Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Thema Alkohol

8

Kontrolliertes Trinken Wie funktioniert das?

Genauso wie man sich beim Essen die Menge kontrollieren kann, funktioniert es auch beim Alkoholtrinken: Man legt zum Beispiel für eine Woche fest, ob und wenn ja wie viel Alkohol man trinken möchte. Wichtig dabei ist, dass der Betroffene das Ausmaß der Reduktion selbst festlegt und den Alkoholkonsum schrittweise in einem für ihn umsetzbaren Tempo verringert.

Stand: 04.12.2014

Sogenanntes kontrolliertes Trinken kann auch aus der Sucht führen - im Bild: Mann trinkt aus einem Glas Bier. | Bild: colourbox.com

"Wer Schritt für Schritt reduziert, kann auf diesem Wege seine Abhängigkeit überwinden oder erkennen, dass Abstinenz für ihn das realistischere Ziel ist."

Prof. Joachim Körkel

Tipp: Zielgrößen festlegen

Sinnvoll sei es laut Prof. Körkel, drei konkrete Ziele für die jeweils nächste Woche festzulegen:

  • Wie viele Tage will ich keinen Alkohol trinken?
  • Wie hoch soll die Höchstmenge pro Tag sein?
  • Und wie hoch der Konsum in der ganzen Woche?


Diese Ziele kann man von Woche zu Woche verändern und sich überlegen, welche Strategien dabei hilfreich sein könnten.

Regel: Alkoholmenge berechnen

Gezählt wird der Alkoholkonsum in „Standardeinheiten“: 20 Gramm sind eine Einheit. Das entspricht einer Flasche Bier (0,5 l) oder einem Glas Wein (0,2) oder drei „einfachen“ Schnäpsen.

Pro und contra kontrolliertes Trinken

Während in der Medizin lange Jahre die Auffassung vorherrschte, nur völlige Alkoholabstinenz sei für Betroffene eine gangbare Therapie, ist man heutzutage ein bisschen lockerer geworden. Es gilt den individuellen Weg zu finden – aber dahinter darf sich natürlich keine Mogelpackung verbergen.

"Wir müssen das anerkennen, was die Patienten für sich in der jeweiligen Situation als angemessen annehmen können."

Prof. Oliver Pogarell

Trinkmenge und gesundheitliche Gefährdung

Je mehr Alkohol man trinkt, desto mehr schädigt man seinen Körper - deswegen ist es sinnvoll, die Menge zu begrenzen. Je mehr das gelingt, desto geringer ist das eigene körperliche und psychische Krankheits- respektive Sterberisiko.

Über kontrolliertes Trinken zur Abstinenz?

Studien über kontrolliertes Trinken zeigen, dass zehn bis 30 Prozent der Teilnehmer an Programmen zum kontrollierten Trinken im Laufe der Zeit abstinent werden. Für manche Patienten ist der Weg also gangbar. Andere jedoch erleiden selbst nach zehn bis fünfzehn Jahren einen Rückfall, weil das Gehirn die alten Verhaltensmuster immer noch kennt.

"Dies ist jedoch beim Anstreben der Abstinenz genauso: Rückfälle sind bei beiden Zielen (kontrolliertes Trinken oder Abstinenz) zu erwarten."

Prof. Joachim Körkel

Kontrolliertes Trinken lernen

Wer möchte, kann kontrolliertes Trinken in Gruppen oder im Einzelgespräch über zehn Sitzungen lernen, andere machen es lieber alleine. Unterstützung von außen kann aber sinnvoll sein, um sich gegenseitig zu unterstützen, voneinander zu lernen und „am Ball zu bleiben“.

Trinkpausen einlegen?

Wer meint, zum Beispiel vierzehn Tage keinen Alkohol zu trinken und damit seinem Körper eine Erholungsphase zu verschaffen, der liegt falsch. „Jede Schädigung hinterlässt Spuren und Narben und irgendwann ist die Reservemöglichkeit des Körpers erschöpft“, sagt Oliver Pogarell. Die Leber hat zwar eine gute Möglichkeit, sich zu erholen, doch das ist nur über einen längeren Zeitraum möglich.

Medikament, um kontrolliert zu trinken?

Seit September 2014 ist das Medikament Nalmefen auf dem Markt, das als „Anti-Alkoholpille“ vermarktet wird. Allerdings soll es nur verschrieben werden, um Patienten zur Abstinenz zu bringen – dies ist nach den vorliegenden Studienergebnissen jedoch gar nicht zu erwarten. Außerdem hat es erhebliche Nebenwirkungen. Prof. Joachim Körkel weist darauf hin, dass solche Tabletten möglicherweise bei einigen Alkoholabhängigen einen kleinen Zusatznutzen zu Programmen zum kontrollierten Trinken haben könnte - mehr aber nicht.


8