Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Überfunktion und Unterfunktion Schilddrüse-Erkrankungen und ihre Ursachen

Fast jeder dritte Deutsche hat eine Schilddrüsenerkrankung - das bedeutet aber nicht unbedingt, dass er darunter auch leidet. Ein Kropf (Struma) muss etwa nicht zu einer Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens führen.

Stand: 18.12.2014

Fast jeder dritte Deutsche hat eine Schilddrüsenerkrankung – das bedeutet aber nicht unbedingt, dass er darunter auch leidet. Ein Kropf (Struma) muss beispielsweise nicht zu einer Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens führen - im Bild: Mann mit Kropf zieht sich die Krawatte vom Hals | Bild: Forum Schilssrüse

Die sogenannte Jodmangelstruma ist die häufigste Schilddrüsenerkrankung bei Erwachsenen, die älter als etwa 35 bis 40 Jahre sind. Die Gleichung Deutschland = Jodmangelgebiet = Kropfgebiet hat sich trotz der Jodierung von Speisesalz für heute ältere Erwachsene nicht grundlegend geändert. Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommt die verbesserte Jodversorgung aber bereits zugute, falls in den Familien konsequent Jodsalz verwendet wird.

Die häufigste Schilddrüsenerkrankung ist die Struma (Kropf)

Jodmangel kann zu einem Kropf führen - die häufigste Erkrankung der Schilddrüse in Deutschland.

Mit einem Kropfband läuft in Deutschland kaum noch jemand herum. Und dennoch macht sich der Jodmangel, der in den meisten Gebieten noch besteht, immer noch durch eine Jod-Unterversorgung der Schilddrüse bemerkbar. Da diese den Mangel durch vermehrtes Wachstum auszugleichen versucht, entsteht am Hals ein Kropf (Struma).

Struma ohne Knoten: Wird der Kropf nicht allein durch seine Größe zu einer Belastung, bemerken ihn die Patienten oft nicht. Um ein weiteres Wachstum zu verhindern und Komplikationen zu vermeiden, sollte er aber dennoch behandelt werden.

Struma mit sogenannten heißen Knoten: Darunter versteht man Knoten an der Schilddrüse, die unabhängig von der Hypophyse zu viele Schilddrüsenhormone produzieren und dadurch zu einer Überfunktion führen können.

Sogenannte kalte Knoten: Sie sind kaum sichtbar und nicht aktiv, können jedoch in manchen Fällen einen Tumor enthalten und dadurch Auslöser eines Schilddrüsenkarzinoms werden.

"In erster Linie gilt es abzuklären, ob sich im Kropf ein heißer oder kalter Knoten gebildet hat. Aber auch eine Struma ohne Fehlfunktionen sollte behandelt werden: Jod-Tabletten verhindern, dass der Kropf weiter wächst. Die Kombination mit Schilddrüsenhormontabletten gleicht eventuell darauf beruhende Unterfunktion aus."

Prof. C. Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des Hormon- und Stoffwechselzentrums München

Autoimmunerkrankungen
Morbus Basedow: Die körpereigene Abwehr greift das Schilddrüsengewebe an und hat eine Überfunktion zur Folge. Manche Patienten werden zusätzlich durch Gewebeschwellungen an den Augen, Hautveränderungen und Gelenkschmerzen belastet.
Hashimoto-Thyreoiditis: Auch bei dieser Krankheit führt der Körper einen Kampf gegen sein eigenes Organ. Die Schilddrüse wird chronisch entzündet und schrumpft. Es besteht die Gefahr einer Unterfunktion.

Besondere Formen der Über- bzw. Unterfunktion

Angeborene Fehlbildungen: Manche Menschen kommen mit einer verkleinerten oder ohne Schilddrüse zur Welt. Die dadurch ausgelöste Unterfunktion muss beim Neugeborenen sofort behandelt werden, um bleibende Schäden zu vermeiden.

Entzündungen: Nach einer Geburt leiden viele Frauen vorübergehend unter einer Schilddrüsenüberfunktion. Andere Entzündungen äußern sich in einer Unterfunktion. Als häufigste Form der Entzündung gilt jedoch die Thyreoiditis de Quervain, bei der sich Riesenzellen in der Schilddrüse bilden. Eine vorübergehende Überfunktion kann entstehen.

Jod in Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft und der Stillzeit sollten Frauen genügend Jod zu sich nehmen, um den Bedarf von Mutter und Kind zu decken. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Schilddrüse der Frau dauerhaft vergrößert beziehungsweise das Kind mit einem Kropf und eventuell einer Schilddrüsenunterfunktion zur Welt kommt. Früher hatte der Jodmangel sogar Einfluss auf die geistige Entwicklung der Kinder. Heute lässt sich eine Unterfunktion mithilfe der Neugeborenenuntersuchung frühzeitig feststellen und gegebenenfalls ausgleichen.

Jodierung von Speisesalz: Viel Nutzen, keine Gefahr

Erst seit den 1980er Jahren hat sich die Jodversorgung der deutschen Bevölkerung verbessert. Durch jodiertes Speisesalz und Mineralstofffütterung an Nutztiere lässt sich der "natürliche" Jodmangel weitgehend ausgleichen. Eine Jodierung von Trinkwasser wurde zwar angedacht, ist aber in Deutschland nicht erlaubt. Kritiker befürchten negative Folgen durch zu hohe Jodkonzentrationen in Speisen. Um einen Jodüberschuss zu vermeiden, wurde Kochsalz als Jodträger gewählt.

"Die Dosis, die durch jodiertes Speisesalz erreicht wird, kann die Entstehung eines Kropfes zwar verhindern, eine Überfunktion aber nicht verschlechtern. Im Gegenteil: Auch bei einer Überfunktion wächst eine jodverarmte Schilddrüse schneller als notwendig. Auch bei der Immunthyreopathie Typ Hashimoto braucht die Schilddrüse Nahrungsjod, um aus den Hormonvorstufen die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin zu bilden."

Prof. C. Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des Hormon- und Stoffwechselzentrums München


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