Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Angehörige von Menschen mit Demenz Entlastung über einen längeren Zeitraum

Wer neben der Berufstätigkeit einen dementen Angehörigen pflegt, kann tagsüber nicht für ihn da sein. Dann empfiehlt es sich, über eine Tagespflege nachzudenken. Dasselbe gilt für alle, bei deren Angehörigen die Demenz fortschreitet, und die deswegen mehr Entlastung brauchen.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 20.09.2017

Rollatoren von Mitbewohnern der Alexa Seniorenresidenz in Dresden (Sachsen) stehen in der Tagesbetreuung vor einem Regal mit Produkten der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). | Bild: picture-alliance/dpa

Während die Tagespflege ausgebaut wird, gibt es bisher kaum Einrichtungen, die dasselbe für die Nacht vorsehen: In Bayern sind es gerade mal drei Anbieter (Stand: 2017). Der Gesetzgeber sieht das Angebot jedoch vor, und auch der Bedarf dafür ist vorhanden. Denn gerade bei Menschen mit Demenz kehrt sich oft der Tag-Nacht-Rhythmus um, dann können pflegende Angehörige kaum mehr tief schlafen. Bisher bieten vor allem private Einrichtungen die Nachtpflege an, deren Dienste kann man aber nicht über die Pflegeversicherung abrechnen.

Verschiedene Tagespflegeeinrichtungen

Generell haben Einrichtungen der Tagespflege verschiedene Öffnungszeiten. Viele sind von Montag bis Freitag von 9-17 Uhr geöffnet, manche aber zusätzlich auch am Wochenende, andere sogar abends. Weil nicht jeden Tag alle Patienten in die Tagespflege kommen, variiert die Zusammensetzung.

"Es kann also sein, dass z.B. am Dienstag die Gruppe aus sechs Männern und zwei Frauen besteht. Da muss man sich fragen, passt das meinem dementen Angehörigen? Oder am Mittwoch besteht die Gruppe aus bereits sehr pflegebedürftigen Teilnehmen, während die am Donnerstag fit sind und sogar Gymnastik machen." Bianca Broda.

Um herauszufinden, ob sich eine Tagespflege-Einrichtung für den dementen Verwandten eignet, empfiehlt es sich, erst einmal alleine einen Besuch zu machen und mit den Pflegern ins Gespräch zu kommen.

Verschiedene Konzepte

Nahezu alle Tagespflege-Einrichtungen stellen ihre Konzepte ins Netz. Den besten Eindruck bekommt man jedoch bei einem persönlichen Besuch, denn manchmal essen die Gruppen in der Tagespflege-Einrichtung zusammen oder machen gemeinsam Spaziergänge. Bevor man sich endgültig entscheidet, kann man einen Probe-Tag vereinbaren.

Kosten und Leistungen

Mit der Pflegereform 2017 wurde die Tagespflege ausgebaut. Jetzt bekommen Pflegebedürftige mit Pflegegrad zwei monatlich 689 Euro Zuschuss für den Aufenthalt in solch einer Einrichtung. Die Kosten für Essen, Unterkunft und für so genannte Investitionskosten müssen Angehörige selbst tragen. Dieser Betrag beläuft sich auf zwischen 15 und 30 Euro am Tag.

Leistungen der Pflegeversicherung:

  • Pflegegrad 1                 bis 125 € Entlastungsbetrag
  • PG 2:                                 689 €
  • PG 3:                              1.298 €
  • PG 4:                              1.612 €
  • PG 5:                              1.995 €

Tipp:

Bevor Angehörige endgültig einen Vertrag bei einer Tagespflege-Einrichtung unterschreiben, sollten sie sich einen Kostenvoranschlag geben lassen.

Tagesbetreuungen

Solche Tagesbetreuungen eigenen sich vor allem für Menschen mit beginnender Demenz. Oft haben die Einrichtungen bestimmte Schwerpunkte, sie legen z.B. Wert auf aktivierende Teilhabe mit selbstbestimmter Tagesstruktur und betonen die wertschätzende Haltung gegenüber den Patienten (Silvia Hemmet-Konzept). Sobald ein Besucher aber Pflege braucht (z.B. wegen Inkontinenz), erreicht eine Tagesbetreuung ihre Grenzen. Zur Finanzierung eines Aufenthalts in so einer Einrichtung kann der Entlastungsbetrag von 125 Euro eingesetzt werden. In der Regel reicht der allerdings nicht aus. Im Einzelfall kann man auch die Leistungen der Verhinderungspflege einsetzen.


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