Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Tabletten im Alter Was ist normal, was zu viel?

Durchschnittlich 7,8 verschiedene Präparate nimmt ein älterer Patient pro Tag in Tablettenform zu sich, wenn er in einer Klinik ist. 5,6 sind es bei Älteren, die zu Hause wohnen.

Stand: 29.08.2016

Mann bei der Einnahme von Tabletten mit zahlreichen Medikamentenschachtel auf dem Tisch | Bild: colourbox.com

Tabletten im Krankenhaus

Dr. Siegel führt Buch, wie viele Tabletten die Patienten, die zu ihm in die geriatrische Klinik kommen, täglich schlucken:

  • Null Tabletten ist sehr selten,
  • über drei ist ziemlich selten,
  • acht ist normal,
  • 14 ist relativ häufig,
  • 18 häufig, und
  • der bisherige Höhepunkt lag bei 28 verschiedenen Tabletten mit 13 verschiedenen Wirkstoffen. Dieser Patient setzte also täglich 13 verschiedene chemische Prozesse in seinem Körper in Gang.

Manche Wirkstoffe muss ein Patient dreimal täglich zu sich nehmen, bei anderen reicht einmal.

"Man muss ehrlich sein und die Wirkstoffe zählen, nicht die Tabletten. Denn die Tablettenmenge kann hoch sein, obwohl es nur wenige Wirkstoffe sind."

Dr. Siegel, ehemals Geriatriezentrum Neuburg

Beispiel

In der Schmerzbehandlung kann man einen Wirkstoff auf zwei Arten nehmen: Verteilt auf mehrere Tabletten täglich oder per Pflaster, das einige Tage lang wirkt. Aber wenn es darum geht, dass die Behandlungen der verschiedenen Krankheiten sich nicht negativ beeinflussen sollen, muss man auf die Wechselwirkung der chemischen Substanzen achten und nicht vorrangig darauf, wie oft der Patient eine Tablette schluckt.

"Mitunter nehmen ältere Patienten Medikamente, die sie gar nicht mehr brauchen."

Dr. Siegel, ehemals Geriatriezentrum Neuburg

Tipp: Medikamenteneinnahme regelmäßig hinterfragen

  • Den Arzt regelmäßig fragen, ob man die Tabletten noch immer in der verschriebenen Dosierung einnehmen soll – egal ob es Mittel sind, die man schon jahrelang oder erst seit kurzem nimmt.
  • Offen sein für Versuche, z.B. von einem Medikament weniger nehmen als bisher.

Verwechslungsgefahr von Medikamenten

Viele ältere Patienten füllen ihre Medikamente auf Vorrat in eine sogenannte Medikamentenschachtel - sie enthält für jeden Wochentag drei Kästchen, jeweils eines für Früh, Mittag und Abend. Diese Medikamentenschachtel kann dann zum Problem werden, wenn die Pille ins falsche Kästchen rutscht. Denn dann nimmt man zwei Pillen zur gleichen Zeit, die man besser nicht zusammen genommen hätte. Dieses Risiko lässt sich allerdings nicht völlig ausschalten.

Wichtig:

Vor allem die Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, aber auch Schmerzmitteln (besonders die Opiate) muss genau mit dem Arzt abgesprochen sein. Denn sie können ältere Menschen so dämpfen, dass es zu Stürzen kommt. Und Stürze im Alter haben oft fatale Folgen: Unbeweglichkeit, Vereinsamung, Depression, schwierige Operationen – eine Abwärtsspirale.

"Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist."

Philippus Aureolus Theophrastus Paracelsus, Schweizer Arzt, Naturforscher und Philosoph (1493 – 1541)

"Medikamente sind Gifte. Nur die gekonnte Dosierung macht aus, ob sie eine heilende Wirkung haben."

Dr. Siegel in Abwandlung des Ausspruches von Paracelsus

Für den Notfall gerüstet

Es ist sinnvoll, eine Liste mit sich zu führen, auf der alle Medikamente und ihre Dosierung stehen. So kann man jederzeit die Fragen von Ärzten, oder auch einmal im Akutfall von Sanitätern, nach Tabletten beantworten.


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