Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Künstliche Gelenke Über Endoprothesen

Die beiden Haupteinsatzgebiete von Endoprothesen sind die Bereiche Hüfte und Knie. Doch beide unterscheiden sich im Erfolg.

Stand: 18.07.2017

Ein mit Titan-Nitrit beschichtetes künstliches Kniegelenk, aufgenommen am 26.07.2005 in Rathenow bei der Firma OHST Medizintechnik Rathenow AG | Bild: picture-alliance/dpa

Im Hüftbereich ist die größte Erfolgsquote zu verzeichnen: Weit über 90 Prozent der Patienten sind im Nachhinein mit den eingesetzten künstlichen Gelenken zufrieden.

Bei den künstlichen Kniegelenken sieht es etwas anders aus: Hier sind etwa 80 Prozent der Patienten zufrieden, circa zehn Prozent stellen keine Verbesserung fest und die restlichen zehn Prozent empfinden sogar eine Verschlechterung.

Problemfall Knie

Aufgrund der komplexen Bewegungsabläufe im Kniebereich, die von den Ärzten immer noch nicht ganz verstanden werden, gelingt es häufig nicht, Prothesen optimal einzufügen.

"Ein wesentliches Problem liegt hier auch darin, künstliche Gelenke der Bandstruktur im Knie anzupassen. Computersimulationen und Studien an Kniepräparaten, wie sie z.B. im Klinikum Großhadern durchgeführt werden, sollen hier weitere Erkenntnisse liefern."

Prof. Jansson, Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation der Ludwig-Maximilians-Universität München

Was ein Kunstgelenk nicht kann

Ein entscheidender Vorteil eines natürlichen Gelenks gegenüber einem künstlichen ist, dass es – gerade im Kniebereich – weiter gebeugt werden kann. Zudem kann der natürliche Bandapparat im Knie eine Endoprothese nur begrenzt stützen, was gerade bei Rotationsbewegungen (wie etwa beim Tennis spielen) zu Problemen führen kann.

"Deswegen gilt gerade im Kniebereich: Je kleiner das künstliche Gelenk, desto besser funktioniert es in der Regel."

Prof. Jansson

Eingesetzte Materialien

Bei den Endoprothesen unterscheiden sich die Materialien an Hüfte und Knie zum Teil.

  • Beim Kniegelenkersatz werden häufig Chrom-Kobalt-Legierungen verwendet. Jedoch enthalten diese Verbindungen meist auch etwas Nickel, was bei einigen Patienten zu Unverträglichkeitsreaktionen führen kann. Zwischen den Metallteilen liegt Polyethylen, das den Knorpel ersetzt.
  • An der Hüfte findet Titan häufiger Verwendung, wenn das Implantat direkt in Kontakt mit dem Knochen kommt, also ohne Knochenzement eingebracht wird.

Alternative Keramik

Teilweise werden Knie-Prothesen auch mit Keramik beschichtet, was sie härter macht, aber zum Problem werden kann, wenn die Beschichtung abplatzt. Künstliche Kniegelenke, die komplett aus Keramik bestehen, sind weniger bruchfest und werden noch nicht regelmäßig verwendet.

Bei der Hüfte kommt bei sportlicheren Patienten häufiger eine Keramik-Gleitpaarung zum Einsatz, da hier weniger Abrieb entsteht. Die Bruchwahrscheinlichkeit im Hüftbereich ist heutzutage sehr gering. Welches Material aber letztlich verwendet wird, hängt auch vom Anspruch des einzelnen Patienten ab.


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