Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Sexualität und Gesellschaft "Generation Porno" und die sexuelle Reifung

Junge Menschen werden heute auf allen Kanälen – besonders im Internet - ständig mit sexuellen Inhalten konfrontiert. Das macht die sexuelle Reifung für Jugendliche nicht gerade einfacher. Natürlich ist Aufklärung einerseits für die Entwicklung einer gesunden Sexualität wichtig und sollte dementsprechend auch relativ früh beginnen.

Von: Holger Kiesel

Stand: 24.10.2017

Computertastatur, bei der eine Taste rot ist, auf der in weiß steht: "SEX". | Bild: picture-alliance/dpa

Eine allzu frühzeitige Überreizung mit sexuellen Inhalten kann allerdings dazu führen, dass der Sexualität das Besondere genommen wird. Der Sexualakt wird zu etwas Profanem degradiert und es besteht die Gefahr, dass sich körperliche und emotionale Aspekte der Sexualität entkoppeln.

"Die Pornografisierung der Sexualität ist ein echtes Problem. Sex wird oft sehr auf mechanische Vorgänge reduziert. Wie erfüllte Sexualität in einer Partnerschaft gelebt wird, kann man im Internet schlecht darstellen."

Prof. Theodor Klotz, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit und Chefarzt an der Klinik für Urologie, Andrologie und Kinderneurologie in Weiden in der Oberpfalz.

Sexuelle Orientierung

Ob jemand hetero- homo- oder bisexuell ist, ist im Menschen wahrscheinlich bereits bei seiner Geburt angelegt. Hier spielen Umweltfaktoren kaum eine Rolle (außer vielleicht, wenn es um den Zeitpunkt für ein Coming-Out geht). Anders ist es bei der Frage, wie man seine Sexualität später lebt: Hier sind Erziehung und Vorbild durch Elternhaus und Peergroup ganz entscheidende Faktoren.

Männliche Vorbilder

Wichtig für die Zukunft: Jungs und junge Männer brauchen wieder mehr männliche Vorbilder. Da besonders in den Kindergärten und Grundschulen der Frauenanteil bei Erziehern und Lehrern sehr hoch ist, fehlt es häufig an männlichen Bezugspersonen zur Orientierung, auch im Bereich der Sexualität.

Sexualität im Lauf der Jahre

Im Laufe eines Lebens verändert sich die männliche Sexualität – etwas weg von der Körperlichkeit und hin zu mehr Partnerschaftlichkeit. Häufig wandelt sich auch die Auslegung des Begriffs 'Sex'. Manuelle Stimulation gewinnt, Penetration und eigentlicher Geschlechtsakt verlieren dagegen an Bedeutung. Auch das bloße enge Beieinanderliegen kann dann bereits als Sexualität empfunden werden. Diese Veränderungen können körperliche Ursachen haben (abnehmende Beweglichkeit, konditionelle Probleme), müssen es aber nicht.

Asexualität

Es gibt auch Menschen, die, freiwillig und ganz ohne Leidensdruck, völlig auf Sex verzichten, ohne dass ein anatomisches Problem oder eine hormonelle Störung vorliegt. Asexualität tritt bei etwa fünf Prozent der Männer auf und ist medizinisch völlig unproblematisch.

Sexualität und Behinderung

Hier handelt es sich nach wie vor um ein Tabuthema, das auch nur schwer enttabuisiert werden kann. Dass es für Menschen mit Handicap besonders schwer ist, einen (Sexual)partner zu finden, ist klar. Hier kann nur gesellschaftliche Bewusstseinsbildung helfen, Hemmschwellen abzubauen. Politische Initiativen, wie der Vorstoß der Grünen, Menschen mit Behinderung Prostituierte auf Rezept sozusagen zu 'verschreiben', lösen das Problem wohl kaum, weil solche Ansätze die körperlichen Aspekte der Sexualität zu sehr in den Vordergrund stellen, um die es vielen Betroffenen gar nicht primär geht.

"Hier ist es meiner Meinung nach sehr schwer, eine Lösung zu finden. Alles, was in diesem Bereich von außen aufgesetzt wird, kann eigentlich nicht richtig sein!"

Prof. Theodor Klotz, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit und Chefarzt an der Klinik für Urologie, Andrologie und Kinderneurologie in Weiden in der Oberpfalz.


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