Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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HIV-Behandlung Welche Therapie Aids-Patienten bekommen

Heilbar ist eine HIV-Infektion bislang nicht, es gibt jedoch mittlerweile mehr als 20 Medikamente gegen HIV. Entscheidend für den Therapieerfolg ist, dass der Patient seinen Therapieplan zu mindestens 95 Prozent einhält.

Stand: 29.11.2012

Tagesration der Tabletten eines Aidskranken aus dem Jahr 2011 | Bild: picture-alliance/dpa

HIV-Positive müssen die Mittel ihr Leben lang einnehmen.

Retrovirale Therapie

Da der Auslöser von Aids zur Gruppe der Retroviren zählt, nennt sich die Behandlungsmethode anti-retrovirale Therapie. Die hochaktive retrovirale Therapie – auch HAART genannt – kann die normale Lebenserwartung bei nur wenig eingeschränkter Lebensqualität sichern. Dabei werden mehrere Substanzen, die einen unterschiedlichen Wirkmechanismus haben oder an verschiedenen Stellen des HIV-Lebenszyklus angreifen, miteinander kombiniert. Dies führt zu einer deutlich geringeren Resistenzentwicklung der Viren.

"Liegt eine HIV-Infektion vor, zielt die Therapie vorrangig darauf, den Übergang in eine Aids-Erkrankung so lange wie möglich hinauszuzögern. Ist es zu einem Ausbruch von Aids und den typischen Begleiterkrankungen wie Lungenentzündung oder Darminfektionen gekommen, muss die Therapie auch die Behandlung dieser Erkrankungen einschließen."

Dr. Hans Jäger, Wissenschaftlicher Leiter der Münchner AIDS-Tage

Wirkung der Medikamente

Ein frühzeitiges Wissen um die HIV-Infektion (durch einen Test) kann besonders durch die neuen Möglichkeiten im Interesse des Patienten liegen, um den richtigen Zeitpunkt für eine Therapie nicht zu verpassen. Die Behandlung läuft meist auf mehreren Schienen, deswegen spricht man generell von einer Kombinationstherapie.

"Die Wirkung der Kombinationstherapie lässt sich durch verschiedene spezielle Laborwerte und die Viruslastbestimmung inzwischen gut verfolgen und hilft dem behandelnden Arzt gemeinsam mit dem Patienten Beginn, Änderung oder Fortsetzung der Kombinationstherapie zu bestimmen."

Dr. Hans Jäger, Wissenschaftlicher Leiter der Münchner AIDS-Tage

HIV-Resistenztest

Bei der Medikation müssen mögliche Resistenzen gegen das Virus berücksichtigt werden. Vor Beginn einer Therapie sollte daher immer ein sogenannter HIV-Resistenztest durchgeführt werden, um so einen individuell zugeschnittenen Behandlungsplan zu erstellen und dadurch zu sichern, dass die Medikamente auch wirken. Sie sollten die Virusvermehrung hemmen und verhindern, dass die Viren in die T-Helferzellen eindringen.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Therapien stellten in den 80er- und 90er-Jahren einen bedeutenden Sorgenfaktor bei der Entscheidung über die Medikamente dar. Die damaligen Medikamente hatten als Nebenwirkungen Blutarmut, Schlafstörungen, Veränderung des Körperschemas, Veränderung der Fettsituation mit ausgemergeltem Gesicht und Fettansätzen an ungewöhnlichen Körperpartien.

"Die heutigen Medikamente sind weitestgehend nebenwirkungsfrei. Eine einzige Tablette kann den Patienten ausreichend behandeln. Früher musste man morgens und abends eine Hand voll Medikamente einnehmen."

Dr. Hans Jäger, Wissenschaftlicher Leiter der Münchner AIDS-Tage

Kontrolluntersuchungen der AIDS-Kranke

Kontrolluntersuchungen von HIV-Infizierten sind wichtig. Dort wird die Höhe der Viren in Blut und Zellen gemessen.

Kontrolluntersuchungen sollten regelmäßig durchgeführt werden. Bei den Kontrolluntersuchungen werden die im Blut zirkulierenden als auch die in den Zellen enthaltenen Viren mengenmäßig gemessen. Dieses Verfahren wird Viruslastbestimmung genannt und kann nach unterschiedlichen molekularbiologischen Messverfahren durchgeführt werden. Der Arzt kann so den Verlauf der HIV-Infektion kontrollieren und mit dem Patienten gemeinsam vorbeugende Behandlungen gegen opportunistische Infektionen oder den Beginn einer neuen antiretroviralen Kombinationstherapie bestimmen.

Was kann der Patient tun?

Die Möglichkeiten, selbst individuell die eigene HIV-Infektion zu beeinflussen, sind sehr gering. Es ist bekannt, dass Ernährungsumstellungen so gut wie keine Auswirkung haben, allerdings auch, dass Sport deutlich positive Auswirkungen auf das Immunsystem haben kann. Viele Studien belegen, dass Sport das Immunsystem des Körpers stärkt.

„Berlin Patient“

"Long-Term Non-Progressors" sind Patienten, die sich mit einem HI-Virus infiziert haben, aber einen solchen Wirtsmechanismus haben, der mit dem Aids-Erreger ganz gut umgehen kann. Das sind aber eher genetische oder andere Faktoren, die nicht willentlich beeinflusst werden können. So geschah es mit dem „Berlin Patient“, der gleich nach der Infektion Medikamente bekommen, aber selbstständig Pausen gemacht hat. Dies hat dazu geführt, dass nach einiger Zeit das Virus im Körper nicht mehr nachweisbar war. Dieser Versuch blieb jedoch bei anderen Patienten erfolglos.

"Wir betreuen bundesweit im Rahmen einer Studie eine kleine Gruppe von etwa 60 Patienten, in der über viele Jahre die Patienten das Virus selber kontrollieren können. In diesen Bereich findet ein Großteil der Forschung statt, um herauszufinden, ob man da Erkenntnisse gewinnen könnte für das große Ziel: die Heilung. Noch haben wir aber kein „Elixier“ destilliert, das uns helfen würde zu verstehen, wie wir Erkenntnisse von den Long-Term Non-Progressors auch bei anderen Patienten anwenden können."

Dr. Hans Jäger, Wissenschaftlicher Leiter der Münchner AIDS-Tage


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