Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Hintergrund Achtsamkeit

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Wie wirkt Achtsamkeit? Vorbeugen und Heilen

Burnout und Depressionen – das sind nur zwei der Erkrankungen, die unter anderem aufgrund von zu viel Stress entstehen. Menschen, die bereits damit zu kämpfen haben, können in ihrer Therapie durch Achtsamkeit lernen, Stress zu reduzieren, bzw. besser mit dem Stress umzugehen. Und für alle anderen dient eine achtsame Lebensweise zur Vorbeugung.

Stand: 23.12.2014

Wer sein Leben durch Achtsamkeit bereichert, schafft es nachhaltig, den Stress zu reduzieren. Im Bild: Junge Frau genießt ihr Leben entspannt und zuversichtlich. | Bild: colourbox.com

"Es gibt natürlich sehr unterschiedliche psychiatrische Störungen. Die häufigsten sind die Depressionen und Angststörungen. Sie haben viel damit zu tun, dass wir einem starken Stress unterlegen sind. Dieser Stress ist entweder durch uns selber gemacht, weil wir mit unseren eigenen Gefühlen nicht zurechtkommen, oder durch unsere Lebenssituation, weil wir mit vielen Dingen konfrontiert werden, die wir nicht einfach wegstecken können, wie man so sagt. Also müssen wir lernen, unseren Umgang mit Stress und negativen Gefühlen zu ändern."

Josef Aldenhoff, Psychiater

Verdrängte Gefühle – eine schlummernde Gefahr

Gefühle kommen und gehen – das ist ein ganz normaler Vorgang. Bei den positiven Gefühlen wünscht man sich, dass sie länger bleiben. Und die negativen? Sie will man oft nicht wahrhaben, denn sie sind unbequem und unerfreulich. Daher neigen viele zum Verdrängen. Aber Gefühle gibt es nie ohne Grund und auch die unangenehmen haben ihren Sinn. Sie machen auf einen Missstand, auf eine Unzufriedenheit oder auf einen Handlungsbedarf aufmerksam. Das Problem: Verdrängte Gefühle verschwinden nicht. Sie bleiben auch dann, wenn man sie wegstößt.

Tipp: Gefühle beachten

Wenn man seine Gefühle beachtet, kann man daraus lernen – und außerdem haben sie ihren Zweck erfüllt und können sich auflösen. Diese Wahrnehmung von inneren Spannungen, von Gefühlsregungen, wird durch die Achtsamkeit geschult – und führt somit nachhaltig zu einem zufriedeneren Dasein.

"Bei der Untersuchung des Gehirns durch eine Computertomographie kann man gut zeigen, was durch Dauerstress passiert: Wenn das Stresshormon Cortisol sehr hoch ist, leiden Strukturen im Gehirn - insbesondere der Hippocampus, der vor allem für Gedächtnisfunktionen wichtig ist. Und wenn Sie jetzt jemandem beibringen durch Achtsamkeitsmeditation, diese inneren Vorgänge, die zu Stress führen, zu beobachten und loszulassen, dann kann man nach acht Wochen schon messbar im Gehirn zeigen, dass die graue Substanz im Hippocampus wieder zunimmt. Das Gehirn erholt sich."

Ulrich Ott, Neurowissenschaftler und Buchautor

Achtsamkeit bei psychisch Kranken

Bei Menschen mit seelischen Erkrankungen sollte Achtsamkeit immer mit therapeutischer Begleitung geschult werden.

Ganz wichtig: Bei Menschen mit seelischen Erkrankungen sollte Achtsamkeit immer mit therapeutischer Begleitung geschult werden. Die Begegnung mit inneren Gefühlswelten kann bei emotional instabilen Menschen auch zu Komplikationen oder Verschlechterungen führen – beispielsweise dann, wenn sie es nicht gewohnt sind, ihre Gefühle zuzulassen. Ein Vergleich: Wellenreiten will gelernt sein, und wenn die Wellen besonders stark anrollen, dann könnte ein Untergang drohen. Deshalb besser mit Surflehrer ins Wasser gehen.

Leistungssteigerung

Menschen, die meditieren, können sich im Alltag besser konzentrieren. Das haben mehrere Studien herausgefunden. Das bedeutet, dass die Zeit, die man in das Meditieren investiert – also in eine fast schon „Anti-Leistung“ – sich schließlich auf die Leistungsfähigkeit positiv auswirkt.

"Sie lernen, Ihre Aufmerksamkeit besser in den Griff zu bekommen, das kommt bei Leistungstests heraus. Bei Untersuchungen dieser Art sind Meditierende den Kontrollpersonen in der Regel überlegen."

Ulrich Ott, Neurowissenschaftler und Buchautor

Der 8-Wochen-Achtsamkeitskurs

Achtsamkeit kann jeder erlernen, am besten in einem achtwöchigem Kurs bei einem zertifizierten Achtsamkeitstrainer. Solche Kurse kosten etwa zwischen 350 und 400 Euro und werden von den meisten Krankenkassen bezuschusst.


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