Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Wenn mit bildgebenden Verfahren das Gehirn untersucht wird

Von: Monika Dollinger

Stand: 26.06.2014

Mithilfe modernster Technik können Mediziner ins Gehirn schauen - im Bild: Aufnahme eines Gehirns mittels eines Computertomographen, im Hintergrund Patientin im CT | Bild: picture-alliance/dpa

Plötzliches Stottern, Vergesslichkeit oder seltsames Symptome – was geht im Gehirn vor? Warum funktioniert es nicht mehr wie vorher? Da man ja das Gehirn nicht einfach aufschneiden kann, um nachzuschauen, hilft sich die Medizin mit modernen technischen Verfahren. Die entsprechende medizinische Fachrichtung heißt Neuroradiologie.

Definition: Neuroradiologie

Die Neuroradiologie beschäftigt sich mit der Diagnostik von Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems. Dazu nutzt sie bildgebenden Methoden. Während der Patient mit diesen bildgebenden Verfahren untersucht wird, kann er auch therapiert werden: Wenn beispielsweise ein Katheter ins Gehirn geführt wird, um verschlossene Blutgefäße zu öffnen oder rupturierte Gefäße (sogenannte Aneurysmen) zu verschließen. Auch kann mithilfe der bildgebenden Verfahren mit Nadeln ein Medikament an die genau richtige Stelle z.B. im Bereich der Wirbelsäule gespritzt werden.

Was sind bildgebende Verfahren?

Die häufigsten Methoden der Bildgebung in der Neuroradiologie sind tomographische Verfahren, vor allem die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie (Kernspin) zur Diagnostik des Gehirns und des Rückenmarks.

Definition Tomographie

Tomographie werden technische Verfahren genannt, die ein virtuelles Schnittbild von einem Körperteil machen.

Wann werden Neuroradiologen zu Rate gezogen?

Hat der Patient einen Schlaganfall oder eine Blutung im Gehirn, besteht der Verdacht auf MS, Parkinson oder einen Hirntumor?

Experte:

Prof. Dr. Claus Zimmer, Abteilung für diagnostische und interventionelle Neuroradiologie am Neuro-Kopf-Zentrum, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München | Bild: Technische Universität München

Prof. Dr. Claus Zimmer, Abteilung für diagnostische und interventionelle Neuroradiologie am Neuro-Kopf-Zentrum, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München

Immer wenn es wichtig ist zu verstehen, was genau im Gehirn passiert, werden Patienten zum Neuroradiologen geschickt. Meistens geht es darum herauszufinden, z.B. ob und welche Art von Durchblutungsstörung vorliegt – oft in akuten Fällen wie nach einem Unfall.

Röntgen

Röntgen spielt nur noch eine geringe Rolle in der Neuroradiologie, da damit das Gehirn selbst nicht sichtbar gemacht werden kann. Durch das Röntgen kann man recht gut den Schädelknochen darstellen. Nach einem Unfall kann man so erkennen, ob er gebrochen ist. Aber das Wichtigste, nämlich wie der Zustand des Gehirns ist, kann man so nicht erfahren. Die Bedeutung des Röntgen hat in der Hirndiagnostik massiv abgenommen.

Angiographie

Die Angiographie beruht auch auf Röntgenstrahlen: Mit einem Kontrastmittel werden die Gefäße markiert und dann wird ein Röntgenbild erstellt. Bei Hirnblutungen, z.B. im Rahmen von Gefäßaussackungen („Aneurysmen“), gehört die Angiographie zu den Standard-Untersuchungsverfahren.

Die Neuroradiologie umfasst unter anderem die Bewertung von Aufnahmen mittels CT (Computertomographen) - im Bild: Computertomographie eines Gehirns auf einem Monitor am Klinikum Hamburg-Eppendorf | Bild: Getty Images; Bearbeitung: BR zum Artikel Schnelle Übersicht über das Gehirn Computertomographie (CT)

„Das CT“ oder ausgeschrieben: die Computertomographie ist eine der wichtigsten modernen Untersuchungsmethoden – auch des Gehirns. Seine Stärke: Schnelle Ergebnisse. [mehr]

Die Neuroradiologie umfasst viele Bereiche, so auch die Magnetresonanztomographie (MRT) - im Bild: Aufnahme eines Gehirns mittels MRT am Klinikum München-Großhadern | Bild: colourbox.com zum Artikel Bester Blick ins Gehirn Magnetresonanztomographie (MRT)

MRT oder im Fachterminus: die Magnetresonanztomographie dauert länger als die Computertomographie, aber sie ist auch genauer und deswegen manchmal überlegen. [mehr]

Aufnahme eines menschlichen Gehirns mittels funktioneller Magnetresonanztomographie, sogenannter fMRT, wodurch insbesondere Durchblutungsänderungen bestimmter Hirnareale bildlich dargestellt werden können. | Bild: TU München zum Artikel Blick auf die Arbeit des Gehirns Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT)

Wenn eine Magnetresonanztomographie sogenannt funktionell ist, bedeutet das, dass man sieht, wie das Gehirn funktioniert, also was es gerade tut - und das kann sehr wichtig sein, um Krankheiten zu erkennen. [mehr]

MRT-Aufnahmen | Bild: BR zum Artikel Wo braucht das Gehirn Energie Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Eine weitere wichtige moderne Untersuchungsmethode ist die Positronen-Emissions-Tomographie, mit der man erkennt, wo das Gehirn Energie verbraucht. [mehr]

Patienten mit teils unklaren Schmerzen sind sehr haeufig, gute Schmerztherapeuten – wie in dieser modernen und ansprechenden Praxis- eher selten. Diese Praxis fuer interventionelle Schmerztherapie bedient sich der High-Tech der Computertomographie, um gezielt z.B. bei Rückenschmerz den Punkt zu treffen. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Therapie Wie die Neuroradiologie behandelt

Diese ganzen technischen Untersuchungsmethoden können mehr als nur zu zeigen, was im Gehirn geschieht: Mit ihrer Hilfe kann man auch gezielter, also besser behandeln. [mehr]

Beim Vorliegen einer Alzheimer-Erkrankung lassen bildgebende Verfahren erkennen, wo Eiweiß-Ablagerungen, sogenannte Plaques, sitzen - im Bild: Zwei Hirnaufnahmen: von einem gesunden Probanden (links) und einem Alzheimerpatienten | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Alzheimer auf der Spur Wie man Demenzen sichtbar macht

Bei Gedächtnisstörungen ist es wichtig zu wissen, wodurch sie entstehen. Liegt womöglich eine Durchblutungsstörung im Gehirn vor? Oder ist es eine beginnende Alzheimer-Demenz? [mehr]


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