Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Abhängigkeit Wann beginnt Alkoholsucht?

Ein starker Drang nach Alkohol und Entzugssymptome, wenn man nichts trinkt, - das sind zwei der Kriterien für Alkoholsucht – aber es gibt noch mehr.

Stand: 04.12.2014

Zwei Kriterien für Alkoholsucht sind: ein starker Drang nach Alkohol und Entzugssymptome, wenn man nichts trinkt - im Bild: Biertrinker in einer Kneipe. | Bild: colourbox.com

Eine Sucht liegt vor, wenn mindestens drei der folgenden sechs Kriterien (ICD-10) erfüllt sind:

  • Starker innerer Drang oder Zwang zum Konsum
  • Verminderte Kontrollfähigkeit über Beginn, Ende und Menge des Konsums
  • Gewöhnung (Toleranzentwicklung)
  • Körperliche Entzugssymptome, falls das Suchtmittel nicht verfügbar ist.
  • Zunehmende Vernachlässigung anderer Interessen
  • Anhaltender Konsum entgegen besserem Wissen

Starker innerer Konsumdrang und Kontrollverlust

Unter Konsumdrang verstehen Mediziner das oft plötzlich einsetzende Bedürfnis nach Alkohol und den starken Wunsch, mit seiner Hilfe möglichst rasch entweder ein Gefühl des Wohlbefindens oder der Sedierung (Beruhigung) zu erreichen. Kontrollverlust bedeutet, dass alkoholabhängige Menschen den Konsum nicht mehr beenden, also keine Kontrolle mehr ausüben können. Es fällt ihnen schwer, eine Grenze zu ziehen.

Körperliche Entzugssymptome

Im Laufe einer Abhängigkeit entwickeln Körper und Gehirn des Patienten eine Gewöhnung oder Toleranz gegenüber Alkohol. Das heißt, um die gleiche Wirkung zu erzielen, benötigt man immer höhere Mengen. Steht dann irgendwann kein Alkohol zur Verfügung, oder man möchte aufhören zu trinken, gelingt das möglicherweise schon aus körperlichen Gründen nicht, da der Körper mit sogenannten Entzugssymptomen wie Unruhe, Schwitzen, Zittern und Kreislaufstörungen reagiert. Bei schwerer Abhängigkeit können im Entzug auch lebensbedrohliche Symptome auftreten.

Vernachlässigung und Konsum gegen besseres Wissen

Ein weiteres mögliches Kriterium für eine Abhängigkeit ist die Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Konsums von Alkohol. Dabei geraten berufliche oder familiäre Verpflichtungen oder auch persönliche Belange wie z.B. die Sorge um eine gesunde Ernährung oder die Körperpflege immer mehr ins Hintertreffen, und der Zwang zum Trinken dominiert alles. Alkoholabhängig ist auch, wer weiter trinkt, obwohl es ihm schlecht geht.

Grenzwerte und Selbstbeobachtung

Der riskante Konsum von Alkohol beginnt gemäß der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen bei Männern etwa bei einer 0,5l Flasche Bier (20 bis 24 g reiner Alkohol) pro Tag, bei Frauen ist es die Hälfte. Deswegen sollte man sich fragen, wie hoch ist meine Trinkmenge und wenn ich nicht trinke, verspüre ich körperliche Symptome wie Zittern? Solche Frühzeichen sollte man ernst nehmen.


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