Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Der TSH-Wert Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen

Fast alle Erkrankungen der Schilddrüse lassen sich heute diagnostizieren, bevor sie zu körperlichen Symptomen einer Fehlfunktion führen. Erstes Anzeichen dafür ist oft ein veränderter TSH-Wert. Nimmt der Hausarzt im Gesundheitscheck Blut ab, wird die TSH-Bestimmung meist mit veranlasst.

Stand: 18.12.2014

Fast alle Erkrankungen der Schilddrüse lassen sich heute diagnostizieren, bevor sie zu körperlichen Symptomen einer Fehlfunktion führen. Im Bild: Frau bei einer Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse | Bild: picture-alliance/dpa

"Alle anderen Untersuchungen der Schilddrüse sollte allerdings ein Fachmann vornehmen, da Fachkenntnisse zur Beurteilung des Schilddrüsengewebes und der spezielleren Blutbefunde notwendig sind."

Prof. C. Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des Hormon- und Stoffwechselzentrums München

Wann sollte man seine Schilddrüse untersuchen lassen?

Dank der Gesundheitsuntersuchung beim Hausarzt wird ein großer Teil der Schilddrüsenerkrankungen rechtzeitig erkannt und kann dann auch behandelt werden. Therapeutisch sollte man nur dann eingreifen, wenn sich die Schilddrüse sicht- und fühlbar vergrößert.

"Natürlich könnte man vielleicht noch ein bisschen früher Erkrankungen feststellen. Aber wenn der Betroffene keine Beschwerden hat, hätte er von dieser Erkenntnis keinen Vorteil. Die einzige Ausnahme ist die Struma, der Kropf. Hier kann man zur Prävention Jod empfehlen."

Prof. C. Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des Hormon- und Stoffwechselzentrums München.

Hashimoto-Thyreoiditis

Da heute die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis auch bei jungen Menschen häufiger wird (bei Frauen deutlich häufiger als bei Männern), ist es sinnvoll, die Schilddrüse während der Schwangerschaft zu untersuchen. Denn in der Frühschwangerschaft steigt der Schilddrüsenhormonbedarf sofort an und Frauen mit einer Hashimoto-Thyreoiditis können den erhöhten Bedarf nicht decken. Der dadurch neu auftretende Schilddrüsenhormonmangel ist für die Mutter und für Wachstum und Entwicklung des Föten nachteilig.

So läuft die Diagnose ab

Bei Verdacht einer Schilddrüsenerkrankung erfolgen nach der körperlichen Untersuchung Aufnahmen der Schilddrüse mittels bildgebenden Verfahren.

Nachdem der behandelnde Arzt die medizinische Vorgeschichte abgefragt hat, betrachtet er die Halsregion und tastet die Schilddrüse ab. Dabei wertet er die Daten der Blutuntersuchung aus, die auch auf eine Autoimmunentzündung hindeuten können. Die Ultraschalluntersuchung dient der Feststellung eventueller Veränderungen der Gewebestruktur und Durchblutung der Schilddrüse bzw. Knotenbildung. Wenn sich im Ultraschall Knoten von mehr als 1ml Volumen zeigen, wird ein Szintigramm notwendig.

Szintigramm: Mit Strahlen den Knoten auf der Spur

Im Rahmen eines Szintigramms werden dem Patienten schwach radioaktive Substanzen in den Körper gespritzt. Sie reichern sich in der Schilddrüse an und zwar umso stärker, je aktiver die jeweilige Region ist. Dadurch können die Ärzte zwischen normal funktionierenden, nicht funktionierenden "kalten" und überfunktionierenden "heißen" Knoten unterscheiden. Regelmäßige Szintigramme zur Verlaufskontrolle bei bestehenden Schilddrüsenknoten lehnt Prof. Pickardt ab.

"Das ist eine Frage der Strahlenhygiene. Jährliche Untersuchungen sind bei den heutigen diagnostischen Möglichkeiten nicht notwendig. Ein weiteres Szintigramm ist nur dann sinnvoll, wenn sich daran eine Therapie, wie z.B. eine Radioiod-Behandlung anschließt und man vorher genau wissen will, mit welcher Dosis man arbeiten muss."

Prof. C. Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des Hormon- und Stoffwechselzentrums München

Vorsicht bei Herzerkrankungen mit und ohne Herzrhythmusstörungen!

Leidet ein Schilddrüsenpatient auch an einer schweren anderen Erkrankung, so tritt für manche Ärzte die Schilddrüsenfehlfunktion in den Hintergrund - mit möglicherweise fatalen Folgen.

"Bei Herzrhythmusstörungen wird bei der Abklärung häufig ein jodhaltiges Kontrastmittel gespritzt. Dieses enthält mehr als die tausendfache Menge des täglichen Bedarfs an Jod. Hat der Patient bereits eine Schilddrüsenüberfunktion, verschlechtert sich sein Zustand dadurch, und er wird schwerer behandelbar."

Prof. C. Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des Hormon- und Stoffwechselzentrums München


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