Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Hintergrund Neurologie

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Neurologie Behandlung verschiedener Krankheitsbilder

Eine wesentliche Therapieform ist aber auch ein gezieltes Training der gestörten Funktionen wie es z.B. in der Neuro-Rehabilitation erfolgt. Typische neurologische Erkrankungen und Störungen des Gehirns sind unter anderem Schlaganfall, Kopfschmerzen und Parkinson.

Von: Uli Hesse

Stand: 09.01.2018

Der Leiter der Stereotaktischen und Funktionellen Neurochirurgie in Hannover, Prof. Dieter Hellwig, zeigt seinem Patienten einen Neurostimulator,der bei Schmerzenpatienten überwiegend unter die Haut im Bauchbereich, bei Patienten mit Bewegungsstörungen in der Brust und bei Inkontinenz im Bereich der Hüfte implantiert. | Bild: picture-alliance/dpa

Die Therapiemöglichkeiten sind dabei abhängig von dem Zeitpunkt der Diagnose, so haben sich in den letzten Jahren in der Akutbehandlung eines Schlaganfalles neue Möglichkeiten ergeben, wie z.B. die Widereröffnung eines verschlossenen Hirngefäßes durch einen Katheder, der in dieses Gefäß vorgebracht wird, oder das Auflösen eines Blutgerinnsels durch Medikamente. In der Therapie von Kopfschmerzen werden neben verschiedenen Medikamenten auch die Stimulation von Nerven und beim Morbus Parkinson die Stimulation von Hirnarealen eingesetzt.

"Zum Glück geben sich Rückenschmerzen relativ häufig spontan. Der normale Rückenschmerz verschwindet in der Regel nach sieben bis 14 Tagen mehr oder weniger von alleine."

Prof. Andreas Straube

Gezielte Hilfe beim Bandscheibenvorfall

Wenn nicht, dann verordnet Prof. Straube beispielsweise eine Kombination aus Schmerzmitteln (wie den Entzündungshemmstoffen Diclofenac oder Ibuprofen) und gezielte Krankengymnastik.

Die Bandscheibenoperation

Bestehen deutliche Lähmungen oder kommt es zu keiner Besserung der Schmerzen, kommt eine Operation in Betracht: Dabei entfernt der Neurochirurg das Bandscheibengewebe bzw. sorgt dafür, dass dieses Gewebe nicht mehr auf die Nervenwurzel drückt. Im Bereich des Wirbelbogens macht er eine mikroskopisch kleine Erweiterung und saugt entweder das störende Gewebe ab oder beseitigt es mit einer schmalen Zange.

Medikamente gegen Kopfschmerzen

Bei chronischen Kopfschmerzen empfiehlt Prof. Straube eine Kombination aus psychologischen Maßnahmen (z.B. Entspannungstraining), Bewegungstherapie und Medikamenten, die z.T. prophylaktisch über einen längeren Zeitraum genommen werden müssen. Außerdem verschreibt er je nach Kopfschmerz-Typ vorbeugend Antidepressiva, Beta-Blocker und Antikonvulsiva. In der Kopfschmerzattacke kommen nicht-steroidale Antirheumatika und Triptane zum Einsatz. In Einzelfällen (chronische Migräne) spritzt man Botulinumtoxin in die Muskulatur am Nacken, Stirn und Schläfe. Für Patienten, die durch Medikamente nicht beschwerdefrei werden, kann eine Stimulation des Nervus vagus bzw. Äste des Nervus trigeminus helfen. In der Zukunft möglicherweise auch die Gabe von Antikörpern gegen einen Hirnbotenstoff, der eine wesentliche Rolle bei der Schmerzentstehung spielt (CGRP-Antikörper).

Erfolgreich gegen Kopfschmerz:

"Abhängig von der vorliegenden Kopfschmerzerkrankung können wir 40 bis 80 Prozent der Patienten helfen - wobei es wichtig ist, nicht nur Medikamente einzusetzen, sondern auch den Lebensstil zu ändern, regelmäßig Sport zu treiben, Entspannungsübungen zu erlernen."

Prof. Andreas Straube

Tipp:

Ein Schmerztagebuch kann dabei helfen, Auslöser zu finden (z.B. Stress) und den Therapieerfolg zu überwachen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson

Bei der häufigsten Form der Parkinson-Krankheit kommt es zu einem beschleunigten Absterben von Gehirnzellen an einer spezifischen Stelle im Gehirn. Dadurch leiden diese Bereiche an einem Mangel an Dopamin, einem wichtigen Botenstoff. Alle Therapiestrategien zielen deshalb darauf ab, mit täglicher Tabletten-Einnahme das Dopamin im Gehirn zu erhöhen.

"Die anfängliche Behandlung ist sehr einfach; wenn die Krankheit über Jahrzehnte hinweg andauert, wird die Behandlung immer schwieriger."

Prof. Andreas Straube

Daher wurde auch versucht, Patienten Dopamin-produzierende Gehirnzellen aus menschlichen Embryonen zu transplantieren - eine äußerst umstrittene Methode.

Neueste Forschung: Hirnstimulation - ein neuer Therapieversuch

Bei der tiefen Hirnstimulation werden Elektroden gezielt ins Gehirn implantiert. Die Elektroden sind mit einer Art Schrittmacher - ähnlich dem Herzschrittmacher - verbunden und schalten durch die Stimulation bestimmte Bereiche des Gehirns aus. Dadurch wird ein neues Gleichgewicht im Hirn hergestellt, sodass die Bewegungen wieder flüssiger werden. Diese Technik kommt vor allem Patienten zugute, bei denen andere Behandlungsmethoden nicht mehr anschlagen und die keine Störungen der Kognition zeigen.

Neue Forschung für Parkinson-Patienten

Zunehmend erkennt man, dass es bei der Parkinson-Erkrankung aber auch der Alzheimer-Erkrankung zu pathologischen Ablagerungen von Eiweißstoffen in bzw. an den Nervenzellen kommt. Es wird nun versucht, durch die Impfung gegen diese krankhaften Eiweißstoffe oder durch spezifische Medikamente (Antikörper gegen Amyloid) den Abbau dieser zu beschleunigen und so die kausale Ursache der Erkrankung anzugehen. Diese Ablagerungen von Protein entstehen entweder durch genetische Veränderungen der normalerweise im Gehirn vorkommenden Proteine oder durch sekundär ins Gehirn gelangte andere Proteine (Prionen). Mittlerweile unterscheidet man eine Reihe von neuro-degenerativen Erkrankungen, die auf dem ersten Blick ähnlich dem Morbus Parkinson bzw. dem Morbus Alzheimer sind, sich aber in den beteiligten Nervenzellen unterscheiden. Es ist daraus zu erhoffen, dass sich dadurch neue Therapieoptionen in der Zukunft ergeben.


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