Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Hintergrund Schilddrüse

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Tabletten, Operation oder Radiojod-Therapie? Therapie von Schilddrüsenerkrankungen

Die meisten Schilddrüsenerkrankungen lassen sich nicht im eigentlichen Sinne heilen. So müssen Menschen, die an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, für den Rest ihres Lebens täglich eine Tablette zu sich nehmen. Stimmt die Dosis, sind sie dadurch in ihrer Lebensqualität jedoch nicht beeinträchtigt.

Stand: 18.12.2014

Menschen, die an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, müssen für den Rest ihres Lebens täglich eine Tablette zu sich nehmen. Im Bild: Frau bei der Einnahme einer Tablette | Bild: Stockbyte

Menschen mit einem Kropf müssen ihr Leben lang täglich eine Tablette mit Jod zu sich nehmen, um eine Verschlimmerung zu verhindern. Liegt bereits eine Unterfunktion vor, so geben die Ärzte das Hormon L-Thyroxin. Es entspricht einem der körpereigenen Schilddrüsenhormone.

"Bei einer Unterfunktion ist funktionsfähiges Schilddrüsengewebe verloren gegangen. Dieser Verlust lässt sich nicht heilen, nur ausgleichen. Da der Schilddrüsenhormonbedarf - außer während der Schwangerschaft - bei stabilem Gewicht ziemlich konstant bleibt, kann man den Patienten durch die Substitution eine gute Lebensqualität ermöglichen."

Prof. C. Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des Hormon- und Stoffwechselzentrums München

Nebenwirkung der Thyroxin-Behandlung

Da die Hormon L-Thyroxin Behandlung für längere Zeit geplant ist, sollte die Tablette möglichst keine Nebenwirkung haben. Schilddrüsenhormone verursachen keinen Magensäureüberschuss, den gastro-ösophagealen Reflux. Er hat eigentlich eine anatomische oder andere Ursache. Aber: Manche Beistoffe können eine Beschwerdesymptomatik bei einem Einzelnen mit Reflux auslösen. Deswegen sollte der Patient den behandelnden Hausarzt oder Spezialarzt detailliert befragen.

Die Grenzen der medikamentösen Therapie

Auch Schilddrüsenüberfunktionen werden zunächst medikamentös behandelt - in der Regel aber nicht länger als ein Jahr. Die Patienten erhalten dabei Mittel, die die Hormonproduktion hemmen. Nach dem Ende der Medikation müssen die Ärzte den weiteren Verlauf beobachten. Bei Überfunktionen vom Typ Morbus Basedow kommt es vor, dass die Krankheit während der medikamentösen Therapie zum Stillstand kommt.

Therapie heißer Knoten

Nicht jede Schilddrüsenerkrankung bekommt man durch Medikamente in den Griff.

"Heiße Knoten" jedoch bleiben ein dauerhaftes Risiko. Treten nach dem Ende der Medikamentengabe wieder Krankheitsschübe auf, müssen die entsprechenden Regionen entfernt beziehungsweise ausgeschaltet werden. Dazu hat der Arzt zwei Möglichkeiten: Operation oder Radiojod-Therapie.

Radiojod-Therapie: Kurz und schmerzlos

Bei der Radiojod-Therapie trinkt der Patient eine Flüssigkeit, die radioaktives Jod enthält. Es reichert sich in der Schilddrüse an und macht dort die überproduzierenden Areale funktionsunfähig. Für den restlichen Körper ist die Substanz ungefährlich. Zur Behandlung begibt sich der Patient für drei bis sieben Tage in die Strahlenstation einer Klinik. Besuch dort ist nicht möglich. Außerhalb Deutschlands wird die Radiojodtherapie ambulant durchgeführt.

"Eigentlich ist dieses Vorgehen im Ausland nicht logisch, denn so sind unter anderem die Angehörigen und Kontaktpersonen in den ersten Tagen der Strahlung ausgesetzt. Aus diesen strahlenhygienischen Gründen bleibt es in Deutschland bei der stationären Radioiodbehandlung."

Prof. C.Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des Hormon- und Stoffwechselzentrums München

Operation oder Radiojod-Therapie?

Im Prinzip sind beide Behandlungsverfahren bei der Überfunktion gleichwertig. Für eine Operation spricht, wenn neben den 'heißen' auch 'kalte' Knoten in der Schilddrüse vorhanden sind. Diese lassen sich durch Radiojod nicht entfernen. Auch sehr große Schilddrüsen, die durch die Größe ihre Nachbarorgane (Luft- und Speiseröhre oder den Stimmbandnerven) beeinträchtigen, sollten operativ behandelt werden. Durch die Radiojod-Therapie geht die Größe der Schilddrüse im Mittel nur um 30 Prozent zurück.

"Besteht kein zwingender Grund zur Operation und sind die entsprechenden Einrichtungen vorhanden, kann der Patient frei mit entscheiden, welche Behandlung er vorzieht. In beiden Fällen muss er anschließend das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin in Tablettenform zu sich nehmen, und zwar lebenslang."

Prof. C. Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des Hormon- und Stoffwechselzentrums München

Unterfunktion durch Therapie der Überfunktion

Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion tauschen mit der Therapie oft eine Funktionsstörung gegen die andere aus: Dann entsteht häufig eine Schilddrüsenunterfunktion, weil zu viel Schilddrüsengewebe zerstört werden musste.

"Im Prinzip wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, nur dass der Beelzebub sich besser im Zaum halten lässt. Wir können es schlicht nicht besser. Es gibt keine andere Möglichkeit, eine Überfunktion zu kurieren bzw. einen Rückfall komplett zu verhindern. Wir können also nur das kleinere Übel suchen. Und da die Überfunktion zu schwerwiegenden Nebenwirkungen an anderen Organen – wie dem Knochenapparat, und dem Herz-Kreislauf-System, aber auch der Persönlichkeit -  führen kann, nimmt man die gut behandelbare Unterfunktion in Kauf."

Prof. C. Renate Pickardt, Internistin und Endokrinologin des Hormon- und Stoffwechselzentrums München


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