste nur aus, wenn sie sich körperlich belasten. Es kann also sein, dass die Menge der Luft, die man bekommt, in Ruhe noch vollkommen ausreicht, aber bei körperlicher Belastung merkt man, dass sie nicht mehr ausreicht. Was dahinter stecken kann, ist ein ganz breites Spektrum von möglichen Ursachen."

Prof. Thomas Kühlein

Bewusst und unbewusste Atmung

Das Atemzentrum im Hirnstamm regelt die Atmung grundsätzlich automatisch. Man kann jedoch die Luft auch sehr bewusst in einem weit gespannten Bogen aufnehmen und die Atmung gezielt einsetzen. Wenn das nicht mehr möglich ist, sollte man nach den Ursachen suchen.

Ursachen der Atemnot
An erster Stelle stehen Krankheiten der Atemwege und der Lungen, des Brustfells, des Herzens und des Kreislaufs.
Es folgen Störungen auf der Ebene des Gehirns, der Nerven und Muskeln beziehungsweise Atemmuskeln. Überall hier können auch sogenannte Immun- oder andere Systemerkrankungen Einfluss nehmen.
Probleme mit den Stimmbändern spielen ebenfalls eine Rolle.
Auch Stoffwechselstörungen oder Krankheiten des Blutes und des Skelettsystems können die Atmung beeinträchtigen.
Dasselbe gilt für Infektionen, allergische Reaktionen, Schmerzen, Verletzungen, Vergiftungen, Medikamente und die Höhenkrankheit.
Psychische Ursachen können ebenfalls eine Rolle spielen.
Eine Atemnot kann entstehen, wenn die Atemwege verlegt sind, etwa durch vergrößerte Gaumen- und Rachenmandeln, Speiseröhrenerkrankungen oder eine stark vergrößerte Schilddrüse.
Auch äußere Umstände können Atemnot hervorrufen, wie z.B. Sauerstoffmangel in großen Höhen oder eine Rauchvergiftung oder ein Fremdkörper in den Luftwegen.
Atemnot kann chronische Erkrankungen wie Asthma, obstruktive Bronchitis oder Herzschwäche mehr oder weniger ständig begleiten. Diese Krankheiten können manchmal auch lebensbedrohlich werden.

Wichtig: Hilfe holen!

Bei Atemnot sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen. In einer akut bedrohlichen Lage muss man sogar den Notarzt rufen.

Dem Text liegt ein Interview von André Vincze mit Prof. Thomas Kühlein, Direktor des Allgemeinmedizinischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen zugrunde.

Bei akuter Atemnot sollte im Zweifel der Notarzt gerufen werden, bei steten Atemproblemen sollte der Hausarzt zu Rate gezogen werden - im Bild: Prof. Kühlein vom Universitätsklinikum Erlangen im Gespräch mit einem Patienten | Bild: Universitätsklinikum Erlangen zum Artikel Hausarzt oder Facharzt? Wohin bei Atemproblemen

Wenn jemand akut keine Luft bekommt, holt man natürlich den Notarzt. Was aber tut man, wenn jemand immer einmal wieder Probleme beim Atmen hat? Geht man zum Hausarzt oder zum Lungenspezialisten? [mehr]

Bei Atemnot gibt es eine weite Palette an Therapien - von Medikamenten über Transfusionen bis hin zur intensivmedizinischer Versorgung im Krankenhaus - im Bild: Patientin wird im Krankenhaus mit einer Atemmaske versorgt. | Bild: colourbox.com zum Artikel Therapien Ambulante und stationäre Behandlung

Da Atemnot sehr viele verschiedene Ursachen haben kann, gibt es auch viele unterschiedliche Therapieansätze. Das geht von Medikamenten bis zu Transfusionen, manchmal muss der Patient dann auch ins Krankenhaus. [mehr]

Atemnot kann man durch die richtige Atemtechnik vorbeugen - im Bild: Therapeutin betreut Patientin beim autogenen Training zur Selbstreinigung der Lunge durch ein spezielles Atemtraining in einer Fachklinik für allergie- und asthmakranke Kinder. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Prävention von Atemnot Selbsthilfe mit Atemtechnik

Ganz ruhig einatmen, nicht hektisch werden – das ist sicher eine wichtige Reaktion bei Atemnot. Aber was tut man in einer Notsituation noch? Und wie kann man selber vorbeugen? Mit Training! [mehr]

Die Lunge versorgt uns über die Atmung mit lebenswichtigem Sauerstoff - im Bild: Dr  Kenn bespricht Lungen-Röntgenbild mit Patientin | Bild: colourbox.com zum Thema Das Wunder der Atmung Wie unsere Lunge funktioniert

Der Mensch kann nur wenige Minuten ohne Atmung überleben. Wie unsere Lunge funktioniert, wie wir sie lange erhalten können und wie man richtig und wie man falsch atmet - das alles erfahren Sie hier. [mehr]


5