Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Ursachen von Reflux Warum schmerzt die Speiseröhre?

Wenn Mageninhalt und -säure in die Speiseröhre aufsteigen, manchmal sogar bis zur Mundhöhle, sagt man umgangssprachlich dazu auch Aufstoßen. Mediziner sprechen von Reflux. Krankhaft ist so etwas nicht immer, es kann gelegentlich auch spontan vorkommen oder wenn man zu viel gegessen hat. Reflux als ständiger Begleiter ist jedoch nicht normal. Wer regelmäßig zwei- bis viermal in der Woche damit zu tun hat und das über einen längeren Zeitraum, z.B. über Wochen, sollte das beim Arzt abklären lassen.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 06.06.2016

Frau fasst sich an Speiseröhre, da sie an Reflux leidet | Bild: imago/Niehoff

Hat man regelmäßig (z.B. zweimal in der Woche) mit Reflux zu tun, sprechen Mediziner von chronischem Reflux. Sie unterscheiden dabei zwei Untertypen:

  • erosive Form: Reflux verbunden mit Schleimhautveränderungen oder entzündlicher Veränderung der Speiseröhrenschleimhaut
  • nicht erosive Form: Reflux ohne derartige Schleimhautveränderungen

Die Therapie muss daraufhin am besten durch eine Abklärung mittels Magenspiegelung  abgestimmt werden.

Folgen von Reflux

Steigt nachts die Magensäure in die Mundhöhle, kann dadurch das Gebiss in Mitleidenschaft gezogen werden. Es kann zu Schäden am Zahnschmelz kommen. Außerdem kann dadurch Heiserkeit ausgelöst werden, eine Kehlkopfentzündung, Reizhusten oder Asthmaanfälle. Wer nachts immer wieder kleine Mengen von Magensaft einatmet, kann eine chronische Bronchitis bekommen. Viele Patienten mit Reflux schlafen vor allem dann schlecht, wenn sie zusätzlich noch eine Schlafapnoe mit Atemstillstand haben.

Ständige Entzündung

Bei der erosiven Form des chronischen Reflux hinterlässt die aufsteigende Speise Spuren auf der Speiseröhrenschleimhaut, daraufhin kann die sich entzünden. Unternimmt man nichts, kann das dazu führen, dass sich die Schleimhautstruktur verändert.

"Dann baut sich das normale Plattenepithel in der Speiseröhrenschleimhaut um in ein Zylinderepithel, das ist eine mögliche Krebsvorstufe, aus der ein Karzinom der Speiseröhre entstehen kann."

Prof. Dr. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und Facharzt für Innere Medizin, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf.

Männer und Frauen

Symptomatische Magenschmerzen werden etwas häufiger von Frauen berichtet (60 Prozent gegenüber 40 Prozent bei Männern). Eine allgemeingültige Ursache ist allerdings nicht bekannt. Refluxbeschwerden bei Frauen in der Schwangerschaft sind häufiger anzutreffen. Das Kind „drückt“ auf den Magen, und die Hormone in der Schwangerschaft lockern die Muskeln, auch die beim Magenverschluss wirkenden. Reflux beim Mann hängt damit zusammen, dass Männer vor allem im Alter eher zum Fettbauch neigen (Adipositas) und sich der Magen nicht so ausdehnen kann. Bewiesen ist das jedoch nicht.

Barrett-Syndrom

Diesen Schleimhaut-Umbau ausgelöst durch eine chronische Entzündung hat Ende der 1950er Jahre erstmals der britische Chirurg Norman Barrett beschrieben. Nach ihm wurde der Vorgang (Barrett-Syndrom) benannt. Mediziner unterscheiden zwischen dem so genannten „Short Barrett“, bei dem nur ein kleines Stück Schleimhaut (< 3 cm) betroffen ist (oder mehrere kleine Stellen) und dem „Long Barrett“ (> 3 cm). Bei der kleinen Form ist die Wahrscheinlichkeit einer Entartung gering, bei der größeren dagegen ist sie deutlich erhöht und Ärzte raten zu regelmäßigen endoskopischen Kontrollen.

Magenkrebs

Die Frühstufen von Magenkrebs verursachen meistens keine Schmerzen. In der Regel bekommen Patienten erst dann Beschwerden, wenn sie bereits im fortgeschrittenen Stadium sind. Statistisch gesehen nimmt die Häufigkeit von Magenkrebs jedoch ab.


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