Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Was ist Achtsamkeit? Grundlagen aus dem Buddhismus

Die Idee der Achtsamkeit basiert auf buddhistischen Grundlagen. Doch schon der Buddhismus ist weitaus weniger dogmatisch als alle anderen Weltreligionen. Es geht um die Erforschung des Selbst – und darum, glücklich zu sein.

Stand: 23.12.2014

Der beste Weg, um mit sich selbst achtsam zu sein, ist die Meditation. Im Bild: Meditierende Gestalt im Sonnenuntergang. | Bild: colourbox.com

Der amerikanische Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn entwickelte in den 1970er Jahren eine Methode zur Stressbewältigung, die Mindfulness-Based Stress-Reduction, kurz MBSR – und zu Deutsch: Achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung. In seinem ersten und grundlegenden Buch „Full Catastrophe Living“ schreibt er:

"Das MBSR-Programm basiert auf einer Form der Meditation, die in den buddhistischen Traditionen Asiens entwickelt wurde, einer streng geregelten und systematischen Schulung der Achtsamkeit, in jedem Augenblick präsent zu sein, ohne zu bewerten."

Jon Kabat-Zinn, „Full Catastrophe Living“

Stress verringern

Auch der weit von allem Übersinnlichen entfernte Büro-Arbeiter, die Bäckereiverkäuferin, gestresste Eltern – jeder, der seinen ganz normalen Alltagsstress besser bewältigen möchte, findet in der Achtsamkeit einen hilfreichen Schlüssel zur Entspannung. Und damit gewinnt die Methode gerade für der leistungsorientierte Gesellschaft an Bedeutung. Denn wer Achtsamkeit praktiziert, kann gezielt einem Burnout vorbeugen.

"Wenn Sie Achtsamkeit praktizieren, dann trainieren Sie sozusagen kognitive Funktionen im Gehirn: Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit? Und insofern können Sie auch ohne Räucherstäbchen und Buddha-Kopf merken, dass es Ihnen ganz deutliche Stresskompetenz im Alltag verschafft."

Natalie Fischer, Diplom-Psychologin

Sich selbst und seine Bedürfnisse kennen lernen

Achtsam leben heißt, mit sich selbst im Einklang zu sein, sich zu spüren – vor allem die eigenen Bedürfnisse. Dazu helfen verschiedene Übungen, vor allem tägliches Meditieren. Zeit in Ruhe mit sich selbst zu verbringen, führt dazu, dass man wahrnimmt, was einen beschäftigt, welche Gefühle, welche Gedanken gerade da sind. Wer das regelmäßig tut, der merkt schneller, wenn zum Beispiel Wut aufkommt, kann besser einschätzen, woher der Ärger stammt, was wirklich dahinter steckt. So passiert es seltener, dass sich aufgestaute Gefühle plötzlich Luft machen – man ist ausgeglichener.

"Ich habe das Gefühl, dass ich entspannter bin, dass ich selbst ruhiger an Situationen herangehe. Das klappt vor allem auch dadurch, dass ich mir die Pausen gönne, auch zwischendurch. Nicht nur in Stresssituationen, gehe ich einmal fünf Minuten raus oder hole mir etwas zu trinken. Dann setze mich ruhig in eine Ecke und gehe einfach mal kurz in mich. Das hat mir ungemein geholfen, insgesamt von meinem Stresslevel runterzukommen."

Stefan Behrens, Produktmanager, der einen Achtsamkeitskurs besucht hat

Keine Urteile, keine Bewertungen

Ein weiteres Prinzip der Achtsamkeit: Dinge annehmen – Gefühle, Ereignisse, Situationen. Die allermeisten sind es gewohnt, alles, was ihnen begegnet, in ein bestimmtes Wertesystem einzuordnen, zu bewerten. Wer von diesen Urteilen Abstand nimmt und stattdessen die Dinge annimmt, wie sie sind, wird erleben, dass sich viele Probleme von alleine in Luft auflösen. Das bedeutet nicht, dass man eine Gleichgültigkeit gegenüber den Geschehnissen entwickelt, sondern dass man Herr seiner eigenen Gefühle wird. Wenn man der Meinung ist, etwas ändern zu wollen, kann man sich jederzeit genau dafür entscheiden.

"Achtsamkeit hat auch etwas mit Selbstsorge, Selbstverantwortung und Selbstfürsorge zu tun. Das würde ich nicht egozentrisch oder egoistisch nennen, sondern das ist eine gesunde Form, auf sich selbst zu achten. Nur, wenn ich auf mich selbst achte, kann ich auch auf andere wirklich achten."

Sabrina Blau, Achtsamkeitstrainerin


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