Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Therapie Raus aus der Sucht

Um die Alkoholabhängigkeit zu behandeln, gibt es unterschiedliche, sich ergänzende Therapieansätze. Egal, für welche man sich entscheidet, eine wichtige Voraussetzung ist die eigene Motivation und der Wille, die Abhängigkeit wirklich loswerden zu wollen.

Stand: 04.12.2014

Was ist der richtige Weg, aus der Alkoholsucht herauszukommen? Gar nichts mehr trinken? - im Bild: Patienten während einer Therapie für Suchtkranke in einer Einrichtung in Magdeburg. | Bild: picture-alliance/dpa

Die Motivation aufrecht zu erhalten, ist bei allen Suchtkrankheiten schwierig, weil die Suchtmittel über viele Jahre auch immer wieder mit positiven Erfahrungen verbunden waren.

"Entscheidend ist es für die Betroffenen zu wissen - und schließlich auch zu erfahren, dass man gegen die Sucht ansteuern und diese Störung behandeln kann."

Prof. Oliver Pogarell

Abstinenz vs. Trinkmengenreduktion

Bei schweren Abhängigkeitserkrankungen mit Kontrollverlust ist in der Regel das langfristige Ziel, abstinent zu werden. Vielen Menschen fällt jedoch der Einstieg schwer, sie kommen möglicherweise leichter damit zurecht, zuerst einmal ihre Trinkmenge zu reduzieren. Führende Suchtmediziner raten deswegen heute sowohl zu Abstinenzprogrammen als auch zu Trinkmengen-Reduktionsprogrammen, beides kann sich ergänzen.

Verhaltensänderung

Alkoholabhängige haben sich über Jahre oder Jahrzehnte hinweg ein bestimmtes Trinkverhalten angewöhnt, das einen zentralen Stellenwert in ihrem Leben einnimmt. Laut Untersuchungen ist für etwa die Hälfte von ihnen zunächst die Vorstellung undenkbar, überhaupt keinen Alkohol mehr trinken zu dürfen. Für sie kann der Einstieg in die Therapie über eine Trinkmengenreduktion eine Chance sein, ihr Verhalten zu ändern und somit ihr Krankheitsrisiko zu vermindern.

Rückfall in alte Lebensgewohnheiten

Allerdings gelingt es nicht allen, diese Begrenzung langfristig durchzuhalten. Manche fallen Monate oder Jahre später wieder in ihr altes Muster zurück, so wie bei allen anderen chronischen Erkrankungen. Mit einem Rückfall fertig zu werden, hat viel mit dem eigenen Denken zu tun.

"Geht ein alkoholfrei lebender Patient davon aus, dass nach einem ‚Ausrutscher‘ ein Rückfall in das alte Trinkmuster vorprogrammiert sei, dann gerät er in eine sich selbst erfüllende Prophezeiung hinein: Er trinkt weiter, nicht, weil er es biologisch müsste, sondern weil er von der fehlerhaften Annahme ausgeht, seinen Alkoholkonsum nicht mehr steuern zu können."

Prof. Joachim Körkel

Therapieerfolg

Ob man beim kontrollierten Trinken Erfolg hat, oder nicht, hängt stark von zwei Faktoren ab:

  • Erstens der starke Wunsch, das Ziel zu erreichen.
  • Zweitens die Zuversicht, dass man die Fähigkeit dazu hat, wenn man seine eigene Lebenserfahrung und -situation in Betracht zieht. Psychologen sprechen in dem Zusammenhang von Selbstwirksamkeitserwartung.

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