Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Parodontitis Angriff auf den Zahnhalteapparat

Anders als beispielsweise bei Karies ist bei der Parodontitis der Zahn selbst nur indirekt betroffen. Vielmehr ist es der Zahnhalteapparat, der den betroffenen Patienten Sorgen bereitet.

Von: Klaus Schneider

Stand: 01.08.2016

Leiccht entzündetes Zahnfleisch eines Kindes | Bild: picture-alliance/dpa

Bei der Parodontitis handelt es sich um eine Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontium), ausgelöst durch Keime. Wird die Krankheit nicht eingedämmt, führt sie dazu, dass das Gewebe, das den Zahn festhält, nach und nach zerstört wird und der Zahn letztlich ausfällt.

Zwei Formen der Parodontitis

Experten unterscheiden zwischen der chronischen und der aggressiven Parodontitis. Letztere kann bereits im jugendlichen Alter auftreten, manchmal auch bei Kindern und führt zu einem schnellen Gewebeverlust.

"Diese Patienten müssen wir herausfiltern und natürlich sehr intensiv behandeln. In der Regel müssen sie viermal im Jahr zu uns zur engen Nachsorge."

Prof. Dr. Anselm Petschelt.

Bei weitem nicht so schnell verläuft die jedoch viel häufigere Erscheinungsform, die chronische Parodontitis. Sie beginnt üblicherweise im Erwachsenenalter ab 35 bis 40 Jahren und nimmt mit zunehmendem Alter auch in Häufigkeit und Ausprägung zu. Erstes Anzeichen dafür ist Zahnfleischbluten. Für Laien ist die Parodontitis allerdings nur schwer zu erkennen. Regelmäßige Besuche beim Zahnarzt sind also unabdingbar.

Ursachen für Parodontitis

Hauptursache für die chronische Parodontitis ist neben immungenetischer Veranlagung v.a. unzureichende Mundhygiene. Im Laufe des Lebens zieht sich das Zahnfleisch etwas zurück. Damit legt es Bereiche des Zahnes auf der Wurzeloberfläche frei, die schneller Beläge anlagern. Zum einen werden diese Flächen leichter kariös, zum anderen findet die chronische Parodontitis genau dort in den Zahnzwischenräumen ihren Ursprung. Bakterieller Biofilm (Plaque) bildet sich am Zahn und dem ihn umgebenden Zahnfleisch. Wird er nicht rechtzeitig entfernt, kommt es zu einer Infektion des Zahnfleisches (Gingivitis) und des Zahnhalteapparates. Das Zahnfleisch löst sich vom Zahn und bildet Zahnfleischtaschen. Letztlich kommt es zum Gewebeabbau einschließlich des Knochens.

Tabakkonsum

Nikotin ist ein Nervengift, das die Blutgefäße im Zahnfleisch verengt. Abwehrzellen im Blut haben so weniger die Möglichkeit, schädliche Bakterien zu bekämpfen. Raucher haben ein deutlich höheres Parodontitisrisiko als Nichtraucher und wesentlich höheres Risiko für Zahnverlust.

Stress

Stress ist kein kausaler aber ein modifizierender Faktor: Das heißt, Stress beeinflusst das Immunsystem, je geringer der Stress desto geringer das Risiko für Parodontitis.
Weitere Faktoren sind: Hormonelle Veränderungen (z.B. in der Schwangerschaft), andere Erkrankungen wie Diabetes. Auch übermäßiger Alkoholkonsum, Übergewicht/falsche Ernährung, genetische Disposition etc. spielen eine Rolle Die genetische Disposition und Zusammenhänge mit anderen Erkrankungen (wie z.B. Morbus Crohn) werden derzeit intensiv untersucht.

Parodontitis: Eine Dauererkrankung

Wird die chronische Parodontitis richtig behandelt, ist sie gut in den Griff zu bekommen. Allerdings begleitet sie Betroffene zeitlebens, ähnlich wie beim Diabetes. Wer einmal davon betroffen ist, muss sein ganzes Leben lang besonders dafür sorgen, dass Plaquebakterien sich nicht in größerer Menge festsetzen können.


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