Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


7

Ursachen der Sucht Warum trinkt man Alkohol?

Alkohol hat in Deutschland eine lange Tradition und durchaus eine gesellschaftliche Bedeutung. Manche trinken in geselliger Runde Alkohol, um locker zu werden. Andere trinken, um sich in einer aufregenden Situation zu beruhigen.

Stand: 04.12.2014

Bei vielen gehört der Alkohol zum Alltag, die gesellschaftliche Akzeptanz ist groß - im Bild: Zwei Mädchen auf einem Weihnachtsmarkt mit einer Tasse Glühwein. | Bild: picture-alliance/dpa

Wer besonders empfänglich oder vorbelastet ist, bei dem können sich diese Verhaltensmuster und Gewohnheiten verselbständigen, d.h. im weiteren Verlauf entwickelt sich eine Toleranz, das positive Erleben stumpft ab und man benötigt immer mehr Alkohol, um "zu funktionieren".

Alkohlabhängigkeit ist eine multifaktorelle Erkrankung

Wie bei allen psychischen Erkrankungen gibt es auch bei der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit mehrere auslösende Faktoren. Prof. Oliver Pogarell: „Eine Abhängigkeit entsteht nicht aus sich selbst heraus, sondern es handelt sich um eine multifaktorelle Erkrankung.“ Es lassen sich verschiedene an der Abhängigkeitsentwicklung beteiligte Faktoren unterscheiden, darunter:

  • Umwelt und psychosoziale Faktoren
  • Verfügbarkeit und Umgang der Gesellschaft mit dem Suchtmittel
  • genetische Faktoren

Umweltfaktoren beeinflussen die Sucht

Dazu zählen Mediziner zum Beispiel Familie, Gesellschaft und die sozialen Gruppen, in denen sich ein Patient bewegt. Je nachdem, welche Rolle Alkohol dort spielt, ob viel oder wenig getrunken wird, kann das entweder animierend oder abschreckend wirken.

Das Suchmittel muss zur Verfügung stehen

Alkohol ist in Deutschland in der Regel überall und jederzeit verfügbar.

Alkohol ist in Deutschland kulturell bedingt ein gesellschaftlich akzeptiertes Genussmittel, das stark beworben wird und nahezu überall verfügbar ist. Wer in geselliger Runde keinen Alkohol trinken möchte, muss sich unter Umständen sogar rechtfertigen und seine Abstinenz begründen.

Rolle der Gene

Doch nicht jeder wird deswegen automatisch alkoholabhängig. Mediziner wissen, dass viele Abhängige eine bestimmte genetische Voraussetzung mitbringen können, d.h. ihr Belohnungssystem reagiert auf Alkohol besonders stark.

Alkoholabhängigkeit entwickelt sich langsam

Alkoholsucht entwickelt sich nicht auf einen Schlag, sondern ist Folge eines langjährigen Prozesses. Wie lange sich der hinzieht, hängt von verschiedenen Bedingungen ab, z.B. der genetischen Veranlagung, dem Suchtstoff und Dauer und Menge des Konsums. Auch psychosoziale Faktoren spielen eine Rolle.

"Körperliche Probleme können sich ebenfalls im Verlauf der Jahre entwickeln."

Prof. Oliver Pogarell

Risikofaktoren

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Risikofaktoren. Gefährdet für Alkoholsucht sind u.a.

  • Personen, in deren Herkunftsfamilie bereits Alkoholkranke leben und
  • Personen, die große Mengen Alkohol ohne Probleme vertragen und auch nach mehreren Gläsern nicht stark sediert (müde) sind und kaum Beeinträchtigungen verspüren.

7