Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Möglichkeiten von Endoprothesen Wann und wo sind künstliche Gelenke sinnvoll?

Ein künstliches Gelenk zu implantieren ist nur dann sinnvoll, wenn der Patient dauerhaft Schmerzen hat und diese anhand der Röntgenbilder erklärbar sind.

Stand: 18.07.2017

Ein Weltpatent für diese speziellen künstlichen Gelenke für Finger- und Zehenknochen besitzt Hans-Jürgen Moje in Eisenberg. derzeit befinden sich seine Endoprothesen aus Zirkoniumkeramid im klinischen Test. | Bild: picture-alliance/dpa

"Man muss immer bedenken, dass der Ersatz eines Gelenks nicht die dahinterliegende Grunderkrankung behebt. Außerdem lockert sich jedes künstliche Gelenk irgendwann wieder. Deshalb ist der Zeitpunkt des Ersteinbaus entscheidend."

Prof. Jansson, Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation der Ludwig-Maximilians-Universität München

Wie lange hält ein künstliches Gelenk?

Im statistischen Mittel halten künstliche Gelenke mittlerweile über 15 Jahre. In der Realität ist die Haltbarkeitsspanne allerdings sehr groß: Manche lockern sich bereits nach einem halben Jahr, andere halten problemlos 20 oder 30 Jahre. Die Hauptproblematik liegt im Abrieb von Polyethylen, der im Körper zu Entzündungsreaktionen führt, die letztlich das Implantat vom Knochen lösen. Vieles hängt davon ab, wie viel Abrieb das Immunsystem eines Patienten verträgt und wie viel Abrieb der Betroffene durch seine Aktivität produziert.

In Bewegung bleiben – aber nicht übertreiben!

Konkret bedeutet dies, dass sportlichere Patienten mehr Abrieb produzieren, dies aber in den ersten zehn Jahren durch eine bessere Gelenkführung aufgrund ihrer stärkeren Muskulatur ausgleichen. Danach steigen die Lockerungsraten bei diesem Patientenkreis jedoch stark an.

Deshalb: Muskulatur trainieren, aber nicht übertreiben!

Was kann noch ersetzt werden?

Neben den beiden klassischen Einsatzgebieten von Endoprothesen – Hüfte und Knie – können auch einige andere Gelenke ersetzt werden. Unter anderen:

  • Schultergelenke
  • Sprunggelenke
  • Ellenbogengelenke
  • Fingergelenke

Es handelt sich allerdings jeweils um deutlich geringere Fallzahlen und die Funktionalität der Prothesen ist in der Regel deutlich eingeschränkt.

Noch mehr Künstliches

"Ziel des Tissue Engineering ist es, auch Sehnen, Knochen und Knorpel verstärkt ersetzbar zu machen. Hier stehen wir aber noch relativ am Anfang der Entwicklung. Bis jetzt gelingt es nur, Knorpel zu züchten, der dem Gelenkknorpel ähnlich ist. Und auch das erfordert optimale Bedingungen."

Prof. Jansson


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