Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


11

Der alte Körper Wie sich der Organismus verändert

Im Alter verändert sich das Verhältnis von Körperflüssigkeit und Körperfestmasse. Je älter der Mensch wird, umso trockener wird der Körper: der Fettanteil wird höher, der Wasseranteil geringer.

Stand: 29.08.2016

Krankenschwester präpariert Medikament für eine ältere Patientin | Bild: colourbox.com

Auswirkung auf Medikamente

In der Flüssigkeit verteilt sich der Wirkstoff der Medikamente. Wenn weniger Flüssigkeit im Körper vorhanden ist, ist bei gleicher Tablettenmenge der Wirkstoff höher konzentriert. Die chemischen Substanzen der Tabletten werden im Fettgewebe gespeichert. Je höher der Fettanteil des Körpers desto mehr Wirkstoff wird dort aufbewahrt.

Die geringere Flüssigkeitsmenge und der höhere Fettanteil im alten Körper haben also zwei Wirkungen: Höhere Wirkstoffkonzentration im Blut und Gewebswasser und eine höhere Speicherdichte im Fettgewebe.

Wichtig

Aufgrund der körperlichen Veränderungen braucht ein älterer Patient oft eine geringere Dosis an Tabletten als ein Jüngerer.

Diese körperlichen Veränderungen muss der Arzt beim Dosieren der Medikamente beachten, sonst wirken die Tabletten anders als beabsichtigt. 

Die Dosierungsempfehlungen der Arzneimittelhersteller beruhen auf den Studien, die während der Zulassung des Medikaments gemacht wurden. Aber bei diesen Studien nehmen zum allergrößten Teil jüngere (und männliche) Testpersonen teil, die gesund sind. Die Tablettenmenge, die der Arzt einem älteren Patienten verschreibt, unterscheidet sich deswegen häufig von denen, die im Beipackzettel stehen.

Was die Leber leistet

Zu beachten ist auch, wie der Wirkstoff im Körper wieder abgebaut wird, denn er wird ja nicht für immer gespeichert. Hier spielt die Leber als Hauptverarbeitungsorgan des Körpers eine große Rolle, man könnte sie auch als körpereigene Chemiefabrik bezeichnen. Die Leber hat den Vorteil, dass sie viele Schäden und Alterungsprozesse gut übersteht, bevor sie in ihrer Arbeit eingeschränkt ist.

Problem: Nieren

Anders ist das bei den Nieren als Hauptausscheidungsorgan des Körpers. Sie sind ein hochkomplexes Filterorgan. Beim alten Menschen kommen verschiedene Faktoren zusammen, wie beispielsweise die geminderte Flüssigkeitsmenge, welche die Arbeit der Nieren beeinflussen. Denn sie hängt wesentlich von der im Körper enthaltenen Flüssigkeitsmenge ab: Blut, Gewebeflüssigkeit und Lymphe. Außerdem werden auch die Nieren selbst älter und filtern nicht mehr so viel wie früher.

Problem: Trinken

Dazu kommt, dass Ältere meistens (viel) zu wenig trinken, weil sie kein Bedürfnis danach haben. Dafür gibt es eine organische Ursache: Das sogenannte antidiuretische Hormon verhindert, dass der Körper zu viel Wasser verliert. Dieser Hormonhaushalt verändert sich im Laufe des Lebens mit der Folge, dass ältere Menschen oft keinen Durst haben.

Tipp: Extra viel trinken

Trinken, trinken und nochmal trinken. Es sollten 1,5 bis 2 Liter am Tag sein, auch wenn der Durst nicht danach verlangt. Ausnahmen: bei Herzschwäche
oder stärkerer Niereninsuffizienz. Hier gilt: Strikt an die Anweisung des Arztes halten!

Wenn das Filtern nicht mehr klappt

  • Zum einen funktioniert die Niere nicht mehr so gut.
  • Zum zweiten wird auch das Herz schwächer und pumpt das Blut nicht mehr so kraftvoll durch den Körper, unter anderem auch durch die Niere. Dadurch nimmt die Flüssigkeitsmenge weiter ab.
  • Und zum dritten ist im alten Körper nicht mehr so viel Flüssigkeit gespeichert.

Die Folge ist, dass viel mehr Wirkstoff aus den Tabletten im Körper verbleibt, als das in jüngeren Jahren der Fall war.

Wichtig: Nieren kontrollieren

Bei älteren Menschen muss regelmäßig die Leistung der Nieren untersucht werden - und zwar bevor stärker wirkende Medikamente gegeben werden, damit die Menge entsprechend angepasst werden kann.

Regel: Je älter desto weniger

In der Regel brauchen Patienten im Alter eine geringere Menge an Wirkstoff als im mittleren Erwachsenenalter. Das gilt für alle Medikamente, die über die Nieren ausgeschieden werden - das sind die meisten Medikamente. Wirkstoffe hingegen, die über den Darm den Körper verlassen, können gleich dosiert werden. 


11